Dem neuen 728-Jet droht deutliche Verspätung – Lufthansa besorgt
Banken sichern Geschäftsbetrieb bei Fairchild Dornier

Ein Bankenkonsortium, bestehend aus der Bayerischen Landesbank, der HypoVereinsbank und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), hätte am Mittwoch bereits über 20 Mill. $ zur Verfügung gestellt, teilte Fairchild Dornier am Donnerstag mit.

ebe DÜSSELDORF. Der insolvente deutsche Regionalflugzeugbauer Fairchild Dornier hat von Banken eine erste finanzielle Unterstützung zur Fortführung des Geschäftsbetriebs erhalten. Ein Bankenkonsortium, bestehend aus der Bayerischen Landesbank, der HypoVereinsbank und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), hätte am Mittwoch bereits über 20 Mill. $ zur Verfügung gestellt, teilte Fairchild Dornier am Donnerstag mit. Der gesamte Massekredit in Höhe von 90 Mill. $ , der teilweise auch vom Freistaat Bayern und vom Bund verbürgt werden solle, müsse noch durch die regulären Verfahren gehen.

Neben der Politik, die bei der EU bald eine Rettungsbeihilfe zur Prüfung anmelden will, sorgt sich auch die Lufthansa als Erstkunde des neuen 70-Sitzers 728-Jet um das Fortbestehen des deutschen Flugzeugbauers. Der Branchenriese versuche hinter den Kulissen alles, um den Absturz von Fairchild Dornier zu verhindern, schreibt das Wirtschaftsmagazin DMEuro unter Berufung auf hochrangige Unternehmenskreise. Lufthansa wolle das Zukunftsprogramm beim US-Konzern Boeing unterbringen, zu denen die Airline traditionell beste Beziehungen pflege, heißt es.

Der Regionaljet 728, der im kommenden Jahr erstmals ausgeliefert werden soll, ist mit Hilfe von Lufthansa-Ingenieuren speziell für die Anforderungen der Airline entwickelt worden. Luftfahrtexperten sind überzeugt, dass der neue Jet den Komfort größerer Flugzeuge mit der Wirtschaftlichkeit von Regionaljets vereinen kann. Der Liefertermin des neuen Jets (ursprünglich Sommer 2003) rückt allerdings mit jeder neuen Hiobsbotschaft bei Fairchild Dornier in immer weitere Ferne. Schon jetzt hat das ehrgeizige Milliarden-Projekt, das die Oberpfaffenhofener in die Insolvenz führte, gut drei Monate Verspätung. "Uns tut jede Woche weh, die wir später auf den Markt kommen", bestätigte ein Konzernsprecher dem Handelsblatt. Dies umso mehr, weil auch der brasilianische Konkurrent Embraer einen neuen 70-Sitzer entwickelt, der vermutlich kurz vor dem Fairchild-Dornier-Jet auf den Markt drängen wird: Während der 728-Jet wohl erst im Juli seinen Erstflug antreten kann, ist die Embraer 170 im Februar erstmals abgehoben.

Fairchild-Dornier betonte, auch in der Insolvenz werde Tag für Tag "fieberhaft" an dem Projekt weitergearbeitet. Das sei die einzige Chance für das Unternehmen. Nach Angaben eines Konzernsprechers erwartet die Deutsche Lufthansa die erste Lieferung des 728-Jets in der zweiten Jahreshälfte 2003. Branchenexperten indes sind skeptisch, dass Fairchild Dornier diesen Liefertermin noch einhalten kann. "Es würde schon sehr überraschen, wenn das im Jahr 2003 noch hinhaut", sagte ein intimer Firmenkenner des bayerischen Unternehmens.

Eine nicht allzu große Verspätung könnte Lufthansa allerdings verschmerzen. Es sei kein Problem, die Regionalflüge auch mit der jetzigen Flottenstruktur darzustellen, sagte der Sprecher, der Spekulationen über mögliche Stornierungen entschieden dementierte. "Wir stehen unverändert zu der technologischen Entscheidung für die 728 und sind vom Design des Flugzeugs überzeugt", heißt es bei Lufthansa. Der Konzern ist nicht nur Erstkunde, mit seiner Großbestellung über 60 Maschinen und 60 weiteren Optionen steht und fällt das gesamte Projekt. Über die spätere Verwendung der Jets im Konzernverbund sei noch nicht entschieden. Die 70-Sitzer müssten allerdings nicht zwingend bei der Regionaltochter CityLine eingesetzt werden.

Quelle: Handelsblatt

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