Dem Softwarehersteller fehlen die fertigen Endgeräte für Testläufe
Microsoft kann Bluetooth noch nicht helfen

Die schnurlose Anbindung von peripheren Geräten an den PC mittels der Bluetooth-Technologie ist eine gute Idee. Aber noch fehlen Endgeräte. Microsoft kann Bluetooth daher noch nicht unterstützen.

HB DÜSSELDORF. Die Marktforscher von Forrester Research verbreiteten die Nachricht: Softwarehersteller Microsoft versagt der neuen Bluetooth-Technologie mit seinem neuen Betriebssystem "Windows XP" die Unterstützung. Dabei war gerade die einfache schnurlose Anbindung von peripheren Geräten an den Personalcomputer eins der großen Themen auf der Computermesse Cebit in Hannover. Das Ende des Kabelwirrwarrs wurde versprochen.

Dass Microsoft bei der Vorstellung seines neuen Betriebssystems vor einigen Tagen in München zudem eindrucksvoll demonstrierte, dass sich mit XP sogar ein komplettes schnurloses Netzwerk ("Wireless LAN") unterstützen lässt, schien nur eine Bestätigung für die Befürchtung von Forrester zu sein.

Der Übertragungsstandard Bluetooth, an dem führende Hersteller weltweit arbeiten, dient dazu, Geräte wie Drucker, Scanner, Tastatur oder Maus schnurlos an den PC anzubinden; das soll auf eine Entfernung von maximal zehn Metern funktionieren. Ein Wireless LAN (Local Area Network) lässt zudem die schnurlose Verbindung zwischen verschiedenen Rechnern zu.

Dass das Softwarehaus bei der Unterstützung eines Wireless LAN weiter ist, damit aber keineswegs seinen Beistand für Bluetooth aufgibt, erklärt Microsoft: "Es gibt einfach noch keine ausreichende Zahl von Bluetooth-Geräten - ob Handys, Karten oder Drucker -, mit denen wir Tests vornehmen können."

Die Zeit drängt: Denn Wireless LAN ist nicht nur eine Lösung für Büros, sondern kann auch für den privaten Anwender interessant sein, wenn er beispielsweise einen älteren PC im Kinderzimmer mit seinem Hauptrechner verbinden will. Zusätzlicher Vorteil: Wireless LAN kann mehr als zehn Megabit pro Sekunde über eine wesentlich größere Distanz übertragen; Bluetooth ist lediglich auf ein Megabit ausgelegt.

Geringer Stromverbrauch

Dennoch macht der Einsatz von Bluetooth Sinn. Die Technologie ist preiswert, verbraucht so gut wie keinen Strom. In der untersten Leistungsklasse kommen Geräte mit einem Milliwatt Leistung aus und weisen damit geradezu traumhafte Standby-Zeiten auf. "Aber die Industrie muss allmählich zur Sache kommen und Geräte endlich anbieten, bevor nicht die Wireless- LAN- Technologie mit ebenfalls einfachen und preiswerten Angeboten sich durchsetzt", mahnt Microsoft. Während Bluetooth-Module kaum teurer als ein herkömmliches Kabel sein dürften, kostet derzeit die drahtlose Vernetzung von Personalcomputern für die Basisstation noch 1 000 bis 2 500 DM und pro angeschlossenem PC noch einmal 200 bis 400 DM - Tendenz: fallend.

Offenbar bremsen sich die Anbieter von Bluetooth-Geräten derzeit selber aus. Sie laufen Gefahr, von ihrem ursprünglichen Ziel, lediglich den Kabelsalat am Arbeitsplatz zu beseitigen, abzukommen und immer mehr Ansprüche mit Bluetooth wie eine höhere Bandbreite oder eine verbesserte Sicherheit erfüllen zu wollen. "Das Bluetooth-Konzept sieht nur eine Reichweite von maximal zehn Metern vor, da muss man sich keine Gedanken darüber machen, ob die Übertragung in zehn Kilometern Höhe von einem Satelliten abzuhören ist", merkte ein Microsoft-Sprecher an.

In der Unterstützung eines theoretischen Bluetooth-Standards erkennt Microsoft jedenfalls keinen Sinn und verweist auf die Erfahrungen, die man damit auf der Cebit gemacht hat. Die gesamte Halle 13 wurde mit 130 Basisstationen ausgestattet. Richtig funktioniert hat?s nicht, weil die Geräte sich über die Standards nie so recht einig waren.

Microsoft wartet nun lieber erst einmal ab. Nicht ausgeschlossen wird, dass mit der Auslieferung des fertigen Produkts Windows XP an den Handel "irgendwann in der zweiten Jahreshälfte" auch Bluetooth unterstützt wird. Einen Treiber dazu zu konzipieren, sei jedenfalls kein großes Problem.

Eine Einbindung ins Betriebssystem wäre allerdings besser. Wenn beispielsweise bei der Übertragung sich Schwankungen der Feldstärke ergeben, kann das das Betriebssystem erkennen und entsprechend reagieren. Es wird dann nicht gleich die gesamte Verbindung abgebrochen und neu aufgebaut, weil vielleicht zwei Sekunden lang die Daten nicht sauber übermittelt wurden.

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