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Dem Tod getrotzt: Eine dunkelhäutige Waise in Russland erzählt

München (dpa) - «Wenn du weder Arme noch Beine hast und es auch noch fertiggebracht hast, als Waisenkind auf die Welt zu kommen - dann war's das.» Ruben Gonzalez Gallego hat trotzdem überlebt - als behinderte, dunkelhäutige Waise in der grausamen Welt sowjetischer Kinderheime. «Ich bin ein Held. Ich habe einfach keine andere Wahl», schreibt der russische Autor spanischer Abstammung in «Weiß auf Schwarz».

München (dpa) - «Wenn du weder Arme noch Beine hast und es auch noch fertiggebracht hast, als Waisenkind auf die Welt zu kommen - dann war's das.» Ruben Gonzalez Gallego hat trotzdem überlebt - als behinderte, dunkelhäutige Waise in der grausamen Welt sowjetischer Kinderheime. «Ich bin ein Held. Ich habe einfach keine andere Wahl», schreibt der russische Autor spanischer Abstammung in «Weiß auf Schwarz».

In Russland wurde die erschütternde Autobiografie 2003 mit dem angesehensten Booker-Literatur-Preis ausgezeichnet. Rubens Mutter, Tochter eines spanischen KP-Funktionärs, brachte den körperbehinderten Jungen 1968 in Moskau zur Welt. Das Kind erleidet eine Odyssee durch Kinder- und Waisenheime der Sowjetunion. Gonzalez Gallego hat den «Albtraum seines Lebens» (El Pais) aufgezeichnet, doch sein Bericht ist mehr als eine Autobiografie oder Selbsttherapie. Die mitleidslose Schärfe der Beobachtung, die tiefe Bitterkeit, die lakonische, rhythmische Sprache bergen eine eigene Poesie. Wie die Klassiker der russischen Haft- und Lagerliteratur, zeugt «Weiß auf Schwarz» von der durch keine Erniedrigung zu zerstörenden Größe des menschlichen Geistes.

Friedemann Kohler



Ruben Gonzalez Gallego

Weiß auf Schwarz

SchirmerGraf Verlag, München

216 S., Euro 17,80

ISBN 3-865-55004-5

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