Demo in Ahaus und Anschlag auf Bahnstrecke nach Gorleben
Friedliche und militante Protestaktionen gegen Atomtransporte

Atomkraftgegner haben am Wochenende mit friedlichen und gewaltsamen Aktionen gegen die Wiederaufnahme von Castor-Transporten protestiert. Auf die Bahnstrecke zum niedersächsischen Zwischenlager Gorleben verübten Unbekannte in der Nacht zum Sonntag einen Anschlag. Sie schnitten zwei Schienenstücke aus den Gleisen. Der Anschlag wurde am Morgen von einem Zugführer bemerkt, die Täter hatten die Stelle mit einem Absperrband markiert.

afp LÜNEBURG/AHAUS. Grünen-Fraktionschef Rezzo Schlauch zeigte sich nach Angaben eines Sprechers in Berlin "empört über diesen kriminellen Anschlag, bei dem Menschen an Leib und Leben gefährdet werden". Im nordrhein-westfälischen Ahaus demonstrierten rund 2000 Menschen friedlich gegen neue Atomtransporte.

Der Gesamteinsatzleiter für die Castor-Transporte nach Gorleben, Hans Reime, forderte alle politischen Kräfte auf, sich gegen Gewalt auszusprechen. Sein Sprecher Klaus-Dieter Tietz sagte, die Gleisstücke seien zwischen den Orten Vastorf und Bavendorf aus der Bahnstrecke geschnitten und in X-Form auf die Strecke gelegt worden. Die Täter hätten die Stelle in etwa 500 Meter Entfernung mit Absperrband gekennzeichnet. Ein Zugführer habe den Anschlag am Morgen bemerkt. Zuvor habe es außerdem einen anonymen Hinweis gegeben. Zu einem ähnlichen Anschlag sei es im Vorfeld eines Castor-Transports Mitte der 90er Jahre gekommen. Ende März soll es nach längerer Pause wieder einen Castor-Transport nach Gorleben geben.

Die Demonstration in Ahaus stand unter dem Motto "Keine weiteren Atommülltransporte, sondern Schluss mit der Atommüllproduktion". Die Teilnehmer zogen am Nachmittag vom Stadtzentrum in Richtung Zwischenlager. Nach Angaben der Polizei verlief die Demonstration friedlich. Der Sprecher der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus", Hartmut Liebermann, sagte, der geplante Transport von Frankreich nach Gorleben sei genauso wenig akzeptabel wie ein Transport nach Ahaus. Die Transporte dienten nicht dem Ausstieg, sondern dem weiteren Betrieb der Atomkraftwerke. Mit der friedlichen Demonstration in Ahaus solle deutlich gemacht werden, dass die Atomkraftgegner weiter wachsam seien.

Die designierte Grünen-Chefin Claudia Roth hatte vor Bekanntwerden des Anschlags auf die Bahnstrecke gesagt, sie erwarte friedliche Proteste gegen die Castor-Transporte nach Gorleben. Sie wolle auch selbst vor Ort zwischen Demonstranten und Polizisten vermitteln, wenn dies Sinn mache. In der zurückliegenden Debatte habe ihre Partei Fehler gemacht. "Es gab wirkliche Missverständnisse und falsche Interpretationen, wodurch die Situation unnötig eskaliert ist", sagte Roth. Castor-Transporte seien "nie gut". Aber eine grüne Partei könne nicht dazu aufrufen, notwendige Transporte und damit den eigenen Konsensbeschluss zu blockieren. "Das heißt aber nicht, dass es nicht legitim ist, wenn es andere Menschen tun", betonte sie. Gewaltfreie Blockaden seien "natürlich legitime Mittel in einer lebendigen Demokratie".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%