Demokraten
Auch Carter drängt Clinton zum Rückzug

Die US-Vorwahlen nähern sich dem Ende und Hillary Clinton will noch immer nicht aufgeben. Schon sprechen Zeitungen von ihrem langfristigen Kalkül, es 2012 oder 2016 noch einmal mit dem Sprung ins Weiße Haus zu versuchen. Zu Clintons Verhalten hat auch Ex-Präsident Jimmy Carter seine ganz eigene Meinung.

HB LONDON. Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter hat Hillary Clinton ein Ausscheiden aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten nahegelegt. Clinton sollte ihr Bemühen um die Nominierung nach der letzten Vorwahl Anfang Juni aufgeben, sagte Carter am Sonntag dem britischen Fernsehsender Sky News. Die bislang noch unentschiedenen Superdelegierten würden sich nach der letzten Abstimmung rasch auf einen Kandidaten festlegen. „Ich denke, dass wird der Zeitpunkt für sie sein, aufzugeben“, sagte Carter.

Der demokratische Expräsident zählt selbst zu den Superdelegierten, die ihr Stimmrecht frei ausüben können. Carter hat sich bislang noch nicht offen für Clintons Rivalen Barack Obama ausgesprochen. Obama führt inzwischen scheinbar uneinholbar vor Clinton. Er kann auf 1974 Delegiertenstimmen zählen, damit fehlen ihm nur 52 Stimmen zur für die Nominierung nötigen Mehrheit. Clinton kommt auf 1779 Stimmen.

Das Klima im US-Vorwahlkampf ist weiterhin aufgeheizt: Fünf Monate Dauer- Duell haben ihre Spuren hinterlassen. Zwar liegt der schwarze Bewerber klar vorn, doch weder Obama noch Clinton können auf eine ausreichende Mehrheit für den Nominierungsparteitag Ende August verweisen. Auch die letzten drei Vorwahlen werden keine Entscheidung bringen. Die traurige Wahrheit: Beide Bewerber und die gesamte demokratische Partei befinden sich in einer Zwangslage, aus der es kaum einen „sauberen Ausweg“ gibt.

Misslich ist die Lage vor allem für Clinton. Ihr geht es vor allem um einen „eleganten Abgang“. Mit „erhobenem Kopf“ aus dem Rennen zu scheiden sei ihr das Wichtigste, behaupten Insider. Zugleich geht es der Strategin Clinton darum, ihre politische Zukunft nicht zu verbauen. Schon sprechen Zeitungen von ihrem langfristigen Kalkül, es 2012 oder 2016 noch einmal mit dem Sprung ins Weiße Haus zu versuchen.

Die „New York Times“ und das „Time Magazine“, die zu den bestinformierten Blätter in den USA zählen, behaupten trotz aller Dementis, Ehemann Clinton sei nach reiflicher Überlegung zur Überzeugung gekommen, das Amt des Vizepräsidenten sei für seine Gattin das beste Sprungbrett für einen erneuten Anlauf. Angeblich gebe es bereits Sondierungen zwischen dem Obama- und dem Clinton- Lager. Tatsächlich fällt auf, dass Clinton zwar weiterhin Wahlkampf betreibt, aber auf ihre polemischen und persönlichen Spitzen gegen ihren schwarzen Konkurrenten geflissentlich verzichtet.

„Durcheinander“ im McCain-Team

In der republikanischen Partei mehren sich indes die Sorgen, ob sich der designierte Präsidentschaftskandidat John McCain auf der Gewinnerstraße befindet. Die „New York Times“ berichtete von parteiinterner Kritik, der 71-Jährige habe Probleme beim Aufbau einer schlagkräftigen Wahlkampforganisation. Außerdem sei es dem Vietnam-Veteran bisher nur unzureichend gelungen, den Konflikt und die Unruhe bei den Demokraten um die Nominierung zu seinem Vorteil auszunutzen.

Ein weiterer Dorn im Auge seien die jüngsten Rücktritte mehrerer Wahlkampf-Manager aus dem McCain-Lager wegen Lobbytätigkeit. Dadurch gerate das Image McCains als „Reformer“ in Gefahr. Einige der Kritiker sprachen von „Unordnung“ und „Durcheinander“ im McCain-Team.

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