Demokraten
Clinton verzweifelt

Der dramatische Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur geht in die nächste Runde: Hillary Clinton muss auch bei den heutigen Vorwahlen fürchten, nicht von der Verliererstraße zu kommen. Ihr Konkurrent Barack Obama zieht immer mehr demokratische Wähler auf seine Seite. Scheinbar verzweifelt prüft Clintons Lager nun eine besondere Maßnahme.

HB WASHINGTON. Bei den Vorwahlen in den US-Bundesstaaten Wisconsin und Hawaii am Dienstag sind zwar nur 94 Delegierte und 27 „Superdelegierte“ zu bestimmen. Aber für Senatorin Hillary Clinton wird es immer brenzliger. Der Siegeszug des charismatischen Barack Obama wirkt wie einem Hollywood-Drehbuch entnommen: Dem schwarzen Senator aus Illinois scheint die Rolle des neuen Helden Amerikas, der dabei ist, das Land und schließlich das Weiße Haus zu erobern, auf den Leib geschrieben zu sein.

Obama versetzte auch in Wisconsin seine Zuhörer in überfüllten Sälen mit seiner Botschaft von „Wandel“ und „Hoffnung“ in Begeisterungstaumel. Längst sind auch die Medien der Faszination des rhetorisch brillanten Demokraten erlegen. „Obama ist einfach die bessere Story“, meinte der Publizist und Journalistik-Professor Steven Roberts in einer CNN-Diskussion. Kein Wunder, dass Clintons Wahlkampfteam über einseitige Berichterstattung der US-Medien klagt.

Die Senatorin aus New York will ein Happy End der Obama-Story unbedingt verhindern. Sie beschwört die Amerikaner, nicht „Versprechungen und Worten“ zu vertrauen, denn es „gibt keine einfachen Lösungen für die schwierigen Probleme Amerikas“. Der Ex- First Lady merkt man deutlich an, dass sie in der Defensive ist: Sie sei „im Lösungs-Geschäft - nicht im Reden-Geschäft“ variiert sie den Vorwurf, Obama sei ein Mann hohler Worte und ohne Erfahrung.

Für das Präsidentenamt brauche es einen „Kämpfer, Macher und Champion ... Manche meinen, ich sei hart - ja, aber Härte braucht es auch für diesen Job“, sagt sie trotzig. Aber auch Clinton weiß, dass ihr Pragmatismus weniger zündend ist als die Vision Obamas von einem „neuen Amerika“. Und ihren Reden mangelt es oft an Glanz: Zu oft starrt sie auf ihr Manuskript. Sie will, dass ihre Stimme stark und entschlossen wirkt, aber oft klingt sie eher belegt und zu dünn.

Clinton kennt die Bedeutung der Wahlen am Dienstag. Denn ihre frühere Strategie, nur auf bevölkerungsreiche US-Staaten zu setzen, ist kläglich gescheitert. Auch in den kleinen Staaten glänzen Erfolge und vergeben die Aura des Siegers. So also auch in Wisconsin und Hawaii, dem Geburtsstaat Obamas. Neue Niederlagen Clintons wären üble Vorzeichen für die enorm wichtigen Abstimmungen am 4. März in Texas, Ohio und Rhode Island, wo dann 355 Delegierte (und 66 „Super“- Delegierten“) bestimmt werden.

Seite 1:

Clinton verzweifelt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%