Demokraten
Zwei Heimsiege für die Seele

Gerungen wurde um 24 US-Bundesstaaten. Doch die zwei Staaten, die Hillary Clinton und Barak Obama am meisten am Herzen lagen, waren New York und Illinois. Zwar zweifelte niemand daran, dass die beiden Rivalen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur ihre Heimspiele gewinnen würden. Doch sowohl Clinton als auch Obama fühlten sich in diesem Marathon-Wahlkampf erstmals zu Hause.

WASHINGTON. Die frühere First Lady hatte am frühen Morgen zusammen mit ihren Ehemann Bill in einem kleinen Wahllokal ihre Stimme abgegeben und dort viele alte Bekannte getroffen. „Es ist ein großartiges Gefühl“, sagte sie, als sie ihren Stimmzettel ausgefüllt hatte. Obama wählte in einer Turnhalle in Chicago und versuchte dort bereits die überschäumenden Erwartungen seiner Anhänger zu dämpfen. „Vor ein paar Woche lagen wir landesweit noch 30 Prozentpunkte zurück“, erinnerte er.

Beide wirkten in ihrer gewohnten Umgebung für ein paar Stunden wie befreit von der Last der Kandidatur. Am Abend hatte sie die Wahlkampfroutine wieder eingeholt. Den Anfang macht Clinton in Manhattan.

In einem beige-farbenen Hosenanzug tritt sie vor ihre jubelnden Anhänger. „Amerika hat heute gesprochen“, ruft sie mit leuchtenden Augen den New Yorkern zu. Zu diesem Zeitpunkt hat sie neben New York noch fünf weitere Bundesstaaten gewonnen. Darunter nicht nur das bevölkerungsreiche und deshalb hart umkämpfte New Jersey, sondern auch die Südstaaten Arkansas, Oklahoma und Tennessee. Die größte Genugtuung dürfte ihr jedoch der Sieg in Massachusetts verschafft haben. Konnte sie dort doch Obama schlagen, obwohl der von der politischen Elite des Staates inklusive des Kennedy-Klans unterstützt wurde. Ein wichtiger moralischer Sieg.

Doch zurück zu den Heimspielen. Obama kann sich in Illinois mit einem Vorsprung von 31 Prozentpunkten durchsetzen. Clinton liegt in New York mit 17 Punkten vorn. Beide Siege hatten die Rivalen eingeplant. Während sich Clinton in New York und Obama in Chicago für ihre Heimsiege feiern lassen, wandern die Augen und Gedanken der Kandidaten bereits nach Westen.

Nach Missouri zum Beispiel. Ein hart umkämpfter Schlüsselstaat. Wer hier gewinnen kann, so zeigen die Wahlen der letzten 50 Jahre, hat beste Chancen auch im November ins Weiße Haus einzuziehen. Und dann natürlich nach Kalifornien, wo es mit 441 Delegierten den Hauptpreis des Abends zu gewinnen gibt. Erste Ergebnisse aus den Stimmbezirken geben Clinton zu diesem Zeitpunkt einen deutlichen Vorsprung.

Dennoch weiß auch die frühere First Lady so gut wie der junge Senator aus Chicago, dass das Rennen an diesem Abend nicht entschieden wird. „Ich freue mich darauf, dass wir unsere Kampagne fortsetzen können“, sagt sie zum Schluss ihrer Rede. Und auch Obama warnt seine euphorischen Anhänger: „Der Weg für uns ist noch weit und steinig.“ So müssen beide ihre Heimatstaaten wieder verlassen und den politischen Marathonlauf fortsetzen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%