Demokratischer Spitzenkandidat will auf Rat von Ex-Präsident Clinton mit Wirtschaftspolitik punkten
Kerry wirft seine Strategie im US-Wahlkampf über den Haufen

Der Ratschlag kam von erfahrener Stelle: Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat dem demokratischen Spitzenkandidaten John Kerry empfohlen, sich im Wahlkampf auf Wirtschafts- und Sozialthemen zu konzentrieren. Kerry solle sich stärker von der Regierung abgrenzen und seine Vergangenheit als hoch dekorierter Vietnam-Veteran weniger ins Rampenlicht rücken, betonte Clinton. Der Ex-Präsident telefonierte rund 90 Minuten mit Kerry aus einem New Yorker Krankenhaus, wo er sich einer Bypassoperation unterzog.

WASHINGTON. Die Vorschläge gingen mit einer Umbildung des Stabes um Kerry einher. Dort rückten Spitzenvertreter der Clinton-Administration in Top- Positionen auf. Darunter sind unter anderem der ehemalige Pressesprecher Joe Lockhart sowie Präsidentenberater Joel Johnson. Clinton hatte 1992 die Wahl gegen Präsident George Bush senior mit dem Slogan "It?s the economy, stupid" ("Es kommt auf die Wirtschaft an, Dummkopf") gewonnen. Kerrys Berater Tad Devine signalisierte, dass die demokratische Kampagne künftig die Themen Jobs und Krankenversicherung in den Mittelpunkt stellen werde. "Die Republikaner wollen die Debatte dahin lenken, wo die vermeintlichen Stärken von Präsident George W. Bush liegen-wir werden dagegen die Wähler dort abholen, wo sie sind", so Devine.

Auf dem Parteitag der Demokraten hatte Kerry Ende Juli versucht, sich angesichts seiner Vietnam-Erfahrung als Alternative zum Anti- Terror-Präsidenten Bush zu profilieren. Die Strategie scheiterte jedoch vor allem wegen der massiven Attacken einer Veteranengruppe, die Kerry mangelnden Patriotismus vorwarf. Die Umfragewerte für den Herausforderer bröckeln seitdem (siehe "Parteitagseffekt"). Und die parteiinternen Rufe nach einer aggressiveren Gangart gegenüber Amtsinhaber Bush wurden lauter.

Gestern warf Kerry dem Präsidenten eine völlig verfehlte Irak-Politik vor. Er kündigte an, die US-Truppen binnen vier Jahren aus dem Irak zurückzuziehen, wenn gewisse Bedingungen wie die Gewinnung von Verbündeten erfüllt seien. Sein Ziel sei es, die Soldaten innerhalb seiner ersten Amtszeit nach Hause zu holen, kündigte Kerry bei einem Wahlkampfauftritt an. Darüber hinaus prangert der Demokrat die rasant steigenden Kosten im Gesundheitswesen sowie den Stillstand auf dem Arbeitsmarkt an. So versprach Kerry, die Beiträge für die Seniorenkrankenversicherung ("Medicare") zu senken, die nach jüngsten Prognosen 2005 um 17 Prozent anschwellen werden. Kerry will zudem den Import von billigeren Medikamenten aus Kanada erlauben, den die Bush- Regierung wegen vermeintlicher Sicherheitsbedenken verbat.

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