Demonstarionen gegen Militäreinsatz
USA setzen offenbar auf Sturz der Taliban

In ihrem Kampf gegen den Terrorismus verfolgen die USA in Afghanistan offenbar nicht nur den Extremisten Osama bin Laden, sondern setzen auch auf den Sturz der ihn schützenden Taliban-Regierung. US-Präsident George W. Bush sagte am Samstag im Rundfunk, die USA hätten den Konflikt nicht gesucht, würden ihn aber entschlossen zu Ende führen.

rtr WASHINGTON. Der Sender CNN berichtete, es gebe ein Arbeitspapier des Präsidialamts, in dem der Sturz der radikal-islamischen Taliban empfohlen werde. Diese teilten am Sonntag mit, Bin Laden sei unter ihrer Kontrolle und werde zu seinem eigenen Schutz versteckt. Der britische Premierminister Tony Blair sagte, er habe eindeutige Beweise für eine Verbindung Bin Ladens zu den Anschlägen in den USA gesehen. "Wir verurteilen die Taliban und begrüßen jede internationale Unterstützung bei der Isolierung dieses Regimes", sagte Bush. "Amerika wird entschlossen und bestimmt handeln und die Freiheit wird siegen", sagte Bush. Die USA haben ihre Militärpräsenz in der Golf-Region massiv verstärkt.

Der Taliban-Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Saeef, teilte am Sonntag mit, Bin Laden sei in Afghanistan unter der Kontrolle der Taliban und werde zu seinem eigenen Schutz versteckt gehalten. Den Aufenthaltsort des 44-Jährigen wüssten nur Sicherheitskräfte. Bin Laden habe bislang nicht auf die Bitte des Rates der Geistlichen reagiert, das Land freiwillig zu verlassen, fügte Saeef hinzu. Die von den USA verlangte Auslieferung Bin Ladens hatten die Taliban unter Hinweis auf das traditionelle islamische Gastrecht wiederholt abgelehnt.

In Rom sicherten US-Abgeordnete Vertretern der afghanischen Opposition Hilfe und Unterstützung beim Wiederaufbau zu, wenn sie sich an den Bemühungen zum Sturz der Taliban beteiligt. Der im Exil in Rom lebende, 86-jährige afghanische König Mohammad Sahir Schah hat für die Zukunft Afghanistans die Einberufung eines traditionellen "Großen Rates" vorgeschlagen. Taliban-Chef Mullah Muhammad Omar wies dies zurück. Von außen eingesetzte Marionetten hätten in Afghanistan keine Zukunft, sagte Omar. Auch die im Norden des Landes agierende Opposition sprach sich gegen eine Rückkehr des Königs aus. Jede ausländische Einmischung führe zu einer Fortdauer des Krieges und der Instabilität, sagte eine Sprecher der Nordallianz.

Bericht über gefangene US-Soldaten dementiert

Meldungen über die Gefangennahme eines Voraustrupps von fünf Soldaten der US Special Forces schienen am Samstag amerikanische Medienberichte zu bestätigen, wonach sich amerikanische und britische Vorauskommandos schon seit mehr als zwei Wochen in Afghanistan befänden. Die Taliban dementierten den Bericht des in Katar ansässigen Senders Dschaseera TV, doch hielt dieser an seiner Darstellung fest. Die US-Regierung kommentierte die Meldungen nicht.

Saudi-Arabien schloss einen US-Angriff auf Afghanistan von seinem Gebiet aus aus. Der saudiarabische Verteidigungsminister Prinz Sultan bin Abdul-Asis sagte der arabisch-sprachigen Zeitung "Okas" am Sonntag, das Königreich werde es ausländischen Streitkräften nicht erlauben, von seinem Territorium aus, Araber oder Moslems anzugreifen. Das Land ist einer der wichtigsten US-Verbündeten in der Region.

Der britische Premierminister Tony Blair sagte dem Sender BBC, er habe "unbestreitbare Beweise" für eine Verwicklung Bin Ladens in die Anschläge vom 11. September gesehen. Aus ermittlungstaktischen Gründen könne er diese aber nicht offen legen. Die internationale Fahndung nach islamischen Extremisten führte in Deutschland und Großbritannien zu weiteren Festnahmen. In Wiesbaden wurden nach Angaben der Bundesanwaltschaft ein Türke und zwei Jemeniten verhaftet, die unter dem Verdacht stehen, schwere Gewalttaten in der Bundesrepublik geplant zu haben. Die britische Polizei nahm auf dem Londoner Flughafen Gatwick einen 36-Jährigen fest, der auf dem Weg in die USA war.

In Washington demonstrierten rund 10 000 Menschen gegen einen Militäreinsatz der USA. Der UNO-Sicherheitsrat verabschiedet am Samstag eine von den USA vorgelegte Resolution über die Bekämpfung des Terrorismus einstimmig. Die UNO nahm am Wochenende ihre Hilfslieferungen für Afghanistan wieder auf. Lebensmittel sollten nach Kabul und in den von der Opposition kontrollierten Norden Afghanistans gebracht werden. Nach den Anschlägen in den USA hatten Hilfswerke ihre Mitarbeiter abgezogen.

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