Demonstration im Vorfeld
Stammesführer treffen US-Verwalter in Bagdad

Die US-geführte Zivilverwaltung und irakische Oppositionelle aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft haben am Montag Gespräche über die politische Zukunft des Landes begonnen.

Reuters BAGDAD. Das Treffen im Zentrum Bagdads fiel auf den 66. Geburtstag des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein. "Lassen Sie uns heute, an Saddam Husseins Geburtstag, den demokratischen Prozess für die Kinder des Iraks beginnen", sagte der Chef der Zivilverwaltung, Jay Garner. Garner rechnete mit einem Beginn der Regierungsbildung bis zum Ende der Woche. Für den Wiederaufbau Iraks werden nach Aussage der Weltbank bis zu drei Mrd. Dollar im Jahr benötigt.

Das Treffen im Regierungsviertel der Hauptstadt begann mit einer Lesung aus dem Koran. Zu den etwa 250 Teilnehmern gehörten schiitische und sunnitische Geistliche, Kurden, Stammeschefs in traditionellen Gewändern und Stadtbewohner in Anzügen. Im Gegensatz zu einem ersten, kleineren Treffen am 9. April in Nassirijah entsandte auch die schiitische Oppositionsgruppe Hoher Rat für die Islamische Revolution im Irak (Sciri) Vertreter. Einige hundert Schiiten forderten vor dem von Journalisten genutzten Hotel Palestine eine stärkere Beteiligung der theologischen Schule der Hausa ais Nadschaf. Die USA haben Forderungen einiger Schiiten zurückgewiesen, im Irak einen Religionsstaat nach iranischem Vorbild zu errichten.

"Die Menschen wollen ein wirkliches Mitspracherecht"

"Uns obliegt die Verantwortung, hier und heute die Geburt der irakischen Demokratie einzuleiten", sagte Garner. Hussein Sadr vom Islamischen Rat aus London sagte, das irakische Volk wolle nach seiner Befreiung nun Sicherheit und Stabilität. "Die Menschen wollen ein wirkliches Mitspracherecht", sagte er. Das Treffen soll nach dem Willen der USA den Weg für die Einsetzung einer irakischen Übergangsregierung ebnen. Der am 20. März begonnene Krieg ist von den Alliierten nicht für beendet erklärt worden. Nach Saddams Fall war ein Machtvakuum entstanden, das drohte, von verfeindeten irakischen Gruppen und selbst ernannten Anführern gefüllt zu werden.

Der Chef der Weltbank, James Wolfensohn, sagte der französischen Zeitung "La Tribune", die internationale Gemeinschaft werde für den Wiederaufbau Iraks vermutlich zwischen zwei und drei Mrd. Dollar im Jahr ausgeben müssen. "Zu der Summe kommen natürlich die fünf bis sechs Mrd. Dollar, die das Land vor dem Fall von Saddam Hussein für das Militär ausgegeben hat." Bislang ist unklar, welche Pläne die US-geführte Verwaltung für den irakischen Militärhaushalt hat. "Den Wiederaufbau zu finanzieren ist in sich kein großes Problem", sagte Wolfensohn. Entscheidend sei, wie schnell das ölreiche Land wieder zu seiner Fördermenge von 3,5 Mill. Barrel pro Jahr zurückkehren könne.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld setzte am Montag seine einwöchige Reise in der Golfregion fort. Vor US-Soldaten im As-Sajlija-Stützpunkt in Katar macht er sich über die zahlreichen Kritiker der alliierten Militärstrategie während des Krieges lustig. "Da liefen eine Menge Bedenkenträger herum, nicht wahr?" sagte er nach einem Treffen mit dem Chef der Streitkräfte in der Region, Tommy Franks. Die anwesenden US- Soldaten antworteten mit Jubel. Unklar blieb, ob Rumsfeld auch in den Irak reisen würde. Das US-Verteidigungsministerium hatte Bedenken wegen der Sicherheitslage geäußert.

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