Demonstrationen auch in Frankreich
Castor wird reisefertig gemacht

Die technischen Vorbereitungen für den ersten Castor-Transport seit vier Jahren sind am Freitag planmäßig vorangegangen.

ap FRANKFURT/MAIN. Im Verladebahnhof Valognes in der Normandie wurden nach Greenpeace-Angaben bis zum Nachmittag mindestens vier der sechs Atommüll-Behälter auf die Schiene gesetzt. In Deutschland bereiten sich Atomkraftgegner und Polizei auf die erwarteten Auseinandersetzungen vor.

Das Verwaltungsgericht Lüneburg bestätigte am Freitag das Verbot zweier Camps, von denen aus Proteste gegen den am Dienstag im Raum Gorleben erwarteten Transport organisiert werden sollten. Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg bot dennoch allen auswärtigen Atomkraftgegnern Unterkünfte an. Zugleich stieg in Deutschland die Spannung vor den angekündigten Großdemonstrationen. Die niedersächsischen Grünen beklagten eine Diffamierung der gewaltfreien Protestbewegung und warnten vor einer Eskalation im Wendland. Außenminister Joschka Fischer rief zum Gewaltverzicht auf.

Greenpeace-Mitarbeiter Sven Teske sagte in Valognes, derzeit werde der Castor-Zug zusammengestellt, der am Montagmorgen auf die Reise nach Gorleben geht. Nach Informationen französischer Anti-Atom-Gruppen soll er kurz vor Mitternacht beim elsässischen Lauterburg die Grenze nach Deutschland passieren. Alle sechs Castor-Behälter sind in den vergangenen Tagen auf Lastwagen aus der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague zu dem rund 40 Kilometer entfernten Verladebahnhof gebracht worden.

Fischer ruft zu Gewaltverzicht auf



Außenminister Fischer rief vor Beginn des ersten Castor-Transports unter einer rot-grünen Bundesregierung erneut zu Gewaltverzicht auf. Auch die Transportgefährdung der Bahn sei inakzeptabel, sagte der Grünen-Politiker. Völlig legitim seien dagegen friedliche Demonstrationen. "Jeder Grüne ist mit dem Herzen gegen die Atomkraft, aber wir müssen diesen Müll zurücknehmen", sagte Fischer der "Rhein-Neckar-Zeitung". Das sei das Dilemma des Ausstiegs.

FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle forderte von den Parteivorsitzenden der Grünen, die an den Protesten in Gorleben teilnehmen wollen, eine deutliche Absage an Sitzblockaden und Behinderungen jenseits von Demonstrationen. Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) warnte vor einer Verharmlosung der Bahnanschläge von Castor-Gegnern. Diese kriminelle Energie dürfe nicht verharmlost oder als heldenhafter Widerstand glorifiziert werden.

Der Zug mit den Castor-Behältern wird auch in Frankreich von einem starken Polizeiaufgebot begleitet, wie die Präfektur des Departements Manche mitteilte. Bereits ab Sonntag solle der Verladebahnhof in Valognes gesichert werden. Mobile Einsatzkräfte wollen den Zug bei seiner Fahrt am Montag durch Frankreich zusätzlich zu den örtlichen Sicherheitskräften schützen.

Französische Umweltgruppen kündigten für Samstag Anti-Castor-Aktionen in den Bahnhöfen von Caen und Rouen an. An diesem Tag ist auch eine große Demonstration an der deutsch-französischen Grenze bei Kehl geplant.

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