Demonstrations-Portal soll in ein bis zwei Monaten verfügbar sein
Nun wird auch im Internet demonstriert

Heute fand die erste virtuelle Demonstration Deutschlands im Internet statt. Mehr als 1 200 mittelständische Unternehmen demonstrierten auf einem neuen Portal gegen die geplante Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes.

BERLIN. Alle Abgeordneten des Bundestags erhielten heute eine Mail des Bundesverbandes Junger Unternehmen (BJU). Sie wurden aufgefordert, sich das neue Demonstrationsportal "ihrestimmezaehlt.de" anzuschauen. Dort hatten sich in den vergangenen Wochen mehr als 1 200 mittelständische Unternehmen einer Demonstration angeschlossen, organisiert vom BJU.

Auf dem Portal erwartet sie eine Schar virtueller Demonstranten, die sich online in eine Unterschriftenliste eingetragen haben. Die Abgeordneten sollen nachvollziehen können, ob und welche Unternehmen aus ihrem Wahlkreis gegen die anstehende Reform des Betriebsverfassungsgesetzes gestimmt haben.

Vom Erfolg dieser Aktion will der BJU abhängig machen, ob er in Zukunft das Internet regelmäßig für Demonstrationen nutzt. "Wir haben bereits darüber nachgedacht, ein ständiges Demonstrationsportal aufzubauen", sagte der stellvertretende BJU-Vorsitzende Max Schön. Er schickte heute in Berlin die Rundmail an alle Abgeordneten - peinlicherweise auch an den Sozialpolitiker Rudolf Dressler, der gar kein Abgeordneter mehr ist, sondern mittlerweile deutscher Botschafter in Israel.

Portal soll in ein bis zwei Monaten verfügbar sein

Entwickelt wurde das Programm von der Lübecker Multimedia-Agentur Grandwerk, einer kleinen Firma mit 10 Mitarbeitern, die im vergangenen Jahr 0,8 Mill. DM Umsatz und 250 000 DM Gewinn erwirtschaftete. Gradwerk will mit seiner Demonstrationssoftware zum Beispiel Umweltverbände ansprechen. "Die bräuchten keine Promotion-Agenturen mehr einzusetzen, um in Fußgängerzonen Unterschriften zu sammeln", sagt Firmengeschäftsführer Zven Laucke, "sondern können im Netz ihre Informationen verbreiten."

Politische Gruppen wie Umweltverbände sollen die Software für "12 000 bis 15 000 Mark" kaufen und auf ihre eigenen Server überspielen können. Gradwerk würde das Design anpassen. Für Initiativen, die nicht regelmäßig, sondern nur einmal eine Demonstration etwa gegen eine Autobahn veranstalten wollen, will die Agentur ein Portal einrichten. Dort könnten sich die Gruppen dann für "500 bis 1 000 Mark" auf Zeit einmieten und die reservierte Domain "ihrestimmezaehlt.de" nutzen. "In ein bis zwei Monaten wird es das Portal geben", so Lauck.

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