Den Aktionären fehlen in diesem Jahr viele Milliarden Euro in der Kasse
Konzerne kappen Dividenden

Die Dividende kommt wieder in Mode: Je mehr die Aktie als Instrument der Altersversorgung eingesetzt wird, desto größer wird das Interesse an einer jährlichen Ausschüttung. Doch die meisten Dax-30-Unternehmen haben nach dem Krisenjahr 2001 ihre Ausschüttungen stark gekürzt.

DÜSSELDORF. Die deutschen Großunternehmen stehen mit ihrer Dividendenpolitik vor einem Dilemma. Auf der einen Seite verlangen die institutionellen Anleger, dass die Konzerne ihre Ausschüttung stärker am Ergebnis orientieren. Auf der anderen Seite aber wächst das Interesse der privaten Anleger, die mit Aktien für das Alter vorsorgen, an einem möglichst stetigen Fluss jährlicher Ausschüttungen. Im laufenden Jahr haben sich die Unternehmen eher für eine stärkere Orientierung am tatsächlichen Gewinn entschieden - das zeigen die bisher vorliegenden Dividendenankündigungen der Dax-30-Unternehmen.

"Von der Tendenz her wird die Dividendenpolitik ergebnisorientierter", bestätigt Georg Kanders, Bankenanalyst der West LB. Früher hätten die Unternehmen die Dividendenkontinuität ganz hoch gehalten. Nach der massiven wirtschaftlichen Verschlechterung im vergangenem Jahr sei es aber "durchaus angemessen", dass sie jetzt weniger oder gar nichts ausschütteten, sagt Harald Sporleder, Fondsmanager für europäische Aktien bei der Dresdner-Bank-Tochter DIT Deutscher Investment-Trust.

Am stärksten kürzten Unternehmen, die von der Konjunkturflaute besonders gebeutelt wurden: High-Tech- Unternehmen wie Infineon Technologies AG und Epcos AG sowie die von der Krise der Fluggesellschaften nach dem 11. September geschwächte Deutsche Lufthansa AG strichen ihre Dividenden ganz. In absoluten Zahlen geht den Aktionären der Dax-Riesen am meisten verloren (siehe Tabelle).

In der Vergangenheit hätten viele Unternehmen die Dividende trotz sinkender Erträge konstant gehalten, nur um Stärke zu demonstrieren, erklärt Jörg Pluta von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Dividendenkontinuität sei aber kein Wert an sich. Dem Aktionär nützten ein paar Euro mehr nichts, wenn das Unternehmen dafür hohe Zinsen zahlen müsse und seine Substanz aushöhle.

Das sieht auch die Deutsche Telekom AG so. In den Jahren seit dem Börsengang war die relativ hohe Dividende immer ein Argument für die T-Aktie. Doch jetzt griff auch Ron Sommer zum Rotstift. Nur vernünftig, finden Analysten, schließlich hat die Telekom immense Zinslasten zu schultern.

Überhaupt zeigen die Finanzmärkte für die meisten Dividendenkürzungen viel Verständnis. Die Reduzierung der Ausschüttung von 2,35 Euro auf ein Euro je Aktie bei Daimler-Chrysler sei unumgänglich gewesen, sagen Analysten. Schließlich bediene der Autokonzern seine Aktionäre seit Jahren aus der Substanz.

Doch nicht überall sind die Analysten mit der Dividendenpolitik einverstanden. Bei der Bayer AG zum Beispiel sei zwar der Gewinn um 47 % gesunken, der Netto-Cashflow jedoch um 25 % gestiegen. "Für Bayer wäre es ein leichtes gewesen, die Dividende nicht zu kürzen", sagt Felix Schleicher, Fondsmanager der Fiduka Vermögensverwaltung.

Andererseits finden manche die Dividenden der Banken zu hoch. "Die Commerzbank und die Deutsche Bank hätten sich ihre Ausschüttungen eigentlich nicht leisten können", sagt Georg Kanders von der West LB. Sie seien wohl als Vorschuss auf 2002 zu sehen.

Während die Analysten also auf ergebnisorientierte Ausschüttungen drängen, fordert Reinhild Keitel von der Schutzvereinigung der Kleinaktionäre (SdK) im Gegenteil verlässliche Dividenden. Immer mehr Aktionäre wollten aus der Aktienanlage ein laufendes Einkommen beziehen, zum Beispiel als Ergänzung zur Rente. "Sie können später ja schlecht ihre Aktien verkaufen, um ihre Miete zu bezahlen", argumentiert sie. Die Banken haben auf diese Bedürfnisse schon mit neuen Produkten reagiert: Sie bieten Zertifikate an, die ihre Strategie hauptsächlich an der Dividende orientieren.

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