Den Dax schlagen
Börsen-ABC: Behavioral Finance

Viele Anleger neigen dazu, erfolgreiche Aktien zu früh, erfolglose Titel aber zu spät zu verkaufen. Dennoch ist die Mehrheit von sich überzeugt, eine überdurchschnittliche Performance an den Börsen realisieren und zumindest den Deutschen Aktienindex (Dax) schlagen zu können.

ddp/vwd STUTTGART. Als "overconfidence" bezeichnet die "Behavioral Finance", ein junger Forschungszweig der Finanzwissenschaften, dieses Phänomen. Ziel der "Behavioral Finance" ist, Fehleinschätzungen und irrationale Aktivitäten psychologisch und nach den Methoden der Verhaltenswissenschaften zu erklären. Aus den Ergebnissen der "Behavioral Finance" können Anleger Rückschlüsse auf das eigene Anlageverhalten ziehen und Fehler vermeiden.

Untersuchungen haben ergeben, dass "overconfidence" ein weit verbreitetes Phänomen ist. Die meisten Menschen haben ein überhöhtes Vertrauen in ihre eigene Meinung und versuchen so, die eigene Lebenssituation unter Kontrolle zu halten. Eine einmal getroffene Kursprognose lässt sich deshalb nur schwer korrigieren, da dies ein Eingeständnis wäre, das eigene Portfolio nicht kontrollieren zu können. Folglich halten Anleger schwache Aktien in vielen Fällen zu lange.

Hinzu kommt, dass Investoren nach einer Bestätigung ihrer Kaufentscheidung suchen. Positiven Unternehmensmeldungen wird daher häufig zu große Bedeutung zugemessen. Dies kann dazu führen, dass Anleger von einem Titel eine größere Stückzahl kaufen als ursprünglich geplant. Wenn viele Anleger ähnlich handeln, kann dies einen Kursanstieg auslösen, der wiederum als Bestätigung des eigenen Kaufs interpretiert wird. Negativmeldungen werden hingegen als wenig bedeutend eingestuft oder im Extremfall ignoriert.

Anlageentscheidungen von der Psyche gelenkt

Ein weiterer Grund, verlustreiche Titel lange zu halten, liegt darin, dass Verluste emotional stärker wahrgenommen werden als Gewinne. Die Verärgerung auf einen Verlust von 100 Mark ist stärker als die Freude über einen Gewinn von 100 Mark. Verliereraktien werden in der Hoffnung gehalten, den erlittenen Verlust doch noch wettzumachen.

Anleger sollten sich also eingestehen, dass ein Großteil ihrer Anlageentscheidungen von der Psyche und nicht von rationalen Kriterien gelenkt wird, betont die Bank von Ernst. Dazu zählt auch das größere Vertrauen in einheimische Aktien. Untersuchungen unter Universitätsstudenten in den USA und Deutschland haben ergeben, dass Anleger inländische Titel mehrheitlich für weniger riskant halten. Die Studenten waren der Ansicht, sie könnten sich über einheimische Unternehmen besser informieren und deren wirtschaftliche Situation realistisch einschätzen. Dies ist ein Trugschluss. Denn gerade über das Internet lässt sich heute eine unüberschaubare Vielfalt an Unternehmensinformationen über Landesgrenzen hinweg beschaffen.

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