Den Erwartungen entsprechend
Deutsche Inflation im September auf Jahrestief

Der Preisauftrieb in Deutschland hat sich im September im Jahresvergleich auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr abgeschwächt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat habe die Inflationsrate 2,1 nach 2,6 % im August betragen bei einem unveränderten Preisniveau zum Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit.

Reuters WIESBADEN. Grund dafür waren vor allem die Preise für Öl und Kraftstoffe, die zwar zum August etwas zulegten, aber weitaus niedriger waren als im September 2000. Die vorläufige gesamtdeutsche Rate entsprach den Erwartungen von Volkswirte. Landeszentralbank-Präsident Franz-Christoph Zeitler warnte, es sei noch nicht sicher, dass die Inflation jetzt dauerhaft die Toleranzgrenze der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent erreicht habe.

Als einziges Bundesland meldete Hessen einen Rückgang der Jahresinflation unter 2 %. Die Rate betrug nach Angaben des Statistischen Landesamtes im September 1,9 (August 2,3) %. Der Rückgang zum Vorjahr beruhe ausschließlich auf einem kräftigen Anstieg vor allem der Mineralölpreise im September 2000. "Ohne den direkten Einfluss von Heizöl und Kraftstoffen wäre die Jahresteuerungsrate im September 2001 konstant bei 2,5 % geblieben", teilte das Amt mit. In Baden-Württemberg, das eine Jahresteuerungsrate von 2,3 (2,8) % ermittelte, hätte die Inflation ohne den Einfluss der Energiepreise bei 3,0 % gelegen. Im Monatsvergleich ergaben sich in fast allen sechs Bundesländern - neben Hessen und Baden-Württemberg noch Bayern, Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen - nur kleine Abweichungen des Preisniveaus um 0,1 % nach oben oder unten.

Mit dem Ende des Sommers verbilligten sich nach Angaben der Statistikämter von August auf September vor allem Pauschalreisen, Ferienübernachtungen sowie Obst und Gemüse. Teurer wurden Bekleidung und Schuhe. Auch die Preise für Öl und Kraftstoffe zogen zum Vormonat an, lagen aber noch immer weit unter den Vorjahrespreisen, als der Preisanstieg am Rohölmarkt zu Buche geschlagen hatte. So kostete im September Heizöl in Baden-Württemberg 22,7 % weniger als vor einem Jahr.

Rohöl verbilligt sich

Volkswirte hatten nach den Daten aus den ersten Bundesländern darauf hingewiesen, dass sich die Inflationsrate seit ihrem Jahreshöchststand von 3,5 % im Mai schneller als erwartet gesunken sei. Auch wenn der Rückgang im September vor allem von dem statistischen Basiseffekt herrühre, sei auch in den kommenden Monaten mit einer Inflationsrate nahe zwei Prozent zu erwarten. Dies verschaffe der EZB Spielraum für weitere Zinssenkungen. Andere Volkswirte betrachteten dagegen die Inflationsaussichten als unsicher und wiesen auf die nach wie vor hohe Kernrate ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise hin. Auch Präsident der LZB Bayern, Zeitler, mahnte, ein dauerhaftes Erreichen der EZB-Preisobergrenze von zwei Prozent sei noch nicht gesichert. Steuererhöhungen und mögliche erneute Ölpreisanstiege könnten die Verbraucherpreise erhöhen. So hätten die Erhöhungen der Schwefel-, Öko-, Versicherungs- und Tabaksteuer einen Preiseffekt von 0,6 Prozentpunkten.

Am Ölmarkt hatte sich Rohöl am Montag auf weniger als 22 $ je Barrel (159 Liter) und damit auf den tiefsten Stand seit August 2000 verbilligt. Grund dafür war die Furcht vor einer weltweiten Rezession, die nach den Anschlägen in Amerika und der militärischen Reaktion der USA ausbrechen könnte. Kurz nach den Anschlägen hatte sich ein Barrel Öl noch auf rund 31 $ verteuert wegen erwarteter Lieferengpässe bei einem möglichen Krieg in Nahost.

Auch in den beiden anderen großen Volkswirtschaften der Euro-Zone, Frankreich und Italien, ließ der Preisauftrieb unterdessen nach. So ging die Jahresteuerung in Frankreich im August auf die EZB-Toleranzgrenze von 2,0 (Juli 2,2) % zurück. In Italien ging die Inflationsrate im Jahresvergleich nach vorläufigen Berechnungen auf 2,6 von 2,8 % zurück. Das italienische Forschungsinstitut ISAE rechnet mit einem weiteren Rückgang in den kommenden Monaten, sollte es nicht zu einem Ölpreisanstieg kommen.

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