Den ganzen Markt auf einen Streich kaufen
Indexzertifikate sind eine Alternative

Die Risiken beim Kauf mancher Aktien sind hoch. Sicherer ist es, auf den breiten Markt zu setzen.

Wann wird sich Infineon erholen? Derzeit sind vielen Anlegern sogar einzelne Dax-Titel zu heiß. Trotzdem müssen sie nicht auf die Börse verzichten; sie können mit Indexzertifikaten den ganzen Markt auf einen Streich kaufen. Wie Banker berichten, sind die Papiere bei der unsicheren Börsenlage besonders gefragt. "Da greifen konservative Anleger ebenso zu wie Spekulanten", sagt etwa Werner Humpert von UBS Warburg. Und die Banken emittieren fleißig - seit Anfang 2001 überwiegend so genannte Endlos-Indexpapiere, die keinen festen Ablauftermin haben.

Die Vorteile gegenüber anderen Anlagen, die Marktbarometer nachbilden, wie Indexfonds, sind eindeutig. Die Zertifikate sind günstiger, da in der Regel keine Verwaltungsgebühr anfällt, während bei Fonds Ausgabeaufschlag und Managementgebühren üblich sind.

Transparente Preisentwicklung

Außerdem ist die Preisentwicklung transparent, wie auch Christina Mägerlein von Sal. Oppenheim unterstreicht. Denn der Kurs des Zertifikats - meist ein Index-Bruchteil, ein Zehntel oder Hundertstel - ist direkt an die Entwicklung des Marktbarometers gebunden und wird in vielen Medien veröffentlicht. Und Zertifikate werden an der Börse gehandelt. Ein Nachteil allerdings: Zertifikate sind juristisch besehen Anleihen, was aber wohl nur bei einer Bankpleite von Bedeutung ist.

Allerdings ist die Bezeichnung "Endlos-Zertifikate" irreführend: Zwar steht das Ende der Laufzeit noch nicht fest - wie bei normalen Indexpapieren -, so dass sie dem Investor bessere Chancen bieten, den Ausstiegszeitpunkt selbst zu bestimmen. Doch "endlos" laufen sie nicht: Oft hat die Bank ein Recht, die Papiere erstmals drei oder fünf Jahre nach Emission und dann jedes weitere Jahr zu kündigen. Da viele Papiere 2000 und 2001 begeben wurden, bleibt abzuwarten, ob dieser Fall - wie die Emittenten behaupten - unrealistisch ist.

Auf niedrigen Spread achten

Wer sich Zertifikate kaufen will, sollte auf einen niedrigen Spread (Differenz von Ankaufs- und Verkaufskurs) achten, sagt Humpert. Bei Papieren auf den Dax und ausländische Blue-Chip-Indizes seien 0,2 Prozent eine Richtgröße. Beim Nemax 50 könnten die Spreads um 1,5 Prozent liegen.

Wichtig zu wissen: Bei Kursindizes - das sind die meisten ausländischen Blue-Chip-Indizes - werden Dividenden rechnerisch nicht in den Index reinvestiert, das gilt nur für Performanceindizes wie den Dax. Papiere, die sich auf Performanceindizes beziehen, werden ab 2002 gegenüber Indexfonds einen Steuervorteil haben, vorausgesetzt, der Anleger hält sie länger als zwölf Monate. Mägerlein: "Die Dividenden werden in den Index eingerechnet, der Anleger muss sie aber nicht versteuern."

Wer seinen Aktienanteil im Depot mit Indexzertifikaten abdecken will, kann sich in der Aufteilung zum Beispiel am Kursbarometer MSCI World orientieren. Damit ergäbe sich für Europa ein Gewicht von gut 30 Prozent (mit dem Index Stoxx 50), für Amerika knapp 60 Prozent (mit dem S&P 500) und für Asien etwa zehn Prozent (wobei der Nikkei 225 das Schwergewicht Japan abbildet). Es gibt auch andere Möglichkeiten - so rät Commerzbank-Stratege Rolf Elgeti, Europa überzugewichten; die USA seien mit weniger als einem Viertel angemessen berücksichtigt.

Analysten sehen steigende Aktienmäkte

Die Commerzbank sieht den Dax in zwölf Monaten bei 6 400 Punkten, den S&P 500 bei 1 300 und den Euro Stoxx 50 bei 4 300 Zählern (aktuelle Indexstände siehe Tabelle). Goldman Sachs ist für Europa pessimistischer gestimmt angesichts der "Ergebnisrisiken" der Unternehmen. Staranalystin Abby Cohen hält derzeit die Bewertungen in den USA für attraktiv.

Deutsche-Bank-Stratege Bernd von Winter ergänzt, dass die Konjunktur in den USA im zweiten Halbjahr 2002 anziehen dürfte und als "Lokomotive" für Europa dienen werde. Für den S&P 500 sieht er in einem Jahr Kurschancen bis zu 1 350 Zählern, für den Dax bis zu 5 900 Punkten. Holger Struck von M.M. Warburg & Co. zufolge besteht beim Dax aber eine Widerstandszone zwischen 5 125 und 5 450 Punkten. Achim Matzke von Commerzbank Securities gibt dem Euro Stoxx 50 für sechs Monate charttechnisch Potenzial bis auf 4 100 Punkte. Fazit: Mit europäischen Indexpapieren hat der Anleger mittelfristig gute Karten.

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