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Den Index spielen

Mit Zertifikaten auf Aktienindizes lassen sich Anlagestrategien leicht umsetzen. Der Wettbewerb unter den Banken führt zu sinkenden Kosten für diese Produkte.

Von Neuemissionsflaute keine Spur: Kaum eine Woche vergeht, ohne dass die Banken neue Zertifikate auf den Markt bringen. An der Optionsscheinbörse Euwax in Stuttgart sind momentan rund 2 200 Produkte gelistet. Für Anleger stellt sich die Frage, wie sie die teilweise sehr komplexen Papiere nutzen können, um ihre eigene Börsenstrategie zu optimieren.

Ein wichtiger Rat klingt banal: Investoren sollten nur die Zertifikate kaufen, deren Funktionsweise sie verstehen. Wer sich nur von schicken Namen und zurückgerechneten Zuwachsraten blenden lässt, läuft Gefahr, letztlich in Aktien zu investieren, die er unter normalen Umständen niemals angefasst hätte.

Sehr einfach nachzuvollziehen ist die Funktionsweise von so genannten Index-Zertifkaten: Mit ihnen setzt der Anleger auf alle Aktien, die in dem betreffenden Index enthalten sind - die Anlage ist also recht breit gestreut. Der Kurs des Papiers entwicklet sich parallel zur Notierung des Börsenbarometers. Steht der Deutsche Aktienindex (Dax) etwa bei 5 800 Punkten, kostet ein Zertifikat bei einem Bezugsverhältnis von 1:100 genau 58 Euro. Steigt der Index um 200 Punkte, verbucht der Käufer einen Gewinn von 2 Euro. "Indexbasierte Zertifikate eignen sich gut als Basisinvestment, um bestimmte Regionen abzudecken", sagt Thomas Franz von der Abteilung Anlagestrategie Privatkunden der Deutschen Bank.

Experten empfehlen jedoch, sich vor dem Kauf bestimmter Produkte zunächst Gedanken über die generelle Aufteilung des Vermögens auf bestimmte Anlageformen (Asset Allocation) zu machen. "Zu 70 bis 90 Prozent entscheidet sich hier, wie erfolgreich eine Investition ist", sagt Macro Schall, Chef der Comdirect-Kundenbetreuung. Grundidee: Da sich die Renditen aus Aktien, Renten, Immobilien und Geldmarktpapieren nicht parallel zueinander bewegen, kann der Wertrückgang einer Anlageform durch die Wertsteigerung einer anderen abgefangen werden.

Wer allzu riskanten Engagements bewusst aus dem Wert gehen will und eine ausgewogene chancen- und ertragsorientierte Anlagestrategie favorisiert, dem empfehlen die Strategen der Deutschen Bank folgende Aufteilung: etwa 47 Prozent Rententitel, rund 50 Prozent weltweite Standardaktien und rund drei Prozent flüssige Mittel (siehe Grafik). Auf der Aktienseite kann diese Strategie relativ leicht mit Zertifikaten umgesetzt werden: Durch den Kauf von Papieren auf die Indizes Euro-Stoxx 50 (Euroland), S&P 500 (USA) und Nikkei 225 (Japan) hat der Investor ein weltweites Portfolio aus Standardtiteln beisammen.

Mittlerweile bieten eine Reihe von Emittenten Indexzertifikate ohne Laufzeitbegrenzung an. Für den Anleger haben diese Produkte den Vorteil, dass er selber entscheiden kann, wann er das Produkt wieder verkauft. Bei Papieren mit einem festen Verfallsdatum besteht hingegen die Gefahr, dass sie gerade auf dem Börsentiefpunkt zurückgezahlt werden. Ein Neueinstieg kostet extra Gebühren, längerfristige Anlagen werden dadurch teurer.

In der Regel sind Index-Zertifikate deutlich günstiger als klassische Aktienfonds. Allerdings ist es mit diesen Produkten natürlich nicht möglich, besser als der Index abzuschneiden. "Letztendlich ist es auch eine Geschmacksfrage. Wenn ich davon überzeugt bin, dass ein Fondsmanager den Index schlägt, sollte ich zum Fonds greifen", sagt Anlagestratege Franz.

Zu bedenken ist auch: Wer sich ein Zertifikat kauft, verzichtet unter Umständen auf die Dividenden, die die Index-Mitglieder an die Aktionäre ausschütten. In der Regel vereinnahmen die Zertifikatbanken diese Zahlungen. Dies ist dann der Fall, wenn es sich um Papiere auf Preis-Indizes handelt. Bei dieser Konstruktion werden Dividendenzahlungen nicht in den Kurs eingerechnet. Immerhin ging den Käufern von Zertifikaten auf den Index S&P 500 im Jahr 2000 eine durchschnittliche Dividenrendite von 1,2 Prozent verloren.

Bei Zertifikaten auf Performance-Indizes wie den Dax oder den Euro-Stoxx 50 sieht das anders aus: Hier fließen die jährlichen Ausschüttungen der Unternehmen in den Kurs ein. "Bei Zertifikaten, die keine Dividenden weitergeben, sollte sich das eigentlich in einer günstigeren Kostenstruktur niederschlagen", sagt Marco Wilkens von der Universität Göttingen, der sich mit neuen Finanzprodukten beschäftigt.

Schon jetzt gibt es bei unbegrenzt laufenden Index-Zertifikaten keine jährliche Verwaltungsgebühr. Neben den Dividenden verdienen die Banken an der Differenz zwischen An- und Verkaufskurs (Spread). Hier gibt es teilweise erhebliche Unterschiede. Die Deutsche Bank und die Hypo-Vereinsbank verzichten bei einigen Produkten sogar ganz auf diese Handelsspanne. Beide behalten sich aber das Recht vor, diese nachträglich einzuführen.

Neben dem Preis sollten Anleger auch auf die Auswahl des Emittenten achten: Gewährleistet er einen kontinuierlichen Handel? Ist die Bonität in Ordnung? Rechtlich gesehen sind Indexzertifikate Schuldverschreibungen. Der Anleger gibt der Bank einen Kredit; die Forderung ist in dem Zertifikat verbrieft. Geht das Institut pleite, sieht der Anleger sein Geld kaum wieder. Bei den aktuellen Zertifikateherausgebern ist dieser Fall jedoch unwahrscheinlich.

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