Archiv
Denic und Co. streiten mit Icann um Geld und Einfluss

Die Internet-Organisation Icann gerät wieder einmal in die Kritik. Länder-Domain-Registrierungsstellen wollen sich in ihr Hoheitsgebiet nicht herein reden lassen. Es geht um Geld und um Einfluss.

SALZBURG. Zwischen der Internet-Verwaltungsorganisation Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) und nationalen Domain-Registrierungsstellen ist ein heftiger Streit um Geld und Einfluss entbrannt. Länder-Organisationen für die Domain-Vergabe wie zum Beispiel die deutsche Denic oder die österreichische Nic.at werfen der Organisation mit Sitz im kalifornischen Marina del Rey vor, ihren Einfluss unnötig ausdehnen zu wollen. "Icann will zu einer Super-Registrierungsstelle werden", kritisierte Denic-Geschäftsführerin Sabine Dolderer bei einer Veranstaltung des Icann-Studienkreises im österreichischen Salzburg. "Es kann nicht sein, dass eine einzelne Stelle auf der Welt die gesamte Bürde des Internets auf seine Schultern nimmt", spottete sie.

Anlass des Streits: In derzeit laufenden Vertragsverhandlungen verlangt Icann von den nationalen Registrierern etliche Zugeständnisse und Mitspracherechte. So geht es zum Beispiel um den Zugang zu einem Teil der Registrierungsdaten, den sogenannten Zone Files. Diese Daten sind für den einwandfreien Datenverkehr im Internet notwendig. Icann begründet das Verlangen mit Sicherheitserwägungen. Im Krisenfall möchte die Organisation die Möglichkeit haben, den Internet-Verkehr in einem Land aufrecht erhalten zu können. Zwar funktioniere die Verwaltung des Internet-Namensraumes in europäischen Ländern sehr gut, erklärte Icann-Vertreter Herbert Vitzthum. Er verwies aber insbesondere auf Probleme in Entwicklungsländern. "Icann muss die ganze Welt im Hinterkopf haben." Falle ein nationaler Namensraum einmal aus, hätte das enorme wirtschaftliche Folgen, erklärte er.

"Icann sucht offenbar neue Beschäftigung"

Kritiker wollen das nicht gelten lassen."Ich habe das Gefühl, Icann weiß nicht mehr, was seine Aufgabe ist", so Denic-Geschäftsführerin Sabine Dolderer. Auch der österreichische Regierungsvertreter Christian Singer vom Wiener Wissenschaftsministerium schlug in die selbe Kerbe: Dass der österreichische Namensraum mit der .at-Endung funktioniere, "kann nur im österreichischen Interesse sein", erklärte er. "Icann kann das vollkommen egal sein." Teilnehmer der Diskussionsveranstaltung in Salzburg unkten, Icann suche offenbar eine neue Beschäftigung.

Hinter den Kulissen geht es auch um Geld: In den Verhandlungen um Verträge zwischen Icann und den einzelnen Registrierungstellen für Landesdomains soll endlich festgelegt werden, wie hoch die Gebühren sein sollen, die die Landesorganisationen an Icann zu zahlen haben. Bislang sind die finanziellen Verhältnisse zwischen den nationalen Registrierungsstellen und Icann informell geregelt. Zwar erhält Icann bereits ein Drittel seines Budgets von den nationalen Registrierern. Offiziell sind dies aber nur Spenden, einen vertraglichen Anspruch hat die Organisation auf dieses Geld nicht. Hinzu kommt: Icann ist klamm. "Die finanzielle Situation ist extrem unstabil", erklärte Icann-Direktor Helmuth Schink. Der Cash-Flow reiche nur für wenige Monate. Die Organisation hat einen Jahresetat von rund 4 Mill. $.

Organisation ist klamm

Entsprechend hat Icann ein großes Interesse an erfolgreichen Verhandlungen. Die Landes-Registrierungsstellen hingegen können sich Zeit lassen. Zwar seien sie grundsätzlich bereit zu zahlen, erklärten deren Vertreter. In ihr Hoheitsgebiet hereinreden lassen wollen sie sich von Icann hingegen nicht. Sie verlangen reine Service-Verträge. In langen Briefwechseln wird deshalb derzeit um jede Vertragsformulierung gefeilscht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%