"Denkende" Tasse ordert Kaffee
Mikrocomputer in Kleidung, Tassen und Stiften

Das Internet und mobile Endgeräte wie zum Beispiel Handheld Computer, Mobilfunkgeräte, Personal Digital Assistents (PDAs) haben viel dazu beigetragen, zu jedem Zeitpunkt und Ort auf Informationen zurückgreifen oder aber beispielsweise elektronischen oder mobilen Handel tätigen zu können. Dabei ist der Mensch Teil der digitalen Computerwelt. Beim Ubiquitous Computing hingegen (Allgegenwärtigkeit von Computern) werden vernetzte Microcomputer Teil des Menschen. Die Microcomputer werden unsichtbar in Alltagsgegenstände eingebaut, so dass sie drahtlos miteinander kommunizieren und Informationen austauschen können.

HB DÜSSELDORF. Eine "denkende Kaffeetasse" ordert über Bluetooth bei einer Kaffeemaschine neuen Kaffee. Oder aber intelligente Bekleidung (i-wear) zeigt dem Träger an, dass er seine Geldbörse oder Haustürschlüssel vergessen hat. Demnächst sollen E-Mails sogar mit einem Stift geschrieben, gefilmt und per Bluetooth verschickt werden können.

Kaffeetasse denkt mit

In den Boden der Mediacup ist ein Microcomputer eingebaut, der Auskunft gibt, ob jemand aus der Tasse trinkt, ob der Kaffee kalt oder die Tasse leer ist. Über Infrarot kommuniziert die Tasse mit einer "intelligenten" Kaffeemaschine, die automatisch für Nachschub sorgt. Das Prinzip lässt sich auch auf andere Alltagsgegenstände übertragen. Die Mediacup "redet" mit einem elektronischen Türschild (SmartDoorplate), welches den Mitarbeitern daraufhin eine Besprechung ankündigt, da es an der Anzahl der Mediacups ein Meeting im Zimmer erkannt hat. Eine spezielle Uhr (HotWatch) gibt einen Pieps-Warnton von sich, wenn der Kaffee in der Mediacup zu heiß zum Trinken ist. Eine erweiterte Kaffeemaschine (CoffeePump) brüht neuen Kaffee, falls der Kaffee leer ist und alle Tassen ausgetrunken sind...

Was sich nach Zukunftsmusik anhört, ist schon längst umgesetzt worden - bisher allerdings lediglich zu Forschungszwecken an Universitäten. Neben der Universität Karlsruhe forscht auch die University of Lancaster in diese Richtung.

Mediacup als Konzeptstudie

Michael Beigl vom Telecooperation Office (TecO), Institut für Telematik der Universität Karlsruhe, erläutert gegenüber Handelsblatt.com allerdings, dass "eine Weiterentwicklung der Mediacup als Produkt von uns nicht geplant ist." Mediacup sei vielmehr eine Konzeptstudie ohne kommerziellen Hintergrund, um zu zeigen, was zukünftig machbar ist. "Die Pläne für den Nachbau in Form von Hard- und Software sind aber frei verfügbar," so Beigl weiter. Er schätzt die Chancen, dass die Mediacup in Serie geht, als eher gering ein. "Der Verbraucher wägt die Mehrkosten eines Produktes mit neuen Eigenschaften gegen seine Vorteile ab." Der Preis für die Mediacup würde seiner Einschätzung nach auf Grund der hohen Kosten für Forschung und Entwicklung trotz Serienproduktion relativ hoch ausfallen.

Beigl bezieht sich deshalb sogleich auf den Initiator von Ubiquitous Computing, Mark Weiser, Cheftechnologe des kalifornischen Forschungscenters Xerox Parc, der gesagt haben soll: "Build what you use and use what you build". Kleine, mobile Alltagsgegenstände wie zum Beispiel eine Tasse eignen sich deshalb hervorragend, die Interaktionen zwischen Mensch und Maschine zu erforschen und Aufschluss darüber zu geben, inwieweit sie sich für eine Computerisierung eignen oder nicht. Schließlich muss der Mensch immer noch selber entscheiden können, ob und wann er Kaffee benötigt.

E-Mail mit einem Stift versenden

Der "C Pen" des schwedischen Herstellers C-Technologies ist ein digitaler Lesestift, der Texte mit Hilfe einer winzigen Digitalkamera einliest, speichert und per eingebauter Infrarot-Schnittstelle an ein Notebook oder einen PC überträgt. Mit dem 100 Gramm leichten Computerstift lassen sich kurze Texte oder Textabschnitte problemlos zusammentragen und speichern.

Mit dem Anoto-Stift des Technologieunternehmens 3M aus dem schwedischen Lund soll der Nutzer sogar Online-Handel betreiben und E-Mails verschicken können - also digitales Business mit Papier und Stift. Diese Vision will 3M mit einem speziellen Papier verwirklichen - mit den Post-it-Klebezetteln waren die Tüftler aus Lund schließlich schon sehr erfolgreich. Das Papier besteht aus zahlreichen Punkten, die verschiedene Muster bilden und mit Funktionsfeldern wie z.B. der E-Mail-Adresse verknüpft sind. Der Spezialkugelschreiber wiederum filmt mit einer integrierten Kamera die Schrift und gibt diese über Kommandos wie "Speichern" und "Senden" per Bluetooth über ein Handy zum Server von Anoto.com weiter. E-Mails oder Fax-Mitteilungen können also unmittelbar versandt werden. Spinnt man diese Idee weiter, ließe sich zukünftig auch E-Commerce mit dem Anoto-Stift betreiben. Der Kunde könnte zum Beispiel sofort einen Anzeigen-Coupon oder eine Abobestellung mit dem Spezialstift ausfüllen und absenden.

Intelligente Mode

Die Forscher des i-wear-Konsortiums wollen "Ubiquitous Computing" auf Bekleidung ausweiten. Das Projekt i-wear vom Starlab in Brüssel, einem privaten Forschungslabor mit über 60 Experten aus 28 Ländern, hat sich die Entwicklung "intelligenter Kleidung" zum Ziel gesetzt, Projektleiter ist Walter van de Velde.

Kreativer Leiter von i-wear ist der belgische Designer Walter von Beirendonck, der von der Idee fasziniert ist, Technologie in Kleidung zu integrieren. Ein "intelligentes" Hemd ist der erste Prototyp des i-wear-Projekts. Ausgestattet mit einem Mikroprozessor teilt das Hemd seinem Träger mit, dass er den Schlüssel oder die Geldbörse vergessen hat. Und wenn es kälter wird, heizt sich das Hemd auf. Wenn es nach i-wear geht, soll ein futurististischer Jogging-Anzug demnächst sogar nicht nur die Körperfunktionen des Läufers kontrollieren, sondern ihn auch über Temperatur, Wetter und Streckenbeschaffenheit informieren. Drahtlose Kommunikationssysteme wie zum Beispiel WAP, GPRS oder die Funktechnik Bluetooth sollen in die Mikrocomputer eingebaut werden, damit der Nutzer auf mobile Dienste zugreifen und er somit ständig "auf dem Laufenden bleiben" kann.

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