Denkmal setzen
Das neue Traumpaar: Dieter Bohlen und Lieschen Müller

Erzähl dich selbst - scheint das Lieblingsmotto vieler Promis zu sein. Zumindest legen Stars und Sternchen gerne eine bunte Lebensbeichte ab. Jüngstes Beispiel: Dieter Bohlens Autobiografie «Nichts als die Wahrheit».

ddp BERLIN. Ob Liebesaffären, Kochrezepte oder Kindererziehung - nichts scheint bei Prominenten zu trivial, um nicht auf Papier gebracht zu werden. Mit klassischen Autobiografien haben die glamourösen Selbstporträts wenig gemeinsam. Experten bezweifeln zudem, dass solche Publikationen das Zeug zum Bestseller haben.

«Leute aus dem Showbiz schreiben in ihren Lebensgeschichten meist nur Banalitäten, sie haben nicht wirklich etwas zu sagen», sagt der Jenaer Literaturwissenschaftler und Biografieforscher Gerhard Kaiser. Natürlich interessiere sich die Öffentlichkeit für den neuesten Klatsch über Seitensprünge, Schicksalsschläge oder Schönheitsoperationen von Prominenten. Eine Sammlung solch pikanter Details dann «Autobiografie» zu nennen, hält Kaiser allerdings für «unangemessen».

Monika Lewinsky und Bill Clinton

Zudem sinkt die Wissbegierde des geneigte Lesers rapide, wenn er schon mehr oder weniger bekannte Anekdoten serviert bekommt. So fanden die Erinnerungen der wohl bekanntsten Praktikantin der Welt, Monika Lewinsky, über ihre Liaison mit dem einst mächtigsten Mann der Welt, Bill Clinton, nicht den erhoffen Umsatz. Kein Wunder bei einer Geschichte, die die Öffentlichkeit schon fast auswendig kannte.

Die Lust zur Lebensbeichte befällt Prominente immer eher. Früher hätten bekannte Persönlichkeiten nicht vor dem 40. Lebensjahr angefangen, Resümee zu ziehen. «Der größte Anteil wurde aber im Alter zwischen 60 und 65 Jahren geschrieben», sagt Kaiser und fügt hinzu: «Das aber jemand - wie gerade bei Popstars üblich - schon mit 35 seine Biografie veröffentlicht, ist schon sehr merkwürdig.» Ohnehin sei davon auszugehen, dass die meisten Promis nicht selbst zur Feder greifen. «In dieser Branche schreiben häufig Ghostwriter die Bücher.»

Eines hätten die schreibenden Promis von heute mit den großen klassischen Autobiografen allerdings gemeinsam - ihre offenherzigen Bekenntnisse über private Liebesangelegenheiten. Auch Johann Wolfgang von Goethe, Theodor Fontane oder Jean-Jacques Rousseau ließen in ihren Lebensgeschichten manche Liebschaft Revue passieren. Aber selbst beim größten Frauenhelden aller Zeiten, Casanova, hätten die amourösen Enthüllungen in einem «zeitgeschichtlichen Zusammenhang» gestanden. «Die jüngste Abrechnung Dieter Bohlens etwa mit den einstigen Geliebten ist - wissenschaftlich gesehen - dagegen genauso wertlos wie die Amouren von Lieschen Müller», sagt Kaiser.

Image vermitteln

Promis wollten mit ihren Lebensbekenntnissen zudem ein Image vermitteln. «Bei allen Autobiografien soll ein bestimmtes Bild der Person entworfen werden», erläutert der Wissenschaftler und spekuliert weiter: «Wenn sich der Pop-Sänger Dieter Bohlen in seinem Buch selbst als Womanizer verkauft, dann tut er dass vielleicht, weil er seiner Meinung nach von Verona nicht angemessen dargestellt wurde.»

Was Realität und was Fantasie ist, stehe bei Autobiografien - egal ob klassisch oder modern - ohnehin nicht im Vordergrund. «Denn die Bücher vermitteln immer nur eine subjektive und keine faktische Wahrheit», weiß der Forscher und verweist darauf, dass schon Goethe schrieb: «Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit.»

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