Dennoch kein Ende in Sicht
Israel zieht Truppen aus Ramallah und Nablus ab

Rund drei Wochen nach Beginn der Offensive im Westjordanland hat sich die israelische Armee am Sonntag aus weiten Teilen von Ramallah und aus Nablus zurückgezogen.

Reuters RAMALLAH. Der Amtssitz von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat in Ramallah bleibe jedoch so lange belagert, bis drei mutmaßliche Attentäter des israelischen Tourismusministers Rehawam Seewi ausgeliefert würden, teilte der israelische Verteidigungsminister Binjamin Ben-Elieser mit. Die israelische Armee erklärte, der Abzug aus Nablus, der größten Stadt im Westjordanland, sei abgeschlossen.

In Ramallah machten sich die Bewohner, die wegen der nur selten unterbrochenen Ausgangssperre in den vergangenen 23 Tagen kaum ihre Häuser verlassen hatten, ein Bild von den Zerstörungen. An den Rändern der Straßen, die durch israelische Panzer aufgerissen waren, türmten sich Abfallhaufen. Auf dem Zufahrtsweg zum Amtssitz Arafats befanden sich Trümmer und zerstörte Fahrzeuge. Solange sich die Armee nicht vollständig zurückgezogen habe, könne auch nicht von einem Abzug gesprochen werden, sagte der palästinensische Sicherheitschef Mohammed Dahlan. Israel wolle mit seinem Teilrückzug lediglich die USA und die internationale Gemeinschaft beruhigen.

Die Frage, ob die israelische Armee beabsichtige, den Amtssitz Arafats zu stürmen, kommentierte Ben-Elieser nicht. Israel werde "einen akzeptablen Weg finden", sagte der Minister dem israelischen Rundfunk. Neben der Auslieferung dreier mutmaßlicher Attentäter des Tourismus-Ministers fordert Israel auch die Überstellung von Arafats Finanzchef Fuad Schubaki, dem es versuchten Waffenschmuggel vom Iran in die Palästinenser-Gebiete vorwirft. Der Vorschlag Arafats, den mutmaßlichen Mördern Seewis den Prozess vor einem palästinensischen Gericht zu machen, hatte Israel zurückgewiesen. Seewi war im vergangenen Jahr von militanten Palästinensern ermordet worden.

"Der Abzug aus Nablus ist abgeschlossen", sagte ein Armeesprecher. Aus Militärkreisen verlautete, er sei verzögert worden, weil sich mehrere Juden zum Gebet am Grab des Erzvaters Josephs versammelt und sich zunächst geweigert hätten, es zu verlassen. Zuvor hatten Augenzeugen berichtet, Panzer hätten drei strategisch wichtige Plätze im Zentrum, im Norden und im Westen der Stadt verlassen. Auch aus dem nahe gelegenen Flüchtlingslager Balata zogen sich die israelischen Soldaten zurück. An den Stadträndern bezog die Armee jedoch neu Stellung.

In Bethlehem im Westjordanland gab es am Sonntag zunächst keine Anzeichen für einem Truppenabzug. Dort haben sich seit Beginn des Monats rund 200 Palästinenser in der Geburtskirche verschanzt, die von israelischen Soldaten belagert wird. Die Geburtskirche ist an dem Ort errichtet, an dem nach der christlichen Überlieferung Jesus Christus geboren wurde.

Israel hatte am Karfreitag mit einer Militäroffensive im Westjordanland begonnen. Zuvor waren bei einer Serie von palästinensischen Selbstmordanschlägen Dutzende von Israelis getötet worden. Palästinensischen Angaben zufolge wurden bei der Offensive Hunderte Menschen getötet. Das Ausmaß der Zerstörungen, insbesondere im Flüchtlingslager Dschenin, hatte internationale Kritik ausgelöst. Israel erklärte sich am Samstag bereit, mit einer Delegation der Vereinten Nationen (UNO) zusammenzuarbeiten, die die Vorfälle in Dschenin aufklären soll. Die israelische Armee hatte sich am Freitag aus Dschenin zurückgezogen.

Bei dem seit Ende September 2001 andauernden Palästinenser-Aufstand gegen die israelische Besatzung sind mindestens 1 289 Palästinenser und 453 Israelis ums Leben gekommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%