Der 1. FC Köln und Trainer Friedhelm Funkel trennen sich – Marcel Koller soll sein Nachfolger werden
Im gegenseitigen Einvernehmen

Eigentlich läuft es anders ab, wenn ein Trainer in der Fußball-Bundesliga den Verein verlässt. Zumindest eine der Parteien ist beleidigt, fühlt sich unverstanden oder ungerecht behandelt. Das ist meistens der Trainer. Doch bei der Ablösung von Friedhelm Funkel, bis gestern Trainer des 1. FC Köln, waren alle Beteiligten mit der getroffenen Entscheidung einverstanden und zufrieden.

Die Nachricht wurde von Manager Andreas Rettig in der etatmäßigen Pressekonferenz vor dem Kölner Heimspiel gegen Hannover 96 mit einer Nüchternheit bekannt gegeben, die selten anzutreffen ist in derart krisenhaften Situationen. Manager Rettig bezeichnete dabei, und darauf legte er größten Wert, den Abgang von Funkel nicht als Entlassung oder gar Rauswurf, sondern als "Trennung im gegenseitigen Einvernehmen".

Das sah auch Funkel so. "Man muss in gewissen Situationen in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen, die für einen selbst nicht so einfach sind", sagte Funkel. "Wir wollten eine saubere Trennung, nicht so wie zuletzt in Hamburg oder Mönchengladbach." Funkel will dem Verein auch in Zukunft treu bleiben. "Bisher war ich Trainer des 1. FC Köln, ab jetzt bin ich Fan."

Vormittags hatte sich Manager Rettig mit Funkel und dem Vorstandsvorsitzenden Albert Caspers zusammengesetzt. Bei der Erörterung der Situation sei das Trio zur Einsicht gekommen und habe Funkels Demission gemeinsam beschlossen, sagte Rettig. Als Grund für die Trennung führte der Manager die "Drucksituation vor dem nächsten Heimspiel" an.

Das klingt nebulös, hat aber einen konkreten Hintergrund. Nach der 1:4-Niederlage gegen Bremen waren hunderte Fans an das Marathontor des Stadions gekommen, hatten an den Stäben gerüttelt und die Mannschaft beschimpft. Die Heißblütigkeit der Fans wird in der Vereinsführung gefürchtet, obwohl Rettig zuletzt sein Unverständnis für solche Aktionen äußerte.

Dass Köln unter Funkel in zehn Ligaspielen erst zwei Siege zu verzeichnen hatte und die Mannschaft zuletzt grausamen Fußball gespielt hatte, war kein großes Thema. Allein die "fehlende Pespektive", die Rettig ansprach, wies auf die schwachen Leistungen unter Funkel hin.

Sogar die Kollegen von den Boulevard-Zeitungen, die gewöhnlich die undichten Stellen im System für sich nutzen, waren überrascht. Auch das Vormittagstraining hatte Funkel wie üblich geleitet. Überhaupt hatten sich die Kölner Medien nach der 0:2-Niederlage in dem "Schweinespiel" (Kapitän Dirk Lottner) bei Eintracht Frankfurt sehr zurückgehalten. Und sie blieben auch nach dem 3:2-Sieg Kölns im DFB-Pokal bei den Wolfsburger Amateuren moderat, obwohl der FC gegen den Oberligisten eine schlechte Leistung gezeigt hatte.

Gegen Hannover wird nun der bisherige Assistenz-Trainer Jos Luhukay als Verantwortlicher auf der Bank sitzen, aber nur für dieses eine Spiel. Nächste Woche möchte Rettig den neuen Trainer präsentieren, und alles deutet daraufhin, dass dieser Marcel Koller heißt. Seit Wochen wird der Schweizer in Köln als Funkel-Nachfolger gehandelt. Nun bezeichnete auch Rettig Koller, der zuletzt in der Schweiz den Meister Grashoppers Zürich trainierte und dort nach einer Negativserie entlassen wurde, als "Wunschkandidat".

Funkels Nachfolger hat auf jeden Fall sofort ein Problem: einen Kader, der spielerisch bisher nur selten Bundesligareife zeigte und völlig verunsichert ist.

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