"Der 11. September" ist Wort des Jahres 2001
Krieg und Terror hinterließen Spuren in der Sprache

Dass nach dem 11. September nichts mehr so ist, wie es einmal war, gilt auch für die Sprache. Krieg und Terror haben in der Wortwahl der Deutschen 2001 tiefe Spuren hinterlassen. Dies machen die Wörter des Jahres deutlich, die die Wiesbadener Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag vorstellte und dabei den "11. September" auf Platz eins setzte.

ap WIESBADEN. "Der 11. September steht wie kaum ein anderer Ausdruck für die Terroranschläge in New York und Washington", erklärt die Sprachforscherin Anja Steinhauer, die bei der GfdS die Sprachentwicklung des Jahres 2001 beobachtet hat. Das Datum sei in unzähligen Redewendungen aufgetaucht, weil es von den Menschen als wichtigste Zäsur der jüngeren Geschichte begriffen werde. Die enorme Aufmerksamkeit, die die neuen Bedrohungen in den Medien erhalten, haben dafür gesorgt, dass auch drei weitere Begriffe aus dem Bereich des Terrorismus und seiner Bekämpfung ganz nach vorne auf die Hitliste der GfdS gerutscht sind.

Auf Platz 2: Der "Anti-Terror-Krieg". Einmütig wie nie zuvor habe sich eine weltweite Anti-Terror-Allianz gebildet, die dem Terrorismus den Krieg erklärt habe, erklärt Steinhauer: "Erstaunlich, wie schnell dabei der Begriff Krieg zur Gewohnheit werden konnte." Den Anschlägen mit Flugzeugen sei bald der biologische Terror gefolgt, ein neues Phänomen, das auch in Deutschland zahlreiche Trittbrettfahrer anregte.

Von "Milzbrandattacken" war bald die Rede, ein neues Wort, das die elfköpfige Jury der GfdS auf Platz drei der Liste setzte. Auch Platz vier belegt ein Wort aus dem Bereich des Terrorismus: Der "Schläfer", die Bezeichnung für einen Terroristen, der unauffällig im Land lebt und auf einen Einsatzbefehl wartet. Hier handele es sich um das interessante Phänomen, dass ein zuvor fast unbekannter Begriff aus der Sprache der Geheimdienste plötzlich Allgemeingut geworden sei, erklärte die Sprachforscherin.

Trickreich und lebendig

Wie trickreich und lebendig das Deutsche dröge Begriffe der Verwaltungssprache umwandelt, demonstrierten die Wiesbadener Sprachhüter an zwei Begriffen aus dem Bereich der Bundespolitik. So mutierte der Aufbau einer kapitalgedeckten dritten Säule des gesetzlichen Rentensystems im Volksmund flugs zur "Riester-Rente" (Platz zehn). Die "eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft" dagegen brachte die Sprachgemeinschaft auf den kurzen Namen "Homo-Ehe" (Platz sieben).

Eher zu den untergehenden Sonnen am Himmel der Sprache rechnet Steinhauer den Begriff der "Agrarwende" (Platz acht). Zu Jahresanfang dank BSE- und MKS-Krise noch in aller Munde, sei die Zahl der Belege für den Begriff in der zweiten Jahreshälfte bereits stark zurückgegangen, erklärt die Sprachforscherin. Ein klarer Beleg für das nachlassende Interesse am Thema gesunde Nahrung.

"Queen Mum der Luder"

Neben ernsten Dingen wie Krieg, Terror und Politik schaffte es auch ein heiteres Thema auf die Hitliste der Gesellschaft für deutsche Sprache. "Luderliga" (Platz neun) steht nach Meinung der Experten für einen interessanten Bedeutungswandel. War der Begriff "Luder" bis vor kurzem ausschließlich negativ besetzt, so sind die mehr oder minder berühmten Sternchen der Partywelt inzwischen dazu übergegangen, sich nicht ohne Stolz selbst als Luder zu bezeichnen.

"Stellvertretend für andere sei hier Jenny Elvers genannt, die sich selbst als Queen Mum der Luder bezeichnet hat", erklärt Steinhauer. Dass die Deutschen im Jahr 2001 mit ihrer Sprache besonders produktiv umgegangen sind, zeigt auch der Umstand, dass die Liste der GfdS in diesem Jahr mit zwölf Begriffen wieder besonders lang ist.

Erstmals seit 1998, als es das berühmte "Ich habe fertig!" von Giovanni Trappatoni auf die Liste schaffte, nahmen die Sprachhüter wieder einen Satz des Jahres auf. Es ist jener Ausspruch, den der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit seinem Bekenntnis schwul zu sein anfügte: "Und das ist auch gut so!"

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