Der 35-Jährige ist neuer Chef der Werbeagentur Serviceplan
Über alle Kanäle vernetzt

An der Leistung seines Vaters wird er immer gemessen werden. Sein Start als Agentur-Chef ist Haller jedenfalls gelungen: Serviceplan wächst weiter gegen den Branchentrend.

MÜNCHEN. Der Chef hat keine Geheimnisse - zumindest nicht an diesem sonnigen Herbsttag. Im Innenhof der Münchener Werbe-Agentur-Gruppe Serviceplan sitzen einige Geschäftsführer und Mitarbeiter an runden Holztischen. Ein Pavillon bietet Rückzugsmöglichkeiten, um ungestört Gespräche zu führen - aber die Tür bleibt offen. "Wenn es recht ist", sagt Florian Haller, "lassen wir frische Luft herein."

Nur ein Foto an der Wand erinnert noch an düster-blaue Tage. Bevor die Kreativen vor rund einem Jahr in das ehemalige Münchener Pfandhaus einzogen, lagerten hier Tausende Pelzmäntel in blauen Lagerhallen. Heute sind die neu geschaffenen Großraumbüros hell, die Schranksysteme hochflexibel, Sitzgruppen auch unter freiem Himmel laden ein zum Diskutieren, Strategien-Entwerfen, Ideen-Umsetzen - ein stimmiger Rahmen für eine Vision, die Haller antreibt: integrierte, miteinander vernetzte Kommunikation zu entwickeln.

Im Juli übernahm Florian Haller die Hauptgeschäftsführung von seinem Vater Peter Haller, dem Mitgründer der Agentur - kein ganz leichtes Erbe. Denn der Vater gilt als Institution in der deutschen Werbebranche der Anfang des Jahres von der Fachzeitung "Horizont" zum Agenturmann des Jahres gekürt wurde. An dessen Leistung wird sich Sohn Florian messen lassen müssen.

Doch in die ziemlich großen Fußstapfen des Vaters zu treten war seine eigene Entscheidung. "Mein beruflicher Werdegang war mir keinesfalls von der Wiege an vorbestimmt", sagt der Junior, als die väterliche Agentur zu übernehmen. Daran, wann er als Junge zum ersten Mal die Agentur des Vaters betreten habe, kann er sich heute nicht mehr erinnern. "Das hat mich wohl nicht nachhaltig beeindruckt", scherzt er. Zuhause sei Werbung selten ein Thema gewesen.

Erst während seines Betriebswirtschaftsstudiums in St. Gallen entdeckte er sein Interesse für Marketing, arbeitete im Anschluss fünf Jahre lang für Procter & Gamble und stieg 1996 in die Agentur seines Vaters ein. In der Holding, die sich in vier Werbeagenturen (Units) gliedert, führte er als Geschäftsführer die Unit 3 zur umsatz- und ertragsstärksten der Gruppe. Vergleiche mit seinem erfolgreichen Vater braucht der 35-Jährige deshalb nicht zu scheuen.

Von Anfang an arbeitete Florian Haller an der Umstrukturierung der größten Netzwerk-unabhängigen Agenturgruppe Deutschlands mit und brachte seine eigenen Visionen ein. Denn er ist davon überzeugt, dass innovative Kommunikation heute über alle Kanäle hinweg vernetzt erfolgen muss. Über dieses Thema spricht er gerne und ausführlich - er versteht es dabei, immer wieder geschickt in eigener Sache zu werben: "Da war zum Beispiel die Kampagne für Saturn..." Aber das gehört wohl zum Handwerkszeug eines guten Agenturchefs.Aber es geht ihm um mehr: Den abstrakten Visionen von integrierter Kommunikation aus den Marketinglehrbüchern will er endlich Leben einhauchen.

Die Kreativen der Agentur verbanden den TV-Spot mit einem Link zur Web-Seite, wo wiederum Adressen für eine Dialogmarketing-Aktion gewonnen wurden.

Dass jemand andere wortvirtuos überzeugen kann, mag in der Kommunikationsbranche eine verbreitete Fähigkeit sein. "Aber er versteht es besser als viele andere, sich auch in die Rolle des Werbetreibenden hineinzudenken", sagt ein guter Kunde. Da dürften ihm seine Erfahrungen auf der anderen Seite - als Marken-Manager bei Procter & Gamble - zugute kommen.

"Was ich damals außerdem gelernt habe, ist strategisch und konzeptionell zu arbeiten", erinnert sich Haller. Das verlangt er heute auch von seinen Mitarbeitern: keine Kreativität ohne Zahlen und Fakten.

Sein Start als Hauptgeschäftsführer von Serviceplan ist ihm geglückt. Auf den Münchener Medientagen kann er heute bekannt geben, dass das dritte Quartal keinen Anlass zur Sorge gibt: Entgegen dem Branchentrend erwartet die Agenturgruppe auch in diesem Jahr ein Wachstum. Das hört die Branche zurzeit äußerst selten.

Der neue Chef leitet die Holding gemeinsam mit einem vierköpfigen Geschäftsführungsteam. Er wird nicht müde zu betonen, dass alle Erfolge gemeinsam erzielt werden. Nur manchmal, wenn er sich von der eigenen Begeisterung fortreißen lässt, fällt es ihm ein wenig schwer, sich an diese Philosophie zu halten. "Dann möchte er am liebsten alles sofort und alleine machen", weiß ein Mitarbeiter. Selbstkritisch räumt Haller ein, dass er sich manchmal tatsächlich selbst ausbremsen müsse.

Ehrlichkeit ist ihm im Geschäftsleben besonders wichtig. "Ich mag es nicht, wenn Leute unaufrichtig sind und nicht sagen, was sie wirklich meinen." Denn: Gute Beziehungen setzten voraus, dass man sich auch einmal ein paar unerfreuliche Dinge ins Gesicht sagen könne. Das müssen auch seine Mitarbeiter schon einmal wegstecken können.

Erholung von seinem Job findet Haller beim Laufen. Dann genießt er die Stille um sich herum - das sei fast schon "meditativ". Er betreibt alle Sportarten gerne, die sich irgendwie im Freien in und um München ausüben lassen - wenn es seine Zeit denn zulässt. Dann liest er auch Bücher, die sich mit dem Menschen und seinen Ideen befassen. "Das Lächeln der Medusa" von Peter Watson liegt zurzeit neben seinem Bett - ein Buch über die Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts.

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VITA

Geboren 1967 in München, studiert Florian Haller in St. Gallen Betriebswirtschaft. Nach seinem Abschluss arbeitet er fünf Jahre als international verantwortlicher Brand Manager für Procter & Gamble in Brüssel und Genf. 1996 wechselt er zu Serviceplan nach München. Sein Vater, Peter Haller, leitet die inhabergeführte Agenturgruppe als Hauptgeschäftsführer und Mitgründer. Florian Haller übernimmt eine Werbeagentur der Gruppe und macht sie zur umsatz- und ertragsstärksten. Seit Juli ist er Hauptgeschäftsführer und leitet die Holding mit einem vierköpfigen Team, dem Peter Haller angehört.

Simone Wermelskirchen
Simone Wermelskirchen
Handelsblatt / Redakteurin
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