Der 36-Jährige hat seinen Vater Jörn als Vorstandschef der Douglas Holding beerbt
Henning Kreke: Der neue Hüter des Luxus

Schon als Zehnjähriger ist er gerne durch die Stadt geschlendert, hat aufmerksam die Schaufenster der anderen mit den Dekorationen in den eigenen Süßwarenläden verglichen. Im Gegensatz zu seinen beiden Schwestern wollte er nie etwas anderes als Händler werden. "Ich komme aus einer traditionsreichen Handelsfamilie. Bei uns wurde schon beim Frühstück übers Geschäft gesprochen und abends war Kassensturz", erzählt Henning Kreke, promovierter Finanz- und Marketing-Experte. Er ist dann auch Händler geworden. Und was für einer: Seit einigen Tagen ist er Vorstands-Chef der Douglas Holding AG.

Sein Traum vom Unternehmer, vom Kaufen und Verkaufen ist Wirklichkeit geworden: Der 36-Jährige hat den Chefsessel in der Hagener Zentrale mit seinem Vater Jörn getauscht. Der Senior, an die Spitze des Aufsichtsrats gerückt, hat in den vergangenen knapp 40 Jahren aus dem Süßwaren-Spezialisten Hussel einen in Deutschland führenden Filial-Konzern gemacht - mit Parfümerie-, Schmuck-, Mode-, Sport- und Buch-Handel.

Knapp fünf Milliarden Mark Umsatz im vergangenen Jahr, rund 19 000 Mitarbeiter - kein einfaches Erbe für den temperamentvollen Junior mit dem gel-gestylten, leicht-gelockten Haar. Schließlich sind alle gespannt, "was der Junge, der dem Senior so ähnlich sieht, nun macht. Die Mitarbeiter beobachten ihn mit Wohlwollen, aber auch mit Skepsis", wie Elke Vahldiek, seit 1969 im Unternehmen und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende für leitende Angestellte in Braunschweig, erzählt. Nicht nur die eigenen Leute, auch Lieferanten und Hersteller knüpfen Erwartungen an den Generationenwechsel. So geht beispielsweise Gerd Weiler, Chef der L?Oréal-Luxusmarken, davon aus, dass "die bislang erfolgreiche Politik des Vaters fortgesetzt und nach dem Motto "Marken machen Märkte" die Luxusprodukte auch in Zukunft gestützt werden."

Kreke baut auf Berechenbarkeit, Vertrauen und Kontinuität

Kann er bei all dem Druck noch ruhig schlafen? "Na klar", meint Henning Kreke, der sein Handwerkszeug in den USA gelernt, dort zehn Jahre studiert, gearbeitet und seine in Dallas geborene Frau kennengelernt hat. Selbstbewusst baut er, der sich als optimistisch, begeisterungsfähig und mitreißend einschätzt, auf Berechenbarkeit, Vertrauen und Kontinuität. Douglas soll weiter gesund wachsen, 2001 um die zehn Prozent.

"Ich hatte ja genug Zeit, das Rollenspiel zu üben", meint er gut gelaunt, "immerhin bin ich bereits seit einigen Jahren im Unternehmen." Und wenn alle Stricke reißen, kann er auch in Zukunft mit der Unterstützung seines Vaters rechnen. Der 61-Jährige, der für viele überraschend den Platz frühzeitig freigemacht hat, "weil ein modernes Unternehmen auch junge Leute an der Konzernspitze braucht", ist stolz darauf, dass "mein Sohn mein Lebenswerk übernimmt".

Und das bedeutet für den korrekt gekleideten Henning Kreke - grauer Anzug mit Weste, hellblaues Hemd, meerblaue Krawatte - nun in erster Linie: Lifestyle, Luxus, teure Cremes und edle Parfüms verkaufen. Seine blau-grauen Augen strahlen, wenn er von den 1 700 Geschäften spricht. Und es sollen noch mehr werden, 1 200 Quadratmeter große Marmortempel wie demnächst in Hamburg und kleinere vor allem im Ausland, in Osteuropa. In Ungarn und Polen sei die Zeit reif für Hochwertiges findet der frischgebackene Chef und ist natürlich bei den Eröffnungen in Warschau und Budapest mit von der Partie.

Der Chef ist immer auf der Suche nach neuen Ideen

Überhaupt reist er zurzeit viel durch die Lande, stellt sich seinen Mitarbeitern vor, ist auf der Suche nach möglichen Standorten nicht nur für die Parfümerien, mit denen die Holding mehr als die Hälfte des Umsatzes macht. In London, Paris, Mailand und besonders in New York, seiner Lieblingsstadt, hält er Ausschau nach neuen Ideen. Denn Lifestyle bedeutet für ihn Zeitgeist und "unser Geschäft ist schnelllebig. Aus den Parfümerien von heute werden Häuser zum Wohlfühlen, in denen man nicht nur Shampoo und Lippenstift kaufen, sondern sich wie in den amerikanischen Day Spas verwöhnen lassen kann."

Als Mann, der zwar gern neue Duftwässerchen ausprobiert, aber seit Jahren stets die selbe Creme an seine Haut lässt, baut der 36-Jährige darauf, dass in den kommenden Jahren die männliche Lust auf Kosmetik deutlich wächst. Krekes Ziel ist es, Nummer eins in Europa zu werden, aus einem europäischen ein globales Lifestyle-Unternehmen zu machen.

Kreke junior ist kein Partylöwe

Bei so viel Ehrgeiz, wo bleibt da die Familie? Aufgewachsen in Hagen, ist er mit seiner Frau vor acht Jahren wieder dorthin zurückgekehrt. Von New York in die Kleinstadt - nicht ganz einfach. "Doch inzwischen haben wir uns zusammen mit unseren drei Kindern - Catharina (7), Caroline (6) und Christopher (4) - eingelebt. Hagen hat durchaus Vorteile, ich bin schnell in Düsseldorf am Flughafen und", schmunzelt Kreke, "dort kann ich mit dem Mountainbike durch die hügelige Stadt fahren." Fit hält er sich übrigens auch gern mit Tennis, Skifahren und Golfspielen.

Wie sein Vater ist auch Henning Kreke kein Partylöwe. Er steht nicht gern im Rampenlicht, sondern sitzt mit seiner Frau lieber im dunklen Kino, sieht sich Hollywood-Filme in Originalfassung an und schwärmt für die blonde Cameron Diaz.

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