Der 37-Jährige investiert nur in Geschäfte, die er auch versteht: Alec Rauschenbusch: Engel mit gutem Riecher

Der 37-Jährige investiert nur in Geschäfte, die er auch versteht
Alec Rauschenbusch: Engel mit gutem Riecher

Ein Stuttgarter Privat-Investor wurde vom "Business Angel Network Deutschland" für sein gutes Gespür mit der "Goldenen Nase" ausgezeichnet.

Alec Rauschenbusch sieht so gar nicht aus, wie man sich einen Business Angel vorstellt: Kein graumelierter, älterer Herr mit jahrelanger Erfahrung im Geschäftsleben.

Der 37-Jährige wirkt eher, als hätte er sich gerade selbstständig gemacht. "Ich habe bisher gar nicht gewusst, dass ich ein Business Angel bin", gesteht der Stuttgarter verlegen. "Ich sehe mich eher als Investor, der an Firmen und ihre Marktchance glaubt." Und das mit gutem Erfolg: Rauschenbusch wurde vom "Business Angels Netzwerk Deutschland" (BAND) zum Business Angel des Jahres gekürt und mit der "Goldenen Nase" ausgezeichnet.

Als Business Angel werden Unternehmer bezeichnet, die sich mit Geld und Erfahrung in neue Unternehmen einbringen. Hierfür erhalten sie meist zwischen 25 und 50 Prozent der Unternehmensanteile. Die Idee stammt ursprünglich aus den USA und hat in den letzten Jahren auch in Deutschland immer weitere Verbreitung gefunden.

Rauschenbusch kam während seines Harvard-Studiums auf den Geschmack, als er das Thema Wagniskapital-Finanzierung kennenlernte. Vorher hatte der 37-Jährige in München Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Nach Stationen als interner Unternehmensberater bei ABB und dem Autozulieferer Behr ist Rauschenbusch seit 1997 Geschäftsführer zweier eigener Vermögensverwaltungsgesellschaften.

Verständnis für das Geschäft ist Voraussetzung für Investments

Die Entscheidung, den sicheren Beraterjob aufzugeben, und sein Familienvermögen in Existenzgründer zu investieren, war für ihn ein großes Abenteuer. "Das ist wie die Erforschung neuer Horizonte", sagt Rauschenbusch und lässt die Faszination des Raumfahrttechnikers durchklingen. Dennoch: Als Spielernatur versteht er sich nicht: "Ich beteilige mich nur bei Unternehmen, die ich auch verstehe."

Derzeit hält Rauschenbusch Beteiligungen an rund einem halben Dutzend Unternehmen, zumeist aus der Technikbranche. Dazu zählen nicht nur Neugründungen, sondern auch etabliertere Unternehmen. "Ich will das Risiko durch Streuung klein halten und - toitoitoi - bisher musste ich noch keine Investition abschreiben."

Wie wählt Rauschenbusch einen Existenzgründer aus? Grundlage sei natürlich der Businessplan, "aber ich bin sehr pragmatisch und verlasse mich auf mein Gefühl". Ganz wichtig sei die menschliche Atmosphäre, denn jedes Engagement soll Rauschenbusch auch Spaß machen. In das operative Geschäft mischt er sich nicht ein. Seine Rolle sieht er eher darin, "dem Unternehmen mit schützender Hand Ruhe und Stabilität zu bringen".

Grundvoraussetzung sei eine ausreichende Finanzierung. Dann setzt sich Rauschenbusch dafür ein, im Gesellschafterkreis stabilisierend mitzuwirken. Dazu zählt auch, dass er nicht auf einen schnellen Weiterverkauf oder Börsengang drängt: "Ich muss bei einer Beteiligung das Gefühl haben, dass ich sie ewig lange halten kann."

"Goldene Nase" will sich eine solche auch verdienen

Doch so ist es natürlich nicht. "Goldene Nasen" wollen sich auch eine ebensolche verdienen. Rauschenbusch: "Ich bin natürlich kein Samariter, sondern will eine gute Rendite erwirtschaften." Darauf achten auch Ute Günther und Roland Kirchhoff vom Business Angels Netzwerk Deutschland: Natürlich werde unter anderem das richtige Gespür für ein lukratives Unternehmen ausgezeichnet. Aber genauso wichtig sei es, dass bei den beteiligten Partnern die Chemie stimme.

Rauschenbusch erhielt die "Goldene Nase" für sein Engagement am Ulmer Telematik-Hersteller "Advanced Infodata Systems" (AIS). AIS begann 1997 als klassisches "Garagenunternehmen". Das Startkapital reichte gerade mal für die GmbH-Einlage, gearbeitet hat Firmengründer Alexander Wiecherts von zu Hause. Seine Geschäftsidee: Für den Güterverkehr zu Land und in der Luft Navigations- und Leitsysteme entwickeln.

Den ersten Prototypen für seine LKW-Telematik präsentierte der Ulmer 1999 auf einer Fachmesse. Wiechert erinnert sich: "Wir hatten eine tolle Resonanz, aber ab da wusste ich auch, dass man ein Geschäft nicht mit selbstgelöteten Modellen betreiben kann." Rund 1 Million Mark musste AIS auftreiben, um eine Serienproduktion zu starten. Das Fraunhofer-Institut stellte den Kontakt zu Business Angels her. Darunter auch Rauschenbusch, der schließlich im Mai 2000 bei AIS mit einstieg. Seitdem entwickelt sich das Unternehmen rasant: Heute zählt AIS fünfzehn Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von etwa zwei Millionen Euro.

Was zeichnete den Business Angel Rauschenbusch in den Gesprächen aus? Wiechert: "Gleich nach dem ersten Hallo-Sagen herrschte eine freundschaftliche Atmosphäre." Dass Gründer wie Business Angel beide das gleiche Fach studiert hatten, war dabei vielleicht entscheidend: "Ich musste nicht Tage damit verbringen, Rauschenbusch die Technik zu erklären." Dennoch: Der Stuttgarter Business Angel sei ein gewiefter Geschäftsmann. Wiechert: "Rauschenbusch hat uns schon richtig gründlich durchleuchtet, aber auf eine sympathische Art."

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