Der 37-Jährige ist Chef der Werbeagentur Scholz & Friends
Thomas Heilmann: Der begnadete Verkäufer

Am Monatg geht Deutschlands siebtgrößte Werbeagentur an die Börse. Heilmann braucht dringend Geld, um die Internationalisierung voranzutreiben.

Thomas Heilmann wirkt erschöpft. Sein Sohn Jacob, im April geboren, bringt den Mann mit der hohen Stirn und dem kurzgeschnittenen Haar um den Schlaf. Nachts muss der 37-Jährige mehrmals aus dem Bett, um das Baby zu wickeln.

Auch tagsüber hat Heilmann derzeit alle Hände voll zu tun. Denn der Vorstandschef und Großaktionär von Scholz & Friends (S&F) geht mit seinem Unternehmen am Montag an die Börse.

Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig gewählt. Sicher, S&F, Deutschland siebtgrößte Werbeagentur, wagt als erste ihre Zunft den Gang aufs Parkett. Aber werden die Anleger diesen Mut auch honorieren? Schließlich ist die Stimmung an der Börse nervös und das Werbeklima wegen der allgemeinen Wirtschaftsflaute frostig.

Doch Heilmann hat keine andere Wahl: Er muss schon bald das Kapital erhöhen, um nicht den Anschluss zu verpassen. Viele Konkurrenten haben sich bereits in weltweite Agentur-Netzwerke eingekauft, um ihren international agierenden Kunden zu folgen.

Von Rückschlägen lässt sich Heilmann nicht beirren

In Deutschland wird es S&F zu eng. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass jede Agentur gleichzeitig nur einen Kunden in einer Branche betreuen darf, um mögliche Interessenkonflikte zu vermeiden. Die Sanktionen des Konkurrenzausschlusses bekam der ehemalige freie Journalist der "FAZ" und der "Tagesthemen" bereits am eigenen Leib zu spüren. Als Heilmann dieses Jahr für den Aufsichtsrat des Axel Springer Verlags ("Die Welt") vorgeschlagen wurde, reagierte einer seiner größten Kunden sauer: Die Geschäftsführung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verlängerte die Verträge mit S&F nicht. Pech für Heilmann: Springer-Aufsichtsrat wurde er trotzdem nicht.

Von solchen Rückschlägen lässt sich das Multitalent aber nicht beirren. Durch die Fusion mit der bereits am Neuen Markt notierten United Visions, die etwa TV-Live-Shows produziert, flossen S&F vor dem Börsengang 30 Millionen Mark zu.

Ein Händchen für erfolgreiche Investments

Unternehmerisches Gespür hat der Jurist und Ex-Berater von McKinsey schon 1990 bewiesen. Damals gründete Heilmann mit zwei Freunden die Delta Design GmbH in Dresden. Das Unternehmen entwickelt sich rasch zu einer der führenden Werbeschmieden in Sachsen. 1991 übernimmt Scholz & Friends 51 Prozent der Anteile. Die Delta-Gründer machen dabei einen guten Schnitt.

Auch andere Investments, die Heilmann einfädelt, entwickeln sich erfolgreich. Als Gründungsgesellschafter des Firmeninkubators Econa AG profitiert er auf dem Scheitel der New Economy-Welle davon, dass Econa die Web-Plattformen "myToys" an den Otto-Versand sowie "versteigern.de" und "yousmile" an Bertelsmann verkauft.

Keine Frage, Heilmann ist der strategische Kopf von S&F. Sein Kompagnon Sebastian Turner kümmert sich als gleichberechtigter Vorstandschef ausschließlich ums Kreative. Auf der Suche nach geeigneten Partnern wird Heilmann künftig oft im Ausland unterwegs sein. Ob er dann durchschlafen kann?

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