Der 38-Jährige wird zum Jahresbeginn Chef der Axel Springer Verlag AG
Mathias Döpfner: Der mutige Baustellenleiter

Kein leichter Job für Mathias Döpfner. Der neue Chef muss Springer aus den roten Zahlen führen. Europas größtes Zeitungshaus steht vor einem radikalen Umbau.

Wenn Mathias Döpfner von seinem Arbeitszimmer im Springer-Hochhaus aus dem Fenster sieht, blickt er direkt auf eine große Baustelle. Wo in den sechziger Jahren Berliner Studenten gegen das Zeitungshaus rebellierten, entsteht heute ein weitläufiger Glaspalast als neue Verlagszentrale.

Doch das ist längst nicht Döpfners einzige Großbaustelle. Europas größter Zeitungskonzern ("Bild", "Welt", "Hörzu") befindet sich komplett im Umbau. Seit der 38-Jährige im vergangenen Jahr bei Springer die Macht als Zeitungs- und Medienvorstand übernommen hat, bleibt kein Stein mehr auf dem anderen.

Döpfner, der am 1. Januar den eher farblosen August Fischer an der Spitze des Axel-Springer-Verlages ablöst, steht mächtig unter Druck. Die Krise des Anzeigenmarktes hat Springer wie die gesamte Zeitungsbranche kalt erwischt. Die hohen Papierpreise und die Kosten für die Sanierung verschärfen die schwierige Situation. Zum ersten Mal in der Geschichte des Verlagsriesen drohen auch noch rote Zahlen: Keine bequeme Ausgangssituation für den neuen Springer-Chef.

Spitzname: Teflon-Döpfner

Doch der promovierte Musikwissenschaftler und frühere Brüsseler Korrespondent der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hat gelernt, mit Widerständen und Niederlagen umzugehen. Als Chefredakteur erlebte er die Einstellung der ostdeutschen "Wochenpost". Ihm gelang an der Spitze des Springer-Flaggschiffes zwar die journalistische Renaissance der "Welt". Aber er schaffte es nicht, das Blatt in die Gewinnzone zu bringen.

Trotzdem blieb am elegant gekleideten Zwei-Meter-Mann nichts hängen. Seine Gegner nennen ihn deshalb "Teflon-Döpfner" - nach der bekannten Antihaft-Beschichtung.

Der designierte Springer-Chef ist der einzige Journalist, dem der Aufstieg an die Spitze eines so großen Medienunternehmens gelungen ist. Dazu hat nicht zuletzt sein Vertrauensverhältnis zur Mehrheitsgesellschafterin Friede Springer beigetragen. Döpfner, der mit seiner Familie in Potsdam wohnt, gilt als charmanter, belesener Gesprächspartner.

Sein jahrelanges Engagement bei der Nachwuchsorganisation Internationale Journalisten-Programme (IJP) nutzte er, um Kontakte zu knüpfen. Auf sein weit gespanntes Netz von Beziehungen greift er zurück, wenn er geeignete Kandidaten für Chefredakteurs- und Vorstandsposten sucht.

Döpfner ist auch zu unpopulären Maßnahmen bereit

Jetzt müssen Döpfner und sein neues, junges Führungsteam - wie viele andere Zeitungsverlage - vor allem eines: sparen, sparen, sparen. Internetprojekte werden eingestellt, Redaktionen zusammengelegt und manche Projekte erst einmal zurückgestellt. Viele Mitarbeiter sind verunsichert. Bis zum Jahr 2003 will Döpfner 1 400 Stellen einsparen. Außerdem fallen weitere Arbeitsplätze durch die in der vergangenen Woche angekündigte Fusion der Redaktionen von "Welt" und "Berliner Morgenpost" weg.

Döpfner hat erklärt, dass er "auch zu unpopulären Maßnahmen bereit" sei. Die bekommt auch das mittlere und obere Management des Medienkonzerns zu spüren. Zum ersten Mal seit langem werden in diesem Jahr die Sonderzahlungen für Führungskräfte gekürzt.

Ein Mann verfolgt Döpfners Schritte ganz genau: Großaktionär Leo Kirch. Dem Münchener Filmhändler ist sehr daran gelegen, dass der neue Verlagschef die werthaltigste Beteiligung im finanziell angeschlagenen Kirch-Konzern nicht durch übereilte Entscheidungen gefährdet.

Erstmals in der Firmengeschichte des Springer-Verlags nahm sich Leo Kirch deshalb Zeit, um die Antrittsrede eines Vorstandschefs mitzuerleben. Mitte vergangener Woche sprach Döpfner in Berlin vor 500 Führungskräften des Zeitungshauses. Kirch hörte aufmerksam zu. Am Ende soll der Filmhändler aber nicht applaudiert haben.

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VITA

Mathias Döpfner, 38, in Bonn geboren, studierte in Frankfurt und Boston Musik- und Theaterwissenschaft sowie Germanistik. Erst schrieb er für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". 1993 wechselte er zu Gruner+Jahr. Nach Stationen bei "Wochenpost" und "Hamburger Morgenpost" ging er 1998 zu Springer. Er wurde Chefredakteur der "Welt". Seit vergangenem Jahr kümmert er sich im Springer-Vorstand um Zeitungen und Multimedia.

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