Der 39-Jährige ist Deutschlandchef der Universal Studios
Wolfram Winter: Der Unerschütterliche

Fast hätte ihn die Kirch-Pleite mit in die Tiefe gerissen. Doch Winter ist ein beinharter Kämpfer. Er hat die Tochter der TV-Firma Universal Studios wieder auf Kurs gebracht.

MÜNCHEN. Das Paar Ski steht schon seit einem Jahr in der Ecke, neben den aufeinander gestapelten Fernsehgeräten. Von seiner Schwabinger Bürovilla liegen die Alpen zwar nur eine knappe Stunde entfernt. Doch Wolfram Winter, deutscher Statthalter des Hollywood-Studios Universal, hatte keine Zeit für sportliche Übungen an oberbayerischen Berghängen.

Der 39-jährige Fernsehmanager musste hart kämpfen. Das Unternehmen, ein Ableger des französisch-amerikanischen Medienkonzerns Vivendi - Universal, drohte unter der Lawine der Kirch-Pleite begraben zu werden. Ganze 18 Monate sah Winter keinen müden Euro vom langjährigen Geschäftspartner Kirch Media. Zudem musste der Geschäftsführer Universal Studios Networks Deutschland GmbH - so sein offizieller Titel - um seine TV-Kanäle "13th Street" und "Studio Universal" bangen, die zum Programm des Abo-Senders Premiere gehören.

Doch Winter hat seine früher so eng mit Leo Kirch verbundene Firma ins Trockene gebracht. Die neuen Verträge für die Lieferung von Blockbustern wie "Gladiator" und "Erin Brokovich" mit Premiere sind unterschrieben. Heute stellt er zufrieden fest: "Der Krieg mit Premiere ist gottlob beendet."

Im deutschen TV-Geschäft ist Winter so etwas wie "Mr. Universal Studios". Wenn er in Cannes über die Croisette zu einem Meeting mit den Universal-Bossen im Belle-Epoque-Hotel "Carlton" spaziert, sieht er so aus, wie man sich einen Hollywood-Filmmanager klischeehaft vorstellt: brauner Teint, selbstbewusstes Lächeln, eleganter dunkler Anzug - ein Mann auf der Straße des Erfolgs unter Palmen.

Wolfram Winter ist hart im Nehmen. "Ich habe noch keinen besonderen Misserfolg erlebt", behauptet der gebürtige Franke allen Ernstes, trotz seiner schwierigen Zeiten beim früheren Bezahlfernsehen DF1 (Digitales Fernsehen). Aber rote Zahlen, Schieflagen und Konflikte können den gelernten Politikwissenschaftler und Ex-Journalisten, der mal in Namibia vom Guerillakrieg berichtete, anscheinend nicht aus der Bahn werfen.

Vielleicht liegt es am harten Training im früheren Kirch-Medienreich. Vor zehn Jahren fing Winter, der in der Nähe von Kirchs Geburtsort Volkach aufwuchs, beim Werbezeitenvermarkter MGM (Media Gruppe München) als Pressesprecher an. Später geht er zum neu gegründeten Deutschen Sportfernsehen (DSF). Der damalige Chef heißt Dieter Hahn.

Während Hahn zur rechten Hand von Leo Kirch aufsteigt, wird Winter Programmchef bei DF1. Das Pay-TV-Abenteuer endet schließlich in einem Fiasko. "Das war die schwierigste Phase meines Berufslebens", räumt Winter heute ein. Dennoch spricht er von den harten Lehrjahren bei Kirch noch voller Bewunderung.

Das hielt ihn aber nicht davon ab, im August 1998 an die Spitze von Universal Studios Networks zu wechseln. Und aus einem kleinen Büro mit vier Beschäftigten machte er eine renditestarke Deutschlandtochter, deren Umsatz heute im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen dürfte - Tendenz steigend. "Unsere Werbeerlöse werden wir 2002 verdoppeln", kündigt Winter an und fügt lächelnd hinzu "und nicht nur von einem auf zwei Euro". Inzwischen darf sich der Deutschland-Chef zusätzlich um den österreichischen und den Schweizer Markt kümmern.

Bei Universal profitiert er von seinen guten Kontakten aus der Kirch-Zeit. Mit dem Premiere-Chef Georg Kofler duzt sich Winter, der gerne mal den Tennisschläger schwingt. Und Filmdealer Wolfgang Hahn, Bruder des einst mächtigen Kirch-Managers Dieter Hahn, war Trauzeuge von Winters Hochzeit mit der TV-Moderatorin Sabrina Staubitz.

Die Probleme mit dem Partner Kirch hat Winter zwar inzwischen gelöst. Geblieben ist aber das Problem mit dem Mutterkonzern Vivendi Universal. In der Zerreißprobe des deutsch-amerikanischen Medienhauses stand Winter bisher stets auf Seiten des Hollywood-Studios. Seit er ein Schuljahr in Dallas verbracht hat, ist ein großer Bewunderer der amerikanischen Kultur. Mit 18 wollte der Ingenieurssohn sogar in die USA auswandern.

Was ist aber, wenn der Mutterkonzern Vivendi Universal in einen französischen und einen amerikanischen Teil auseinander brechen sollte? Das kann ihn nicht erschüttern. "Ich habe weder eine ruhige Zeit bei Kirch noch bei Universal erlebt", merkt Winter lediglich an. Ruhe wird es auch sonst nicht geben. Die Rezession im Werbemarkt macht allen TV-Produktionsfirmen das Leben schwer - auch Universal.

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VITA

Schon während seines Studiums der Politologie, Psychologie sowie Sozial- und Wirtschaftsgeschichte in München arbeitet Wolfram Winter als Korrespondent im damaligen Südwestafrika (Namibia) für deutsche und afrikanische Zeitungen. Nach dem Magisterabschluss 1990 geht Winter, der am 4. November 1963 in Werneck (Mainfranken) geboren wurde, zunächst als Journalist zum Münchener Lokalsender TV Weiß-blau. Dann wechselt er zum Radiosender Antenne Bayern und zum MDR in Dresden. 1992 kommt er zur Kirch-Gruppe. Er wird Pressechef des Werbezeitenvermarkters MGM und später des Deutschen Sportfernsehens. 1996 steigt er zum Programmchef des Abo-Fernsehens DF1 auf, einem erfolglosen Vorläufer von Premiere. Im Sommer 1998 wird er Chef von Universal Studios Networks in Deutschland.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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