Der 39-Jährige ist neuer Mobilfunk-Vorstand der Deutschen Telekom
Rickes smarter Bulldozer

Er gehört zu den Pionieren der Telekombranche. Schnell hat René Obermann sich nach oben gearbeitet. Jetzt ist er im Telekom-Vorstand angelangt. Er hat das Zeug für mehr, sagen Kollegen.

Wenn der Mann in dem Tempo weitermacht, dann ist er in ein paar Jahren schon Chef der Deutschen Telekom. Erst vor vier Jahren ist René Obermann beim Bonner Konzern gestartet und hat - im Schlepptau von Kai-Uwe Ricke - eine Blitzkarriere hingelegt. Erst löste Obermann den neuen Konzernlenker als Chef der deutschen Mobilfunktochter ab. Jetzt wird er Rickes Nachfolger an der Spitze der gesamten Mobilfunksparte T International-Mobile - und übernimmt noch dessen Sessel im Vorstand der Telekom.

So wäre es wohl nur folgerichtig, wenn er Ricke irgendwann auch als Konzernchef beerben würde. "Das Zeug dazu hat er, keine Frage", sagen Kollegen heute schon, "der Obermann ist durch und durch Unternehmer, nur eines fehlt ihm: die Geduld und Diplomatie, die man als Chef einer ehemaligen Behörde mit dem Bund im Rücken braucht".

Nicht umsonst nennen ihn Mitarbeiter "den Bulldozer" oder auch "Rickes Panzer". Übersetzt heißt das: Er kennt kein Pardon, wenn er eine Sache für richtig hält und sie durchsetzen will. Und er ist der Mann für die eher unpopulären Entscheidungen und die Aufräumarbeiten aller Art, bei denen sich Leute wie der auf Harmonie bedachte Ricke lieber nicht die Hände schmutzig machen.

Aber auf den ersten Blick ist auch Obermann eher ein Typ, wie ihn sich Mütter zum Schwiegersohn wünschen: Er sieht jünger aus, als es seine 39 Jahre vermuten lassen. Er ist groß gewachsen, schlank und wirkt freundlich und offen.

Doch das ist nur die eine Seite. Er könne ein echter Wadenbeißer sein, sagt jemand, der ihn lange kennt. Einer, der es gewagt habe, in Führungskräftemeetings auch dem früheren Telekom-Chef Ron Sommer zu widersprechen, selbst wenn der Rest geschwiegen habe. Aber er kämpfe immer mit offenem Visier, erzählen Leute, die mit ihm zusammengearbeitet haben.

Diese Eigenschaften haben ihn, der als "sehr ehrgeizig" beschrieben wird, weit gebracht: vom Gründer einer kleinen Telekomfirma in Münster in das oberste Führungsgremium von Europas größtem Telekomkonzern. Das habe sich einfach so ergeben, merkt er selbst trocken an.

1986, in der Aufbruchstimmung der Telekombranche, gründet er die Firma ABC Telekom. Um sein Studium zu finanzieren, handelt er nebenbei mit Telefonen, Anrufbeantwortern und Kopierern. Schnell aber wird das Volkswirtschafts-Studium zur Nebensache, denn sein Unternehmen wächst in Millionenschritten. 1991 gelingt ihm der große Coup: Just als der Markt enger wird und der Frühstarter-Profit abgeschöpft ist, verkauft er die Firma an den Hongkonger Konzern Hutchison Whampoa. Seither hat er, verheiratet und Vater von zwei Kindern, finanziell eigentlich ausgesorgt.

Doch das reicht ihm nicht. "Er könnte noch so viel Geld haben, er würde sich nicht zur Ruhe setzen. Er braucht den Kick", sagt eine ehemalige Kollegin aus Hutchison-Zeiten. Der Mann mit der Vorliebe für Nobeluhren von Lange & Söhne und für Spritztouren mit dem Porsche hält es daher nur wenige Jahre als angestellter Geschäftsführer bei seiner alten Firma aus, dann folgt er dem Ruf Sommers nach Bonn.

Sein Erfolg bei der Telekom lässt sich nicht nur an der Zahl der verschiedenen Posten ablesen, die er schon innehatte. Auch die Geschäftszahlen sprechen ihre eigene Sprache: Unter Obermann ist aus T-Mobile, dem ewig Zweiten auf dem deutschen Mobilfunkmarkt, die Nummer eins geworden - mit inzwischen deutlich mehr als 23 Millionen Kunden. An die Marge des härtesten Konkurrenten, Vodafone D2, im operativen Geschäft kommt T-Mobile noch nicht heran, aber die Telekom-Tochter holt auf.

Bei Netzqualität, Service und Vertrieb bekommt T-Mobile gute Noten. Kein Wunder, denn Obermann ist mit Haut und Haaren Perfektionist - einer, der sich genauestens vorbereitet auf wichtige Gespräche; einer, der alle Eventualitäten durchdekliniert, bevor er mit einem neuen Produkt auf den Markt kommt; und einer, der regelmäßig inkognito bei der Kundenhotline anruft, um die Wartezeiten und den Service zu testen.

So einer ist nie richtig zufrieden - und das sieht man ihm an. Wenn er mal wieder Klagen über Warteschlangen bei der Hotline hört, über inkompetente Beratung und schlechten Service, dann wird er rot, holt tief Luft und ringt mühsam nach Worten. "Am liebsten würde er sich in solchen Momenten den Schuldigen auf der Stelle vorknöpfen, ihm klar machen, warum das nie wieder passieren darf, und dann das Problem irgendwie und schleunigst ein für allemal aus der Welt schaffen", erzählt ein Ex-Freund. Aber das gehe nun mal nicht so einfach bei der Telekom. Und das bringe Obermann zur Weißglut.

Er selbst kennt seine Schwäche. "Ich bin nicht immer 100-prozentig ausbalanciert." Daran müsse er noch arbeiten. Dann steigen seine Chancen, einmal Telekom-Chef zu werden.

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VITA

René Obermann wird 1963 in Düsseldorf geboren und absolviert von 1984 bis 1986 eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei BMW in München. Dann beginnt er, in Münster Volkswirtschaftslehre zu studieren, und gründet das Handelsunternehmen ABC Telekom in Münster. Er bricht sein Studium ab. 1991 wird er geschäftsführender Gesellschafter der aus ABC Telekom entstandenen Hutchison Mobilfunk GmbH und leitet das Unternehmen von 1994 an. Im April 1998 holt ihn Ron Sommer zur Deutschen Telekom. Obermann wird zunächst Geschäftsführer Vertrieb von T Deutschland, -Mobile von April 2000 bis März 2002 ist er Vorsitzender der Geschäftsführung von T Deutschland. -Mobile Seit Juni 2001 ist er bei der Telekom-Mobilfunkholding T International-Mobile AG für das Europageschäft zuständig. Jetzt ist Obermann in den Vorstand der Deutschen Telekom aufgestiegen, zuständig für T-Mobile.

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