Der 3D-Standard kommt
Firmenkonferenzen mit 3D-Avataren im Internet

Das hinduistische Wort Avatar beschreibt die "irdische Verkörperung eines Gottes". Im profanen Internet handelt es sich bei einem Avatar um eine grafische Repräsentation einer Person, die zuvor nach eigenen Vorstellungen zusammengesetzt wurde. Bisher wurden die Avatare hauptsächlich in Chatrooms oder in virtuellen Städten und Communities als Platzhalter für eine reelle Persönlichkeit eingesetzt. Aber diese virtuellen Persönlichkeiten sind längst in kommerzielle Bereiche vorgedrungen.

HB DÜSSELDORF.
Avatare für kommerzielle Zwecke

Einer der bekanntesten Avatare ist sicherlich Robert T-Online , der smarte Repräsentant, der für das Unternehmen vor seinem Börsengang geworben hatte. Aber auch E-Cyas ist kein Unbekannter. Der Cyber-Beau, der aus den Eingaben von über 20 Personen zusammengesetzt wurde, hat als Electronic Cybernetic Artificial Superstar Einiges aus sich gemacht: Er spricht nicht nur fließend deutsch, englisch und französisch, sondern versucht sich auch als Popstar und verdient damit gut. Sein Hit "are you real" war in den Charts und lief als Musikvideo auf Viva.

Auch der Karriere soll der virtuelle Stellvertreter demnächst dienlich sein: Hat ein Bewerber keine Zeit, sich persönlich um einen Job zu bewerben, schickt er einfach seinen Avatar zum virtuellen Vorstellungsgespräch vorbei. Bei jobfair24.de soll sich der Interessent als Avatar frei auf einer virtuellen 3D-Messe im Internet bewegen können.

Avatare repräsentieren auf Konferenzen

Geschäftsmeetings und Konferenzen im Cyberspace abzuhalten, ist die nächste Stufe, die die Avatare erklimmen sollen: Am 1. Januar 2001 startete das EU-Forschungsprojekt "AvatarConference" unter Federführung des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO mit einer Laufzeit von 24 Monaten: Ziel des Projekts ist die Schaffung einer virtuellen Konferenzumgebung, in der die Teilnehmer durch Avatare repräsentiert werden. Aber wie funktioniert das?

Das Alter Ego wird zusammengestellt

"Die Konferenzteilnehmer werden vorab mit einer Digitalkamera fotografiert und die Fotos in ein 3D-Programm importiert. Der Nutzer stellt sich mit einem entsprechenden 3D-Programm - einem Baukastenprinzip nicht unähnlich - seinen Avatar zusammen. Später werden die Personen in die virtuelle Konferenzwelt exportiert", erläutert Andrea Müller vom Fraunhofer IAO das Prinzip gegenüber Handelsblatt.com. Laut Fraunhofer existiert gerade bei Konferenzen ein großes Potenzial zur Erhöhung der Effizienz und Effektivität der Kommunikation und damit gleichzeitig auch zur Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Projektpartnern. Sicherlich gebe es die Möglichkeit, dass die Unternehmen per Web-Cam oder Videokonferenz miteinander kommunizieren. "Auf der anderen Seite sind manche Entscheider durchaus kamerascheu. Außerdem können bei virtuellen Firmenkonferenzen gleichzeitig in Echtzeit zehn Personen - repräsentiert durch ihre Avatare - in der Multi-user-Welt agieren", begeistert sich Müller.

Eine Nachfrage besteht

Ist die Konferenzumgebung erst einmal geschaffen - einige Vorbereitungen wie das Erstellen der Avatare oder die Verteilung von "Kommunikationsrechten" für die Teilnehmer sind schon zu treffen -, wird per Chat oder Mikrofon in Interaktion getreten. Als weitere unterstützende Funktionen sollen unter anderem Sprach- und Stimmerkennung oder Online-Übersetzung möglich sein. Auf die Frage, ob denn überhaupt eine Nachfrage bestehe, Konferenzen in diesem Stil durchzuführen - schließlich ist das Konzept recht ungewöhnlich -, entgegnet Andrea Müller: "Wir schätzen das Marktpotenzial als sehr groß ein, was auch die zweijährige Laufzeit des Projekts belegt. Daimer-Chrysler und Siemens haben sich schon interessiert gezeigt." Neben der Kommunikation zwischen externen Partnern soll es auch möglich sein, "firmeninterne Kommunikation in virtuellen Bürowelten zu vollziehen", also im Intranet beispielsweise.

Kooperationspartner vom Fraunhofer IAO sind die Unternehmen E-pro Solutions GmbH , Festtool, AvatarMe, Exodus, Linguatec und blaxxun interactive. Eine erste Präsentation von "AvatarConference" wurde am 28. Februar 2001 während eines Cluster Meetings in Brüssel zum Thema "Intelligent an Sustainable Workplaces" gezeigt. Dieses Cluster Meeting wird von der EU gefördert und hat zum Ziel, weitere Unternehmen zu einer Kooperation zu bewegen und die Projektergebnisse darzustellen.

3D-Standard kommt nach Deutschland

Dass die Darstellung dreidimensionaler Bilder im Internet ein Wachstumsmarkt ist und eine Schlüsselrolle für den weiteren Erfolg des World Wide Webs spielt, belegt auch die zum sechsten Mal abgehaltene ACM Web3D-Konferenz in Paderborn. Vom 19. Bis 21. Februar tauschten sich dort Entscheidungsträger, Entwickler und Designer von Webseiten und virtuellen Welten aus. Die Konferenz stand unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten von NRW, Wolfgang Clement. Das Konsortium von Web3D will die Schaffung eines offenen Standards für 3D-Anwendungen fördern, um die weltweite Verbreitung auf der 3D-Technik basierender Produkte zu voranzutreiben.

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