Der 40-Jährige fühlt sich wohl in seiner neuen Rolle bei der Kirch-Gruppe
Fred Kogel: Der geläuterte Beau der Medienszene

Als Chef des Privatsenders Sat 1 war Fred Kogel immer für eine Schlagzeile gut. Doch seit er in der Chefetage der Kirch-Gruppe arbeitet, ist es ruhig um ihn geworden. Denn Medienmogul Leo Kirch legt Wert auf Seriosität. Morgen hat der neue Kogel seinen erst öffentlichen Auftritt.

Der alte Fred Kogel liebte das Rampenlicht. Als Chef des Privatsenders Sat 1 stand der gut aussehende TV-Manager häufig im Mittelpunkt. Er war eine der schillerndsten Figuren in der bunten Medienwelt, ließ kaum eine Party aus und lieferte mit seinem ausschweifenden Privatleben den Boulevard-Zeitungen reichlich Stoff.

Der neue Fred Kogel ist kaum noch wiederzuerkennen. Seit Jahresanfang arbeitet der 40-Jährige für Leo Kirch. Und der mächtige - und obendrein äußerst verschwiegene - Münchener Medienmogul erwartet auch von seinen leitenden Mitarbeitern, dass sie sich zurückhalten. Die neue Aufgabe im Management der Kirch-Gruppe habe eine "disziplinierende Wirkung" auf Kogel, heißt es im Konzern.

Acht Monate hat Fred Kogel, der bisher in Berlin lebte, gesucht, bis er eine Bleibe in München fand. Er hat sich schließlich für eine Wohnung am Viktualienmarkt entschieden - mitten im Zentrum Münchens, weitab der Schwabinger Schickeria. Sein Büro befindet sich im tristen Münchener Vorort Ismaning, wo die Kirch-Gruppe in einem schlichten Funktionsbau residiert.

Kogel sitzt an den Schalthebeln der Macht

Kogels offizieller Titel ist stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Kirch-Media. In dieser Firma hat Leo Kirch das Kerngeschäft des Konzerns - TV-Sender, Fernsehproduktionen und Lizenzhandel - gebündelt. Kogel muss sich zwar den Job mit dem langjährigen Kirch-Weggefährten Jan Mojto, 53, teilen. Gleichwohl sitzt er an den Schalthebeln der Macht.

Schon früh zog es Kogel ins Mediengeschäft. Nachdem er an der Uni München Politologie und Jura studiert hatte, jobbte er als Discjockey beim Bayerischen Rundfunk. Schon damals liebte Kogel das Extravagante und fuhr einen goldenen VW-Scirocco. Später heuerte er als Assistent von Filmproduzent Bernd Eichinger an. Damals hätte er es sich wohl nicht träumen lassen, dass er einmal Aufsichtsratschef der Eichinger-Firma Constantin Film werden würde. 1993, gerade mal 32, stieg Kogel zum Unterhaltungschef des ZDF auf und produzierte Erfolgssendungen wie "Wetten, dass . . .".

Doch schon zwei Jahre später wechselte er als Geschäftsführer zu Sat 1 und nahm Unterhaltungsstars wie Thomas Gottschalk, Fritz Egner und Harald Schmidt gleich mit zur privaten Konkurrenz. Von seinen Fähigkeiten restlos überzeugt, verkündete der kreative TV-Manager damals vollmundig, er werde seinen neuen Arbeitgeber innerhalb von zwei Jahren zum Marktführer in Deutschland machen.

Daraus wurde aber nichts. Bei den Quoten liegt Sat 1 noch heute weit abgeschlagen hinter RTL. Doch immerhin gelang es Kogel, den ältesten deutschen Privatsender zu sanieren und ihm ein modernes Image zu verpassen. Und sehr zur Freude von Leo Kirch brachte Kogel Sat 1 schließlich auch in die schwarzen Zahlen.

Traum vom Chefposten erfüllte sich nicht

Als Kirch dann im vergangenen Jahr Sat 1 mit seiner Pro-Sieben-Gruppe fusionierte, machte Kogel sich große Hoffnungen auf den Chefposten. Aber Konzernchef Kirch entschied sich für den bis dahin in der Branche unbekannten Schweizer Wirtschaftsanwalt Urs Rohner. Frustriert hätte Kogel daraufhin fast ein Angebot von Thomas Haffa angenommen, in den Vorstand der damals noch strahlenden Medienfirma EM.TV zu wechseln. Heute ist Kogel natürlich froh, dass er bei Kirch geblieben ist. Denn am Dienstag hat er seinen ersten öffentlichen Auftritt: Gemeinsam mit Mojto wird Kogel die Bilanz der Kirch Media vorlegen.

Mit dem neuen Job hat der leidenschaftliche Ausdauersportler eine Herkules-Aufgabe übernommen. Kogel soll nicht nur den inländischen Lizenzhandel neu organisieren. Er soll auch die Bildung der Senderfamilie aus Sat 1, Pro 7, Kabel 1 und dem Nachrichtensender N 24 beaufsichtigen. Und dann hat er noch einen Spezialauftrag von Leo Kirch bekommen. Kogel soll für den Konzern das Geschäft mit Fernseh-Shows aufbauen. Bisher laufen kleinere Konkurrenten wie Endemol oder Brainpool mit Produktionen wie "Big Brother" oder "Wer wird Millionär" der Kirch-Gruppe den Rang ab.

Kogel hat sich viel vorgenommen. Schon 2001 soll Kirch Media Entertainment einen Umsatz von 30 bis 40 Millionen Mark machen. Um das zu schaffen, geht er nach der Arbeit jetzt öfters nach Hause als auf eine Party. Und irgendwie scheint ihm seine neue Rolle zu gefallen. Wie sein Ziehvater Leo Kirch fühlt sich Kogel "als Strippenzieher im Hintergrund ganz wohl".

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