Der 40-Jährige ist Chef der Werbeagentur TBWA
Der Frauen-Versteher

Der Niederländer bekennt, in Deutschland über kein Netzwerk zu verfügen. Dennoch schaffte Perry Valkenburg, was vielen seiner Kollegen misslang: Wachstum trotz Branchenkrise.

Auf seinem Nachttisch liegt ein Buch über das, was ihn auch im Berufsalltag beschäftigt: Die deutsch-niederländische Freundschaft.

Perry Valkenburg ist Niederländer und Chef von TBWA - eine der großen Werbeagenturen in Deutschland. Auf langjährig gepflegte Kontakte zu deutschen Wirtschaftsbossen und Politikern kann er sich im Gegensatz zu vielen anderen Werbe-Granden dennoch nicht berufen. "Ich habe kein Netzwerk in Deutschland", gesteht er freimütig.

Das scheint ihm bisher aber nicht geschadet zu haben: Der 40-Jährige, der den Chefsessel bei TBWA seit rund einem Jahr besetzt, kann trotz Branchenkrise zufrieden stellende Ergebnisse vorweisen. Das begründet der schlanke Dunkelhaarige unter anderem auch mit einer Zusatzqualifikation der besonderen Art: "Ich verstehe die Frauen." Das helfe zum Beispiel, Werbekunden wie den Autohersteller Nissan, der speziell Frauen als Kunden anspricht, zu binden. Zudem entwickelt TBWA die Werbekampagnen für die Nivea-Pflegeprodukte.

Sein Einfühlungsvermögen scheint sich auszuzahlen: Die Agentur konnte in diesem Jahr die Honorar-Umsätze um fast ein Fünftel steigern. Genaue Zahlen nennt der Werbeprofi allerdings keine. Das bleibt der börsennotierten Holding Omnicom in New York vorbehalten.

Die Hälfte des Wachstums hat Valkenburg mit Zukäufen und Neugründungen kleinerer Spezial-Agenturen erzielt, der Rest stammt von neu gewonnenen Werbekunden wie Adidas. Gespannt wartet er jetzt auf die neuesten Agentur-Rankings. Im vergangenen Jahr drückte sich TBWA auf Platz 12 der größten deutschen Agenturen. Doch Valkenburg will eine sichere Position unter den Top Ten erzielen und die Agentur außerdem unter den fünf Kreativsten des Landes platzieren.

Auf dem drittgrößten Werbemarkt der Welt - Deutschland - hatte TBWA bislang ein Größen-Problem. "Aber kein internationaler Werbekunde fragt sie danach, wie gut sie beispielsweise in Belgien sind. Alle wollen wissen, welche Position sie in Deutschland einnehmen", weiß Valkenburg. Zudem machte die Agenturmarke zu wenig von sich reden. Zwar zählt der Kosmetikkonzern Beiersdorf schon seit 15 Jahren zu den weltweiten Kunden der Agentur, doch andere Großkunden konnten lange Zeit nicht gewonnen werden. Unter Valkenburg soll sich das nun ändern.

Der neue Chef verfügt über langjährige Erfahrung in der Branche: Bevor der bekennende Arbeitsfanatiker im vergangenen Jahr nach Deutschland kam, führte er in den Niederlanden Campaign - die größte Werbeagentur des Landes. Er hatte sie zur Unternehmensgruppe ausgebaut. Zudem saß er als jüngster Vertreter bereits 1996 im internationalen Board von TBWA.

Trotz seiner Branchenkenntnisse erwies es sich im vergangenen Jahr aber zunächst als "harter Brocken", die deutsche TBWA-Gruppe zu leiten. Der neue Chef arbeitete zahlreiche Nächte durch und entwarf ein Konzept, was die Agentur völlig umkrempelte: Er machte den Standort Frankfurt dicht und entließ dort 30 Mitarbeiter. Statt auf eine Organisation nach Standorten, will Valkenburg künftig auf eine Gruppenstruktur setzen. Darüber hinaus wurden die Geschäftsführer der TBWA-Spezialagenturen zu Teilhabern. "Jetzt sind wir eine eigentümergetriebene Netzwerk-Agentur", erklärt Valkenburg, dem es nicht schwer fällt, an Althergebrachtem zu rütteln. Dafür schätzen ihn auch viele seiner Kollegen. "Auch ist er äußerst gut darin, Menschen nach ihren tatsächlichen Fähigkeiten einzusetzen", urteilt ein Mitarbeiter.

Valkenburg hat die Führung der TBWA-Mannschaft zentralisiert: Damit ist er nun Vorsitzender von zwei Management Boards, die die Geschicke der Agentur lenken sollen. Dennoch gibt der Werbefachmann an, nicht gerne den Chef zu mimen. "Ich bin viel lieber draußen bei unseren Kunden und entwickele Vorschläge."

Um Chefsein und Kundenbetreuung miteinander zu verbinden, schiebt Valkenburg zahlreiche Überstunden. Nur seine Wochenenden sind ihm heilig - die gehören seiner kleinen Tochter. Dann fahren sie gemeinsam Ski in Frankreich oder gehen in Deutschland auf Erkundungstour. Die wenigen freien Stunden, die noch verbleiben, trainiert er in Düsseldorf im Fitness-Studio. Keine Frage: Eine gute Kondition wird Valkenburg in den kommenden Monaten benötigen.

Schon stehen bei TBWA die nächsten Neuerungen auf dem Programm: "Wir führen Kaufverhandlungen mit einer Werbe-Agentur aus dem Pharma-Bereich." Das Thema Gesundheit will er als großes Wachstumsfeld für die Werbebranche ausgemacht haben.

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VITA

Perry Valkenburg wird am 19.12.1962 in Delft geboren.1983 schließt er sein Wirtschaftsstudium in den Niederlanden ab und macht sich als Marketing-Berater selbstständig. Später arbeitet er unter anderem beim Finanzkonzern Citigroup als niederländischer Marketing-Direktor. Agentur-Erfahrung sammelt er ab 1988 bei Ogilvy & Mather. Schon ein Jahr später wechselt er zur Agentur Campaign, wo er die Unternehmensgruppe aufbaut. Als TBWA seine Agentur 1996 übernimmt, wird er Gruppenchef. Im Sommer 2001 geht er als TBWA-Chef nach Deutschland.

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