Der 40-Jährige ist Chef des Bauelementeherstellers Epcos
Rote Zahlen und ein sprachloser Ingenieur

Gerhard Pegam diskutiert am liebsten über Technik. Doch das wird kaum ausreichen, um das Vertrauen der Anleger in die Ex-Siemens-Tochter zurückzugewinnen.

MÜNCHEN. Börse und Anleger waren begeistert, als Gerhard Pegam Anfang Mai in München die Halbjahreszahlen erläuterte. "Die schwierigen Zeiten des letzten Jahres liegen jetzt hinter uns", freute sich der Epcos-Chef. Er ließ es sich nicht nehmen, zu verkünden, dass der Aufschwung in seinem Unternehmen bereits begonnen habe. Der Elektrotechniker versprühte einen in diesen wirtschaftlich flauen Zeiten ungewöhnlichen Optimismus: "Wir spüren in allen Abnehmerbranchen und Regionen eine Belebung."

Wenige Wochen später dürfte es der Österreicher bereits bereut haben, dass er so aus sich heraus ging. Denn jetzt muss er zurück rudern: Der Personalabbau bei dem Hersteller elektronischer Bauelemente geht weiter, der Umsatz fällt wesentlich niedriger aus als erwartet und - besonders bitter - statt eines Gewinns muss der 40-Jährige rote Zahlen ausweisen. Folge: Die Produktion wird noch stärker als bisher nach Asien verlagert.

Die Börse bestrafte den völlig überraschenden Einbruch der früheren Siemens-Tochter mit einem Kurssturz von rund 20 Prozent.

Seit seinem Amtsantritt geht es bergab

Der zurückhaltende, jugendlich wirkende Manager hatte einen denkbar schlechten Start an der Spitze des Technologie-Unternehmens: Seit seinem Amtsantritt im April 2001 ging es mit Epcos - parallel zur gesamten Hightech-Branche - steil bergab. Der Börsenwert rutschte von 6 Milliarden Euro auf magere 1,2 Milliarden Euro. Immer mehr Anleger befürchten deshalb, dass die Tage von Epcos im Börsenindex Dax 30 gezählt sind.

"Ich nehme die Dinge so wie sie kommen", hatte der Motorrad-Fan, der schon einmal die Rallye Paris-Dakar fuhr, beim Stabwechsel betont - und sich seither daran stets gehalten. Das ständige Auf und Ab der Bauelemente-Branche bringt den Mann offenbar nicht aus der Ruhe: Interviews gibt er so gut wie nie. Wohl kaum ein anderer Chef eines Dax-Unternehmens ist weniger präsent als er.

Hinzu kommt: Der Epcos-Chef pflegt den Ruf, den viele Ingenieure hierzulande genießen. Abseits des Scheinwerferlichts diskutiert er lieber über technische Probleme, als Umsatz-Prognosen abzugeben und Wachstumspläne zu erläutern. Der Gegensatz zu einem guten Bekannten aus Siemens-Zeiten, Ulrich Schumacher, könnte daher kaum größer sein: Der Infineon-Chef versteht schließlich es meisterlich, den Chip-Hersteller auch in schlechten Zeiten gut in Szene zu setzen.

Ziegler ließ Pegam lange zappeln

Obwohl es Pegam als Unternehmenslenker zumindest an kommunizierten Zielen fehlt, wußte er im Laufe seiner Karriere sehr genau, wo er hin wollte, um zügig Karriere zu machen. So heuerte er nach seinem Diplom an der Hochschule Klagenfurt 1982 beim niederländischen Elektrokonzern Philips an. Bereits drei Jahre später zog es ihn zum Technologiekonzern Siemens nach München, wo er sich schnell einen Namen als brillanter Techniker machte. 1999 brachte Siemens die Bauelemente-Tochter unter dem Kunstnamen Epcos an die Börse - Pegam wurde Vorstandsmitglied.

Von Anfang an galt er als Kronprinz des langjährigen Unternehmenschefs Klaus Ziegler. Doch der heutige Aufsichtsratsvorsitzende von Epcos zögerte seinen Abgang immer wieder hinaus und ließ Pegam zappeln. Eigentlich sollte der Techniker bereits im Jahr 2000 auf den Chefsessel vorrücken, musste sich dann aber bis Frühjahr 2001 gedulden. Pegam arbeitete erfolgreich im Hintergrund. Die Epcos-Aktie schoss in die Höhe und fand schnell Aufnahme in den Dax.

Kosten senken, Kosten senken, Kosten senken...

Nach den am Mittwoch vorgelegten Quartalszahlen muss er jetzt allerdings dafür kämpfen, dass Epcos dort auch bleibt. Die Lage ist alles andere als rosig: Die Handy-Industrie lahmt, Epcos kommt nicht vom Fleck. Immer mehr Menschen entscheiden sich für günstige Mobiltelefone - und die enthalten weniger passive Bauelemente. Epcos bekommt das zu spüren. Zudem leiden auch andere Abnehmerbranchen der Ex-Siemens-Tochter: Die Autoindustrie kann das hohe Wachstumstempo der vergangenen Jahre nicht halten, die Produzenten von Unterhaltungsgeräten klagen über die Konsumflaute.

Statt neue Visionen und Wege aufzuzeigen, gab Pegam nur ein lauwarmes Versprechen: Die Kosten sollen soweit sinken, bis Epcos auch in schlechten Zeiten schwarze Zahlen schreiben kann. Viel mehr Worte waren dem Ingenieur auch am Mittwoch nicht zu entlocken.

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V I T A
Gerhard Pegam, geboren am 31. Januar 1962, hat schnell Karriere gemacht: Der Österreicher startete seine Laufbahn 1982 als Entwicklungsingenieur für Kondensatoren bei Philips in Klagenfurt. Drei Jahre später wechselte der studierte Elektrotechniker zu Siemens nach München in den Unternehmensbereich Bauelemente. Nach verschiedenen Stationen im Technologiekonzern wurde Pegam 1999 Mitglied im Vorstand der früheren Siemens-Tochter Epcos. Im April 2001 stieg er als Nachfolger von Klaus Ziegler zum Vorstandschef auf.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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