Der 40-Jährige ist neuer Chef der Fondsgesellschaft DIT
Andreas Goßmann: Der bescheidene Herr des Geldes

Ein fast Unbekannter zieht seit einem Vierteljahr die Fäden in der viertgrößten deutschen Investmentgesellschaft. Goßmann steht vor einer schwierigen Aufgabe. Denn die Zusammenführung des DIT mit der Vermögensverwaltung der Allianz birgt Gefahren.

Wer ist Andreas Goßmann? Diese Frage beschäftigt Finanzjournalisten seit Monaten. Seit dem 15. April steht der 40-Jährige an der Spitze des DIT. Außerdem wird er in der neuen Gesellschaft der Fusionspartner Dresdner Bank und Allianz für das europäische Publikumsfondsgeschäft verantwortlich sein. Kein unwichtiger Posten also. Denn schon heute ist der DIT mit einem verwalteten Privatkundenvermögen von fast 50 Milliarden Euro die Nummer vier in Deutschland.

Gleichwohl: Öffentlich in Erscheinung trat Goßmann bislang nicht. Das änderte sich am vergangenen Wochenende während einer Pressereise an den Genfer See. Beim Jazzfestival von Montreux gab es Gelegenheit zum Kennenlernen: Goßmann als Kontrast zum Rahmenprogramm - zwischen extrovertierten Musiklegenden wie Gary Moore und Jimmy Page.

Der neue Herr des Geldes tritt ruhig und zurückhaltend auf, wirkt vielleicht sogar ein wenig blass. Ob ein Mann mit diesen Eigenschaften tatsächlich der Richtige ist für eine wahre Herkulesaufgabe? Schließlich müssen die Vermögensverwaltungsaktivitäten von Allianz und Dresdner Bank möglichst schonend zusammengelegt werden.

Publikumsfonds spielen eine Schlüsselrolle

Das Geschäft mit Publikumsfonds spielt dabei eine Schlüsselrolle. Deshalb erhält Goßmann voraussichtlich Anfang August Schützenhilfe aus München. Dann wird ihm Markus Rieß zur Seite stehen - als gleichberechtigter zweiter Geschäftsführungssprecher. Rieß ist bisher Sprecher der Geschäftsführung bei Allianz Asset Management.

Die Integrationsgespräche zwischen den beiden Partnern verliefen bisher problemlos, betont Goßmann. Er räumt allerdings ein, dass das heikle Thema Personal bisher ausgeklammert wurde. Zum Hintergrund: Wenn die bisher in Frankfurt angesiedelten Rentenfondsmanager des DIT nach München wechseln sollen und die Aktienstrategen der Allianz in umgekehrter Richtung in die Mainmetropole, kann das schon für Irritationen sorgen. Ganz abgesehen von möglichen Kompetenzeinbußen einzelner Beteiligter und der Gefahr, Leistungsträger zu verlieren. Goßmann gibt sich dennoch gute Erfolgschancen.

Man möchte ihm das glauben, denn je länger er spricht, desto deutlicher treten seine Stärken zu Tage. Goßmann ist sicher kein Charismatiker. Er selbst beschreibt sich als ruhig und gelassen, sieht darin aber keinen Nachteil. "Ich halte mich für fachlich kompetent, deshalb kann ich so auftreten", erklärt er selbstbewusst. Genau diese Eigenschaft will er im Kampf um die Mitarbeiter in die Waagschale werfen: "Ich kann meine Leute für eine Sache begeistern, und das brauchen wir jetzt, wenn wir einen wirklich internationalen Asset Manager aufbauen wollen."

Er gesteht sich auf der anderen Seite Schwächen zu, will aber auch ihnen etwas Positives abgewinnen: "Manchmal bin ich zu ungeduldig, wenn die Dinge zu langsam laufen; mit Entscheidungen, die nicht sachlich zu begründen sind, habe ich Probleme."

Mit Goßmann wehrt ein anderer Wind

Nein, mit ihm stehe jetzt kein unbeschriebenes Blatt auf der Kommandobrücke des DIT, versucht er zu vermitteln. Ende der achtziger Jahre startete Goßmann als Trainee in der Dresdner Bank, arbeitete später im Aktienbereich und in der Vermögensberatung, entwickelte Ideen für das Privatkundengeschäft. Ende der neunziger Jahre wechselte er nach London, war dort bei Dresdner RCM für die Kunden aus Großbritannien, Skandinavien und den Niederlanden verantwortlich.

Goßmann dürfte dem DIT in den nächsten Jahren einen ganz anderen Charakter geben als seine beiden Vorgänger. In der Ära des hanseatisch geprägten Rolf Passow, der die Geschäfte bis März 2000 führte, war die Dresdner-Bank-Tochter eher eine traditionelle deutsche Kapitalanlagegsellschaft. Mit Heinrich Linz, der jetzt in den Vorstand der Dresdner Bank berufen wurde, wehte seit April vergangenen Jahres ein starker angelsächsischer Wind durch das Haus.

Die Ernennung Goßmanns setzt einen etwas anderen Akzent. Nach abgeschlossener Fusion will der neue Frontmann das europäische Fondsgeschäft aufrollen. "Produktqualität und Service müssen stimmen, sonst können wir in dieser Liga nicht mitspielen", glaubt er. Seiner Meinung nach muss das neue Tandem Dresdner/Allianz den Anlegern Produkte mit überdurchschnittlicher Performance und seinen Vermittlern einen überdurchschnittlichen Service bieten.

"Daran müssen wir noch arbeiten."

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