Der 41-Jährige ist ab Montag Chef von Austrian Airlines
Vagn Sörensen: Der dänische Durchstarter

Eine Kartell-Affäre drohte seine Karriere jäh zu beenden. Doch Vagn Sörensen blieb der Absturz erspart. Nun soll er die kriselnde österreichische Airline auf Kurs bringen.

Alle hatten ihm einen weiteren Höhenflug innerhalb der skandinavischen Fluggesellschaft SAS bescheinigt. Das war aber vor dem 18. Juli dieses Jahres. Dieser Mittwoch mitten im Hochsommer markierte eine Wendemarke für Vagn Sörensen. Als stellvertretender Konzernchef der SAS hatte sich der aus Dänemark stammende Sörensen zwar an Turbulenzen gewöhnt, doch dieses Mal war das Luftloch zu groß.

An diesem Juli-Tag veröffentlichte die EU-Kommission ihren Bericht über Geheimabsprachen zwischen der SAS und der dänischen Fluggesellschaft Maersk Air. Beide Airlines, so wiesen die Brüsseler Wettbewerbshüter nach, hatten sich 1998 in einem geheimen Abkommen auf eine Aufteilung des nordeuropäischen Flugmarktes geeinigt: Maersk Air stellte seine Linie zwischen Kopenhagen und Stockholm ein, die SAS verzichtete auf den innerdänischen Flugverkehr. So konnte die SAS die Strecke Kopenhagen - Stockholm allein bedienen, während Maersk Air unumstrittener Platzhirsch im innerdänischen Flugverkehr wurde. Das Urteil der EU war hart: 39 Millionen Euro Strafe für die SAS, 13 Millionen Euro für Maersk Air.

Hilferuf der Austrian Airlines ermöglichte Sörensen den Durchstart

Am Freitag nach dem Urteil ließ SAS-Manager Sörensen mitteilen, er habe zwar von dem Abkommen nichts gewusst, er übernehme aber die Verantwortung. Er trat zurück, wollte aber im Unternehmen bleiben. Über das Wochenende muss ihm noch etwas eingefallen sein: Am Montag gab er zu, dass ihm die Konsequenzen des Kartells nicht richtig klar waren. Damit gab er zumindest indirekt zu, dass er von dem Abkommen wusste. Er musste gehen.

Der Absturz blieb ihm aber erspart. Ein Hilferuf aus Wien von der Austrian Airlines (AUA) ermöglichte Sörensen den Durchstart. Am heutigen Montag hat der dreifache Familienvater seinen ersten Arbeitstag als Chef der angeschlagenen österreichischen Fluggesellschaft in Wien.

In der Branche ist man über den neuen Höhenflug des Dänen kaum erstaunt: Denn der 41-Jährige gilt als einer der kompetentesten Manager in der Branche. Und eigentlich, so tuschelte man am SAS-Konzernsitz in Stockholm, "war er der Mann für noch größere Aufgaben". Durchsetzungsvermögen, ein enges Kontaktnetz in der von ihm mitgegründeten Star Alliance, der die SAS und AUA angehören, und ein kooperativer Führungsstil zeichnen ihn aus. Auch die Gewerkschaften bedauerten, dass Sörensen die SAS verlassen musste, bei der er seine Karriere vor 17 Jahren begonnen hatte.

Viel Vorschusslorbeeren

In Österreich ist ein ausländischer Manager selten mit so viel Vorschusslorbeeren bedacht worden wie Sörensen. Ob die staatliche Beteiligungsverwaltung ÖIAG als AUA-Großaktionär, ob Betriebsräte oder Medien, ja selbst die in Pension geschickten bisherigen AUA-Chefs Herbert Bammer und Mario Rehulka streuen Sörensen Rosen.

Viel Zeit fürs Segeln und Radfahren wird ihm nicht bleiben. Die Austrian-Airlines-Gruppe, zu der AUA, Lauda Air und die Regionalflieger Tyrolean Airways und Rheintalflug gehören, steht schwer unter Druck. Da gibt es die weltweiten Probleme der Luftfahrt wie den Nachfragerückgang wegen der nachlassenden Konjunktur, die hohen Treibstoffkosten, den starken Dollar sowie die Konsequenzen aus den Terroranschlägen in den USA.

Hinzu kommen die hausgemachten Probleme. Zwar ist der öffentlich ausgetragene Machtkampf zwischen den beiden AUA-Vorständen und dem ausgeschiedenen Niki Lauda beendet. Trotzdem kann von einem AUA-Gruppengefühl keine Rede sein. Der Flugpark ist eine Sammlung der verschiedensten Typen, das Streckennetz zwar dicht, aber wenig effizient, die Belegschaft denkt weiter in AUA, Lauda oder Tyrolean. Die Zahlen sagen alles: Im ersten Halbjahr flog die Gruppe bei einem Umsatz von einer Milliarde Euro einen Verlust von 70 Millionen Euro ein.

Sörensen muss mehr tun als nur Kosten abzubauen

Sörensen traut man es zu, aus vier "auf dem Ego-Trip befindlichen Gesellschaften" eine zu machen, Maschinenpark und Liniennetz zu straffen, die Marken zu bereinigen und die Belegschaft zu motivieren. Bei seinem ersten Auftritt in Wien merkte der neue AUA-Chef bereits an, allein mit dem Abbau von Kosten sei die Gruppe nicht zu retten. Doch er vertraue darauf, dass es gelinge, alle Kräfte in Marketing und Vertrieb zu mobilisieren.

Die Kartell-Affäre hat Sörensen überlebt - auch dank des neuen Feuerwehr-Jobs in Österreich. Dass sie keine weiteren Folgen haben wird, ist für ihn wichtig. So kann sich der Däne ganz auf seine neue Aufgabe bei der AUA in Wien konzentrieren.

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