Der 44-Jährige ist der designierte Vorstandschef der Hugo Boss AG
Der Stratege mit dem schwarzen Gürtel

Er ist kein gefeierter Designer, wie sein Vorgänger, sondern ein Marketingprofi. Der künftige Boss-Chef entscheidet schnell - in der Modebranche ungewöhnlich.

Seine große berufliche Leidenschaft sind Marken und Märkte. Wenn Bruno Sälzer davon erzählt, kommt er schnell auf sein großes Vorbild, den ehemaligen Beiersdorf-Chef Hans-Otto Wöbcke, zu sprechen. Der Mann, der als Mister Nivea in die Firmengeschichte einging, habe eine besondere Begabung besessen: "Wöbcke wusste schon beim Landeanflug, ob seine Kosmetikprodukte in dem betreffenden Land eine Chance haben oder nicht", schwärmt Sälzer.

Der Vertriebsvorstand der Hugo Boss AG im schwäbischen Metzingen hat dieses Gespür bei sich selbst entdeckt. Auch ihm signalisieren schon die Flughäfen, ob die Kunden Boss-Anzüge kaufen werden. Er berichtet von einer Reise nach Südamerika, wo sein schlechtes Gefühl nach der Landung dem negativen Geschäftserfolg entsprach. Über sein Gefühl vor der morgigen Bilanzpressekonferenz in Metzingen wollte er sich nicht äußern.

Die Intuition für Märkte und Kunden ist eine der Stärken, die den erst 44-jährigen Sälzer qualifiziert, im Mai auf dem Chefsessel des renommierten Herrenschneiders Platz zu nehmen. Im Gespräch ist Sälzer hochkonzentriert, präzise und sehr direkt. Probleme wie zum Beispiel mit der Frauenmodesparte Boss Woman beschönigt er nicht. Der Respekt vor dem Gegenüber ist spürbar, er kann gut zuhören.

Und er ist zäh. In seiner Studienzeit in Mannheim eiferte er seinem besten Freund nach, der Vizeweltmeister in Karate war. Sälzer brachte es bis zum schwarzen Gürtel und zum mehrfachen deutschen Hochschulmeister in der Kampfsportart.

Bei Karate hat ihn sicherlich auch die Schnelligkeit fasziniert. Er gilt als Mann rascher Entscheidungen. Als er vor sieben Jahren von der Kosmetikfirma Schwarzkopf in den Boss-Vorstand wechselte, mussten sich die Metzinger erst daran gewöhnen. Denn in der Modebranche sind schnelle interne Entscheidungen selten. "Ich bin manchmal für meine Mitarbeiter bis zur Schmerzgrenze ungeduldig", gibt Sälzer offen zu. Allerdings sei er verhältnismäßig "fehlertolerant".

Die Metzinger Beschäftigen jedenfalls stehen zu Sälzer. "Es ist gut für das Unternehmen, wenn auch mal ein Vorstandschef nicht aus der Modebranche kommt und den Blick von außen mitbringt", heißt es in Arbeitnehmerkreisen. Ihm wird zugute gehalten, dass er viel für das Umsatzwachstum des Boss-Konzerns getan hat, der im vergangenen Jahr 1,1 Milliarden Euro umsetzte. Sälzer habe das Handelsmarketing ausgebaut und das Franchise-System mit den Boss-Shops eingeführt, wird lobend erwähnt.

Dennoch bedeutet der anstehende Chefwechsel bei Boss intern wie extern einen Einschnitt. Der noch amtierende Chef, der 56-jährige Werner Baldessarini, hat bei Boss ein Vierteljahrhundert lang die Mode als charismatischer Chefdesigner bestimmt und wurde dafür in der Branche als Modezar hofiert und gefeiert.

Der jugendlich wirkende Sälzer, vom Typ ein ideales Boss-Modell, kann nicht in die Fußstapfen seines schillernden Vorgängers treten. Dazu ist er zu sehr Wirtschaftler und zu wenig Künstler, der sich selbst inszeniert. Doch auch Sälzer hat einen "Riesenspleen": ausschließlich Kleidungsstücke von Boss zu tragen. Nur bei Sportschuhen und langen Sporthosen muss er auf andere Marken ausweichen, weil es die von Boss nicht gibt.

Der Mann ist ständig in Bewegung. Auf Geschäftsreisen schleppt er seine Sportsachen mit, um notfalls noch um Mitternacht zu joggen oder im Fitness-Center des Hotels zu trainieren. Auch in Metzingen läuft der Manager "jeden Tag ein paar Kilometer" durch Büros und Fabriken.

Sein Vorgänger hinterlässt ihm nicht nur angenehme Arbeit. Sälzer muss die Frauenmode, Boss Woman, bis Ende kommenden Jahres zum Erfolg führen. Erst wenn ihm dieser Kraftakt gelingt, kann er die Aufgabe in Angriff nehmen, die ihn besonders reizt: aus Boss einen Mehrmarkenkonzern zu machen.

Sälzer weiß aber, dass der italienische Mehrheitsaktionär Marzotto glücklosen Chefs nicht allzu lange zuschaut. So hat es bei Boss immer wieder abrupte Wechsel im Vorstand gegeben. Doch das ängstigt den Karatekämpfer nicht. "Wenn es den jetzigen Wechsel nicht geben würde, hätte ich den Job nicht", merkt der Vater dreier Söhne ganz sportlich an.

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