Der 44-Jährige ist neuer Chef von American Airlines
Der mit dem Flugbenzin im Blut

Gerard Arpey hat das Schlimmste verhindert: den Gang vor den Konkursrichter. Jetzt muss Hobbypilot Arpey die trudelnde American Airlines wieder auf Höhenkurs steuern.

NEW YORK. Im Cockpit fühlt er sich wohl. Gerard Arpey darf mit seinem Pilotenschein sogar mehrmotorige Flugzeuge steuern. Seine anspruchsvolle Freizeitbeschäftigung ist aber nichts gegen seinen neuen Job. Seit Freitag steuert der 44-jährige blonde Manager eine viel größere, schwer zu lenkende Maschine: die angeschlagene Fluggesellschaft American Airlines. American stand im vergangenen Monat dreimal kurz vor dem Antrag auf Gläubigerschutz unter Chapter 11. Erst am Freitag konnte die Airline mit ihren 99 000 Mitarbeitern wieder einmal den Schritt vermeiden. Allein im ersten Quartal verlor die Fluggesellschaft eine Milliarde Dollar.

Arpey ist zwar als American-Airlines-Veteran für den Posten des Vorstandschefs prädestiniert. Er fing vor 20 Jahren als Finanzanalyst bei der Fluggesellschaft an und stieg danach stetig nach oben. Dennoch kam er in der vergangenen Woche überraschend schnell zu dem Spitzenjob. Sein Vorgänger, Don Carty, musste unter Druck zurücktreten. Er hatte den Gewerkschaften die Millionen-Bonuszahlungen für das Top-Management verschwiegen und von den Mitarbeitern Zugeständnisse in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar verlangt. Nun muss Arpey das gebrochene Vertrauen zwischen den Gewerkschaften und der Geschäftsführung kitten. Bei seinem ersten offiziellen Auftritt als neuer Chef konnte er in der Konzernzentrale in Fort Worth am vergangenen Freitag einen Teilerfolg verkünden. Die Gewerkschaften erklärten sich zu Gehaltskürzungen bereit und verhinderten so den Gang vor den Konkursrichter.

Der für seine großen analytischen Fähigkeiten bekannte Manager inszenierte seinen Auftritt mit einer Showeinlage. Er überließ das Rampenlicht zunächst Roger Staubach. Der Ex-Football-Spieler, erfolgreiche Unternehmer und Mitglied des Aufsichtsrats von American Airlines kündigte den neuen Chef als Star an: "Er hat eine riesige Aufgabe vor sich. Aber wir glauben, wir haben hier einen Superstar", rief der kräftige Ex-Sportler in die Menge. "Er versteht die Industrie sehr gut, und die Menschen vertrauen ihm."

Vor allem bei den Piloten genießt der Hobby-Flieger Akzeptanz als einer von ihnen: "Ich habe riesigen Respekt vor Mr. Arpey", sagte John Darrah, Chef der Pilotengewerkschaft. Es gebe keine Person, der er mehr vertraue. John Ward, Chef der Flugbegleiter-Gewerkschaft war etwas zurückhaltender: Er freue sich darauf, "den Schaden, der bereits angerichtet wurde", mit dem neuen Management zu reparieren.

Arpey selbst hat sich in der Vergangenheit gerühmt, dass er schon als Student Flugzeuge beladen und als kleiner Junge oft im Büro seines Vaters bei der Fluggesellschaft TWA in Manhattan gespielt hat. "Arpey hat Flugbenzin im Blut", sagt der Berater George Hamlin von der Global Aviation Association aus Washington. Dass der American- Chef so jung sei, werde durch den neuen Chairman Edward Brennan ausgeglichen. "Brennan wird Investoren beruhigen, die meinen, dass Arpeys Haar noch nicht weiß genug für den Top-Posten ist."

Arpey, der als ruhig und offen gilt, muss nun alles daransetzen, die Mitarbeiter von seinem guten Willen zu überzeugen. "Wir müssen das Vertrauen in unserem Unternehmen wieder aufbauen. Nicht nur zwischen Gewerkschaften und Geschäftsführung, sondern mit jedem Mitglied der Konzernfamilie - und das beginnt ganz oben", sagte er in der Konzernzentrale. Aber ganz oben gibt es ein Problem. Denn nicht nur Carty, sondern auch Arpey und andere Top-Manager profitieren von den Zahlungen, die der Ex-Chef den Gewerkschaften verschwiegen hatte. "Können Sie uns etwas über Ihren Bonus sagen?" rief ein Mann in den Saal, als Arpey gerade das Podium verließ. Der ignorierte die Frage und ging unbeirrt weiter.

VITA

Gerard Arpey wird am 26. Juli 1958 geboren. Er schließt die University of Texas in Austin mit einem MBA und einem Bachelor of Business Administration ab und startet 1982 bei American Airlines als Finanzanalyst. Er steigt immer weiter bei der Fluggesellschaft auf: von 1988 bis 1989 ist er Managing Director für Finanzplanung, von 1995 bis 1999 ist er Finanzchef des Konzerns. 2002 wird er Chief Operating Officer und am Freitag vergangener Woche schließlich Chief Executive Officer.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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