Der 44-Jährige wird am Freitag neuer Chef von General Electric
Jeffrey Immelt: Nachfolger einer Manager-Legende

Der 44-Jährige tritt in die Fußstapfen des legendären Jack Welch. Zuerst wollte Immelt alles genau so machen wie sein Vorgänger. Nun sagt er, sein Job sei es nicht, seinen Vorgänger zu kopieren, sondern den Konzern zu lenken.

bba/wsj NEW YORK. Menschen kann man ersetzen, Mythen nicht. Man kann das gleiche blaue Hemd tragen, die gleiche graue Hose und ein zum Verwechseln ähnliches dunkelblaues Sportjackett. Man kann auch Journalisten und Investoren immer wieder versichern, man wolle es genauso machen wie sein Chef. Aber einen Jack Welch kann man nicht ersetzen.

Jeffrey R. Immelt übernimmt am Freitag - und damit ein Vierteljahr früher als ursprünglich geplant - das Ruder des US-Mischkonzerns GE. Gut neun Monate hatte der 44-Jährige Zeit, sich mental auf die neue Aufgabe vorzubereiten. Zeit genug, um die Dinge ein wenig gelassener zu sehen.

Sein Job sei es nicht, Jack Welch zu ersetzen. Seine Aufgabe sei es vielmehr, General Electric (GE), das - mit einem Börsenwert von über 400 Milliarden Dollar - wertvollste Unternehmen der Welt, zu führen. Und bei diesem Gedanken fühle er sich pudelwohl. Seine größte Sorge: die aktuelle Konjunkturschwäche. Die wichtigste Herausforderung: trotzdem für mehr Wachstum bei GE zu sorgen. Und beides habe absolut nichts mit "Jack" zu tun.

Erste Feuerprobe bestanden

Seine erste Feuerprobe hat der Mathematiker Ende November vergangenen Jahres bestanden. Damals stach er im Rennen um die Nachfolge von Jack Welch seine beiden älteren Konkurrenten James McNerney und Robert Nardelli aus.

Dieser Erfolg hat Immelt, der seit 18 Jahren im Unternehmen beschäftigt ist und dort seit 1997 erfolgreich die GE-Medizin-Technik-Sparte leitet, stark gemacht. Der Lehrling wächst in die Rolle des Lehrmeisters hinein. Jetzt muss er sich in schwieriger Zeit beweisen. GE muss, obwohl der Konzern zuletzt weiter auf Wachstumskurs lag, sich an die veränderten Gegebenheiten auf den Weltmärkten anpassen.

Eine erste schmerzvolle Kostensenkungs- und Entlassungsrunde hat der Mischkonzern schon hinter sich gebracht. Auch die gescheiterte Fusion mit Honeywell hat Wunden geschlagen. Für die kommenden Monate hat GE aber Maßnahmen geplant, um den Konzern sicher durch das Konjunkturtal zu steuern.

Optimistisch in die Zukunft

Der Zukunft sieht Immelt, der wie Welch aus Ohio stammt, betont zuversichtlich entgegen. Die Mehrzahl der weltweit 340 000 Mitarbeiter von GE glaubt er auf seiner Seite. Dem neuen Konzernchef wird nachgesagt, er könne gut mit Menschen umgehen und sie motivieren, wie sein Vorgänger. Auch Immelts Qualitäten als Manager sollen an die seines Mentors heranreichen: Schon früh erkannte Jack in Jeff förderwürdiges "A-Material". Der junge Immelt fiel Welch nicht nur durch seine stattliche Erscheinung auf. Der 1,90 Meter große ehemalige College-Football-Spieler ist ein Bär von einem Mann.

Eine gute Ausgangsposition braucht Immelt, denn er hat sich für die kommenden Monate ehrgeizige Ziele gesteckt: Er will Forschung und Entwicklung massiv fördern und das weltweite Vertriebsnetz enger knüpfen. Ein stärkere Präsenz strebt Immelt vor allem in Europa und Asien an.

Portfolio kommt unter die Lupe

Auch das Portfolio will Immelt kritisch überprüfen. Ob er in der nächsten Zeit bestimmte ganze GE-Sparten verkaufen wird, hat er noch nicht verraten - vielleicht aus Rücksicht auf seinen noch amtierenden Vorgänger. Klar ist: Immelt will die Geschäftseinheiten global und Service-orientiert ausrichten und so langfristiges Wachstum sichern. Nicht abgeneigt zeigte sich der Manager gegenüber weiteren Übernahmen wie Honeywell, sofern sich eine Gelegenheit ergeben.

Hier knüpft Immelt an die Strategie seines legendären Vorgängers an: Schon Welch hatte in seinen 20 Amtsjahren ein unfehlbares Gespür für Chancen gezeigt und häufig Firmen übernommen, als kein anderer sie haben wollte. Dieses Vorgehen zahlte sich fast immer aus.

Auch für 2001 hat Immelt ein Gewinnplus von 15 Prozent versprochen. Ob er dazu einen eigenen Weg einschlagen muss?

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