Der 45-Jährige ist Vorstandschef der Paul Hartmann AG
Ulrich Hemel: Ruheloser Reformer

Ulrich Hemel hat viele Talente. Ob als Theologe, Unternehmensberater, Hochschullehrer oder Manager - bei allem, was er macht, will er die Welt verbessern.

HEIDENHEIM. Ulrich Hemel ist, was man gemeinhin einen Tausendsassa nennt. Und doch wird diese Charakterisierung ihm nicht gerecht. Der 45-Jährige ist zwar vielseitig begabt, aber auch ein introvertierter, nachdenklicher und selbstkritischer Mensch. Ruheloser Reformer trifft es wohl eher. Schon sein ganzes Leben lang will er die Welt zum Besseren verändern.

Seit Anfang 2001 steht Hemel an der Spitze der Paul Hartmann AG in Heidenheim. Unter seiner Leitung wandelt sich das traditionell geprägte Unternehmen zu einem globalen Anbieter von Produkten und Dienstleistungen rund um Gesundheit und Wohlbefinden mit inzwischen rund 10 000 Mitarbeitern und 1,15 Milliarden Euro Umsatz.

Geplant hatte der im hessischen Bensheim geborene Hemel eine Manager-Karriere nicht. Als Jugendlicher wollte er der Kirche dienen, Wissenschaftler werden und dazu Politiker. Sein hehres Ziel: die katholische Kirche verändern, damit sie für Mitglieder wieder attraktiver wird. „Verändern und gestalten“ – lautete seine Mission. Doch als in seinen Augen notwendige Reformen in der Kirche ausblieben, ging er in die Wirtschaft.

Anfang der 90er-Jahre wechselte der inzwischen habilitierte Theologieprofessor zur Boston Consulting Group, „weil da das Anstoßen von Veränderungen gewünscht und gefördert wird“. Er habe die Richtung vorgegeben, während ein anderer am Steuer saß, erinnert er sich an seine Zeit als Unternehmensberater. Sozusagen nebenbei hatte er zuvor eine Softwarefirma gegründet und wieder verkauft, ein Übersetzungsbüro geleitet, am Gericht gedolmetscht und Sprachunterricht erteilt.

Hemel bewältigte diese Mehrfachbelastung, weil er sich stets auf das Wesentliche konzentriert. Der Mann, der meist zum dunklen Anzug ein weißes Hemd trägt, denkt schnell und analytisch. Im Gespräch hüpft er zwischen den Themen hin und her, ohne dabei den roten Faden zu verlieren.

Auch für die Paul Hartmann AG, zu der er 1996 als Leiter Akquisitionen und Internationale Unternehmensentwicklung stieß, hat er Schnelligkeit als Ziel formuliert, „weil es der Markt erfordert“. Einigen seiner Mitarbeitern war das Tempo anfangs zu hoch. „Doch ich habe gelernt, meine Geschwindigkeit an die der Mitarbeiter anzupassen und umgekehrt“, versichert Hemel mit einem sympathischen Lächeln.

Vordenker und Lenker

Die Rolle des Vordenkers und Lenkers , die er schon immer haben wollte, hat er bei Hartmann gefunden. Dass sich das 1818 gegründete Familienunternehmen Paul Hartmann mit dem Heilen beschäftigt und den Menschen in den Mittelpunkt stellt, kommt dem Theologen entgegen. Und auch, dass bei Hartmann traditionelle Werte noch etwas gelten.

Hemel sieht keinen Widerspruch zwischen sozial ausgerichtetem Handeln und christlicher Ethik einerseits und gesundem Profitstreben andererseits. Denn nur mit Gewinnen könne die Paul Hartmann AG weiter ihre Ziele verfolgen: Arbeitsplätze schaffen und erhalten an den Produktionsstandorten in Deutschland und den inzwischen 30 Auslandsniederlassungen. Ihm glaubt man, wenn er so etwas sagt. Trotz ehrgeiziger Pläne wirkt er bescheiden, aber selbstbewusst.

Mittlerweile wirkt er nebenamtlich als außerplanmäßiger Professor der Theologie wieder an der Uni Regensburg. Hemel versucht, „Brücken zu schlagen“, wie er es nennt. Einer seiner engsten Mitarbeiter bestätigt: „Herr Hemel kann seine soziale Kompetenz heute Gewinn bringend im Unternehmen einsetzen. Und er versteht es glänzend, sich auf die Mitarbeiter einzustellen.“ Seine unterschiedlichen Interessen und Tätigkeiten werden durch ein Ziel zusammengehalten: „Ich will den bestmöglichen Beitrag in meinem persönlichen Kontext leisten. Das ist meine Aufgabe im Leben.“ Für den Familienvater Ulrich Hemel heißt das, gut für seine drei Kinder zu sorgen. Für den Unternehmenslenker Ulrich Hemel, dass er für die Paul Hartmann AG und ihre Mitarbeiter die Verantwortung übernimmt.

Natürlich hat Hemel in seinem Leben auch Rückschläge erlebt. „Doch mit Abgründen kann ich gut umgehen“, sagt der Optimist. „In schwierigen Phasen denke ich immer an das Morgen und daran, dass das Leben weitergeht. Und so kann sich auch immer etwas verändern.“ Jede Krise bietet letztlich eine Chance zur Erneuerung.



Vita
Ulrich Hemel, 1956 in Bensheim/Hessen geboren, studiert in Mainz, Rom und Regensburg Theologie sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und wird Theologe. 1983 promoviert er in Theologie an der Universität Regensburg und habilitiert sich 1988 als Theologie-Professor. 1991 wird er Berater bei Boston Consulting. 1996 wechselt er zur Paul Hartmann AG, kommt 1998 in den Vorstand und wird Anfang 2001 Vorstandschef.

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