Der 46-Jährge ist seit 25 Jahren im politischen Geschäft
Francesco Rutelli: Der kleine Clinton

Weil seine Ausstrahlung sie an den früheren US-Präsidenten erinnerte, nannten die Römer ihren ehemaligen Bürgermeister Francesco Rutelli "Clintonino", den kleinen Clinton.

Reuters ROM. Der Mann, der bei den Parlamentswahlen am Sonntag Italiens Mitte-Links-Bündnis anführt, hat auch sonst einiges mit Bill Clinton gemeinsam. Geschickt weiß er sich vor der Kamera zu verkaufen, was ihm im Wahlkampf gegen seinen Hauptrivalen, den Medien-Magnaten Silvio Berlusconi, Punkte einbringt. Sein attraktives Äußeres brachte Rutelli Spitznamen wie "Schönling" oder "Süßer" ein. Wer dem 46-Jährigen jedoch nicht zutraut, das Amt des Ministerpräsidenten zu bekleiden, könnte sich täuschen: Rutelli ist seit 25 Jahren im politischen Geschäft.

Der Sohn eines Architekten besuchte eine Jesuiten-Schule, die er jedoch vorzeitig verlassen musste, weil er eine Protestaktion für die Rechte der Frau organisierte.

Mit Anfang 20 schloss sich Rutelli der Radikalen Partei an, dessen Vorsitzende er mit 26 Jahren wurde. In dieser Zeit stritt er für die Legalisierung der Abtreibung, die Gleichberechtigung von Homosexuellen und machte mit heftiger Kritik am Vatikan von sich reden. In den 80er Jahren war er kurzzeitig inhaftiert, weil er eine Demonstration gegen Atomkraft ins Leben rief.

Als Bürgermeister von Rom sagte Rutelli der Korruption den Kampf an

Schließlich verließ Rutelli die Radikale Partei und schloss sich den Grünen an, die ihn 1993 zum Umweltminister machten. Schon damals den medienwirksamen Auftritt suchend, erschien Rutelli zur Vereidigung auf einem Moped, ein Tribut an die Motorroller-begeisterten Römer. Im Amt blieb Rutelli jedoch nur kurze Zeit - mit seinem Rücktritt protestierte er gegen die Weigerung des Parlaments, dem wegen Korruption verurteilten früheren Ministerpräsidenten Bettino Craxi die Immunität abzuerkennen.

Kurz darauf bewarb sich Rutelli um das Amt des Bürgermeisters von Rom. Nach seiner Wahl machte er die Bekämpfung der Korruption in der italienischen Hauptstadt zu einer seiner Hauptaufgaben. Rutelli wurde auch für die ökologische Modernisierung der Stadt bekannt: So baute er etwa das öffentliche Verkehrssystem aus und schaffte neue Grünflächen. In seiner zweiten Amtszeit ab 1997 bemühte er sich um eine Verbesserung seiner Beziehungen zum Vatikan, traf sich mit Papst Johannes Paul II., dem er seine Bewunderung aussprach, und ließ sich in einer katholischen Hochzeitsfeier mit seiner Frau, einer Journalistin, trauen.

Eigentlich nur ein Kompromiss-Kandidat

Schließlich verließ Rutelli die grüne Partei und wurde im Oktober 2000 zum Spitzenkandidaten der italienischen Linksparteien für das Amt des Ministerpräsidenten. In gewisser Weise war Rutelli nur ein Kompromiss-Kandidat, nachdem der amtierende Ministerpräsident Giuliano Amato auf eine Kandidatur verzichtet hatte.

Noch führt Berlusconis Mitte-Rechts-Bündnis "Haus der Freiheit" die Umfragen an. Rutelli hofft derweil auf die Stimmen der noch unentschlossenen Wähler - vielleicht lassen die sich von Rutellis Charme-Offensive verführen.

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