Der 46-Jährige ist der Chef der niederländischen Endemol Entertainment.
John de Mol: Der König der Einschaltquote

Quotenhits wie "Wer wird Millionär?" und "Big Brother" machten ihn zum erfolgreichsten TV-Produzenten Europas. Sein Ziel: Kopf einer globalen Fernsehfabrik zu werden.

"Fernsehen ist das demokratischste Medium, das es gibt. Wenn einem das Programm nicht gefällt, schaltet man einfach um."

John de Mol, Europas derzeit erfolgreichster TV-Produzent, weiß, wovon er spricht. Allerdings hat der Chef der niederländischen Endemol Entertainment BV selbst nur selten Probleme mit dem wichtigsten Messinstrument im TV-Geschäft, der Einschaltquote.

Fast alles, was de Mol und seine inzwischen hundert kreativen Helfer in 22 Ländern der Welt für die tägliche Unterhaltung auf der Mattscheibe ersinnen, wird zum Quotenhit. Bei Endemol-Produktionen schalten die meisten Zuschauer ein, nicht um.

Für eine hohe Einschaltquote tut John de Mol, der Erfinder des Reality-TVs, fast alles. Er lässt eine Gruppe Männer und Frauen monatelang in einen von der Außenwelt abgeschotteten Container einpferchen und sie dann von mehreren Dutzend Kameras rund um die Uhr beobachten. Die öffentliche Empörung von Politikern und Kirchenvertretern über "Big Brother" ist Teil seiner Geschäftsidee, sie erspart ihm teure Werbung. Verstehen kann er die Aufregung ohnehin nicht: "Wir Holländer sind offener, lockerer und vor allem positiv gegenüber neuen Entwicklungen", sagt der 46-Jährige mit Stolz in der Stimme.

John de Mol hat sich ganz dem Fernsehmachen verschrieben. Der kreative Teil seines Gehirns sagt er, sei 24 Stunden am Tag aktiv. "Ich stelle mir immer die Frage: Was würde ich gerne sehen?"Auf der Suche nach Antworten ist ihm die Idee für "Wer wird Millionär?" gekommen. Die RTL-Rateshow hat in Deutschland regelmäßig mehr als vier Millionen Zuschauer. Darüber hinaus wird sie in den meisten Ländern, in denen Endemol aktiv ist, erfolgreich an TV-Sender verkauft.

Was beim Publikum gut ankommt, weiß de Mol, wie er selbst sagt, zu "30 Prozent aus Erfahrung" und zu "70 Prozent, weil mir mein Bauch es sagt." Bei diesen Worten sitzt der gut aussehende, große Mann mit dem braun gelockten Haar ganz entspannt im Ledersessel an seinem maßangefertigten Schreibtisch in der Konzernzentrale von Endemol im holländischen Hilversum. Von hier aus hält de Mol engen Kontakt zu den Geschäftsführern der wichtigsten Endemol-Töchter im Ausland. "Ich telefoniere jeden Tag mit John", berichtet Borris Brandt, Geschäftsführer der deutschen Endemol Entertainment Productions GmbH.

Es hat den Anschein, als habe sich seit Sommer vergangenen Jahres nichts geändert. Damals hat der spanische Telekomriese Telefónica die börsennotierte Endemol für umgerechnet knapp elf Milliarden Mark und damit die Macht in dem Imperium für Fernsehunterhaltung übernommen. Bei diesem Preis und der Aussicht, mit Inhalten wie "Big Brother" bald auch in UMTS-Mobilfunkangeboten vertreten zu sein, konnten John de Mol und der Aufsichtsrat nicht widerstehen.

Für die Spanier hat sich der Deal bislang nicht ausgezahlt. Der Telefónica-Kurs ging nach der Transaktion auf Talfahrt und hat die Verluste bislang nicht wieder aufgeholt. Viele Analysten halten die TV-Produktionsfirma für überbezahlt. Im ersten Halbjahr 2001 erzielte Endemol einen Umsatz von 450 Millionen Euro. Hartnäckig halten sich Gerüchte, Telefónica wolle ihre teure holländische Neuerwerbung abstoßen. Die RTL Group, Fernsehtochter der Bertelsmann AG, stünde schon als Käufer bereit, heißt es.

John de Mols Selbstbewusstsein grenzt an Überheblichkeit wenn er behauptet, letztendlich sei es egal, zu welchem Medienkonzern das 1979 von ihm gegründete Unternehmen gehöre: "In ein paar Jahren beherrschen vier oder fünf Player den Medien-Weltmarkt - wir werden zu einem der Konzerne gehören."

Ob Endemol und Telefónica diesen Weg gemeinsam gehen, ist allerdings ungewiss. Um seine eigene Zukunft muss er sich aber keine Sorgen machen. John de Mol hat finanziell ausgesorgt, um den lästigen Routinekram kümmern sich andere, er selbst kann sich auf das Kreative konzentrieren.

Noch ist ihm der Partner Telefónica nützlich. Mit dessen Finanzkraft im Rücken will sich Endemol in den kommenden zwei Jahren an acht weiteren TV-Produktionsfirmen im Ausland beteiligen. Zurzeit stehen die Chancen für John de Mol gut, der Kopf einer globalen Fernsehfabrik für Unterhaltung zu werden.

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