Der 46-Jährige ist neuer Chef von Viag Interkom
Rudolf Gröger: Der bodenständige Verkäufer

Nach dem Abgang vieler Manager beginnt mit Gröger der Neuanfang bei der Mobilfunkfirma. Der Vorstandschef macht sich selbst Mut für die Aufgabe.

Man merkt es Rudolf Gröger förmlich an: Der Mann ist froh, wieder in seiner Heimatstadt zu sein. In Bonn, schießt es aus dem gebürtigen Münchener heraus, habe er sich nicht besonders wohl gefühlt. "Die Stimmung dort ist viel zu negativ", hält er den Rheinländern vor, dass sie den Umzug der Regierung nach Berlin noch immer nicht verkraftet haben - obwohl in ihrer Stadt mit Telekom und Post zwei der größten deutschen Unternehmen ihre Zentrale haben.

Seit dem ersten Oktober ist Gröger wieder in München an seiner geliebten Isar. Jetzt kann der 46-Jährige seinem bayerischen Dialekt freien Lauf lassen. Dennoch ist ihm der Absprung von der Telekom-Tochter T-Systems auf den Chefsessel der Viag Interkom GmbH & Co. offenbar nicht ganz leicht gefallen. "Warum tust du dir das an?" habe er sich selbst gefragt, gibt er offen zu. Immerhin tauscht er einen sicheren Job bei T-Systems gegen den wackligen Stuhl bei Viag Interkom, die im stagnierenden deutschen Mobilfunkgeschäft weit abgeschlagen auf Platz vier rangiert.

Die Antwort schiebt er aber selbstbewusst hinterher: "Hier habe ich ein höheres Maß an Gestaltungsspielraum." Die Mutter British Telecom könne zwar vieles bestimmen, räumt Gröger ein, ins operative Geschäft wolle er sich aber nicht reinreden lassen. Gröger hat sich mit den Engländern arrangiert.

Seinem Vorgänger Maximilian Ardelt war das nicht gelungen. Ardelt schied im Mai im heftigen Streit um die Ausrichtung von Viag Interkom aus. Er wollte sich von der Konzernzentrale in London nicht an die kurze Leine nehmen und in deren europaweites Mobilfunkgeschäft integrieren lassen, das als Tochter MMO2 ab November an der Börse gehandelt wird. Mit Ardelt flüchteten viele Top-Leute.

Gröger hat jetzt mit einer neuen Führungsmannschaft die Chance, das Unternehmen umzubauen. Das heißt zunächst vor allem: Es wird gespart. Seine IT-Abteilung ist davon am stärksten betroffen. Außerdem will er frei werdende Stellen nicht besetzen. Bis zum Ende des Geschäftsjahres am 31. März 2002 sollen statt 4 300 nur noch 4 000 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste der Viag Interkom stehen, die zur Computermesse Cebit in O2 GmbH umbenannt und mit dem Markennamen O2 auftreten wird.

Seine Ziele sieht Gröger realistisch: Dass Viag Interkom in Deutschland Marktführer werde, sei überhaupt nicht zu bezahlen. Dafür sind die Konkurrenten D1, D2 und E-Plus zu weit voraus. "Die Kleinen werden schneller sein", macht er sich aber selbst Mut für die Zukunft und versichert wie zum Trotz: "Wir haben eine Chance."

Die will der Familienvater vor allem mit neuen Diensten nutzen. Nächstes Jahr bringt er einen Taschencomputer heraus, mit dem man telefonieren und im Internet surfen kann. Außerdem will Gröger, der den Vertrieb "von der Pike auf" gelernt hat, dass den Kunden "maßgeschneiderte" Lösungen verkauft werden. Der waschechte Münchner hätte wohl nichts dagegen, wenn die Händler vor allem das Siemens-Telefon mit den weiß- blauen Rauten anbieten würden.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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