Der 47-Jährige ist Vorstandschef von Sun Microsystems
Starke Sprüche und ein Schweigegelübte

Sun-Chef Scott McNealy ist ein unerschütterlicher Optimist. In der Krise gibt er sich kämpferisch - nur seine Microsoft-Witze will er für eine Weile für sich behalten.

SAN FRANCISCO. Bissige Ironie ist sein Markenzeichen. Und meist zielt Scott McNealy, Vorstandschef des Technologieherstellers Sun Microsystems, mit seinem Spott auf den Erzrivalen Microsoft. So taufte er dessen Zukunftsstrategie mit dem Namen Dot.Net kurzerhand um - in Dot.Not. Theatralisch verkündete er in einem Interview mit dem US-Magazin "Business Week" außerdem: Seine vier kleinen Söhne - mit den ausgefallenen Namen Maverick, Dakota, Colt und Scout - wolle er nicht in eine Welt entlassen, in der es keine Alternativen zu Microsoft gebe.

Verbal-Attacken wie diese zeigen Öffentlichkeitswirkung: "Wir reden mehr über Sun, als der Umsatz es vermuten lässt", sagt Jonathan Eunice, Analyst beim IT-Marktforscher Illuminata. Auch im Antikartellprozess gegen Microsoft fanden McNealys Klagen Gehör. Doch seit einigen Wochen scheint es, als habe er Kreide gefressen. Ist wirklich Schluss mit den höhnischen Microsoft-Pointen?

Dass der 47-jährige Vorstandschef sich derzeit mit Konkurrentenschelte zurückhält, hat einen Grund. Schließlich müsste er sich sonst den Vorwurf gefallen lassen, dass er über Microsoft spotte, aber selbst nicht viel zu bieten habe. Denn in Zeiten von Wirtschaftskrise und Börsencrash haben es auch einstige Stars wie Sun Microsystems schwer. Gerüchten zufolge hat McNealy jetzt sogar mit dem Chef des Sun-Software-Geschäftsbereichs, Jonathan Schwartz, gewettet, dass er bei seinen künftigen öffentlichen Auftritten kein Wort mehr über Microsoft verlieren werde.

An Selbstironie und Witz dürfte es ihm dennoch nicht mangeln: So witzelte er über seinen neuen Kurzhaarschnitt - das sei eine Folge der Sparmaßnahmen. Er habe sich bei der Billigfriseurkette Supercuts für zehn Dollar scheren lassen und nun sei der Haarschnitt so, wie die magere Auftragslage in der Technologiebranche: "Nicht schön, aber gut genug."

Zudem stellte er jüngst bei einem Vortrag in Florida klar, was er davon halte, wenn einige Experten Sun schon als idealen Übernahmekandidaten bezeichnen würden: "Da rassele ich doch nur ein bisschen mit meinen Golfschlägern und sage: ,Klar, wenn jemand meint, dass er den Laden hier besser leiten könne als ich, nur zu?." An Selbstbewusstsein mangelt es dem Sun-Chef nicht gerade. Aber er hat auch bewiesen, dass er mehr kann, als große Sprüche zu klopfen. Schon zwei Mal führte er das Unternehmen wieder aus der Krise heraus: Anfang der 90er-Jahre in der US-Rezession und 1995, als Microsoft-Chef Bill Gates ihm mit Windows das Wasser abzugraben drohte. Und während sich viele Konkurrenten aktuell im Jammern und Klagen üben, hat er bereits wieder die Ärmel hochgekrempelt. Er bleibt ein unerschütterlicher Optimist - und ein Kämpfer.

So schickte er in den vergangenen Monaten eine Vielzahl neuer Initiativen an den Start. Software und Dienstleistungen sollen künftig stärker zum Umsatz beitragen. Die entsprechenden Initiativen mit den Namen SunOne und N1 laufen bereits und werden stetig durch neue Produkte ergänzt. Tatsächlich kann Sun Microsystems neue Umsatzpotenziale gut gebrauchen. Innerhalb von zwei Jahren brachen die Aufträge von Telekommunikationsunternehmen und Internet-Firmen, die einst 60 % des Umsatzes ausmachten, fast komplett weg. Neu gewonnene Kunden wie Einzelhändler oder Regierungsbehörden können diese Lücke nicht schließen. Erst vor wenigen Wochen musste Sun warnen, dass der Umsatz im laufenden Quartal geringer ausfallen werde als erwartet.

Aber so leicht lässt sich McNealy nicht aus der Ruhe bringen - er hält an seinen Web-Visionen fest. Auf die Frage, wie stark ihn die Krise in der IT-Branche persönlich betreffe, witzelt er: "Viele Mahlzeiten musste ich noch nicht ausfallen lassen." Und noch mehr arbeiten als bisher könne er ohnehin nicht. "Es ist immer noch der gleiche, wundervolle Job, dieselbe riesige Chance", beteuert er. llzu gerne lassen sich Zuhörer bei seinen Vorträgen von seinem Charme einnehmen. Mit ihm lässt es sich so prächtig von Web-Visionen träumen - zumindest für einen kurzen Augenblick.

Wundervoll dürfte McNealys Job allerdings vor allem dann sein, wenn der leidenschaftliche Golfer beim AT&T National Golfturnier auf der kalifornischen Monterey Peninsula andere wichtige Vorstandschefs wie Jerry Yang (Yahoo) oder Tom Siebel (Siebel Systems) trifft. Natürlich suche man dann mit dem ein oder anderen auch geschäftliche Kontakte, sagt McNealy. Daher sieht er die vier Tuniertage als Bestandteil seines Jobs - "und zwar als jenen mit dem menschlichen Touch".

Wie die Geschäfte dann funktionieren, berichtet er bereitwillig: "Zunächst erkundige ich mich zum Beispiel bei einem Mitspieler, wie er seinen Slice vom letzten Jahr losgeworden ist." Auch kleinere Scherze seien erlaubt. Beim Drink im Clubhaus erwähne man dann ganz nebenbei, dass das eigene Unternehmen gut Unterstützung gebrauchen könne. An eines glaubt McNealy nämlich beinahe so fest wie an das Internet: "Golf und Business mit dem richtigen Timing - das ist einfach unschlagbar.

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VITA

Scott McNealy wird 1954 in Columbus (Indiana) geboren; sein Vater ist Vice Chairman von American Motors Corp. Der Sohn studiert Wirtschaftswissenschaften in Havard und Stanford und gründet1982 mit drei Partnern den Technologiehersteller Sun Microsystems. Zwei Jahre darauf übernimmt er die Leitung der Firma. 1995 präsentiert Sun die Netzprogrammiersprache Java und attackiert BM, Microsoft und Cisco einer der größten Technologiehersteller der Welt.

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