Der 48-Jährige hat gute Chancen, RWE-Chef zu werden
Heinz-Werner Ufer: Kuhnts heimlicher Kronprinz

Noch ist die Entscheidung über den neuen Chef des Energieriesen RWE nicht gefallen. Aber Heinz-Werner Ufer gilt als heißer Kandidat, falls der Job intern besetzt wird.

ESSEN. Ein Samstag im Juli 2001, nachmittags: Am Essener Opernplatz fährt eine schwarze Limousine vor dem 39 Stockwerke hohen Power Tower der RWE AG vor. Heraus steigt Manager A, knöpft sein Sakko zu, zupft es gerade. Ein weiterer Wagen der automobilen Oberklasse hält direkt hinter dem ersten Fahrzeug. Manager B, in der Konzernhierarchie viele Stufen höher als A, klettert heraus und begrüßt den Kollegen - mit einem mehr als angedeuteten Diener. Beide betreten die Hauptverwaltung des Energieriesen. B lässt A geflissentlich den Vortritt.

Die Episode wird bei RWE als starkes Indiz für den Abstieg von B und den Aufstieg von A gedeutet. Manager A ist Heinz-Werner Ufer. Der 48-Jährige gilt nun im "Wattikan" als der Kronprinz von Konzernchef Dietmar Kuhnt, 63, der heute in Essen die Bilanzzahlen vorlegt. Der Vertrag des Vorstandschefs, der den Energieriesen seit mehr als sechseinhalb Jahren lenkt, läuft Ende 2002 aus. Anschließend wird er, so der Plan, Ex-WestLB-Chef Friedel Neuber, 66, als Aufsichtsratsvorsitzenden bei RWE beerben.

Aufbau von RWE Systems war sein Gesellenstück

Ufer ist ein echter RWEler. Nach Banklehre und Studium der Wirtschaftswissenschaften startete er bereits 1977 beim Energiekonzern. Nach vielen internen Stationen schaffte er 1996, nach 19 Jahren, den Sprung in den Vorstand der damaligen RWE Energie AG.

Der Manager, den Mitarbeiter als sehr ernst beschreiben, lieferte nach der Fusion von RWE mit dem Dortmunder Konkurrenten VEW AG sein Gesellenstück ab. Er baute die Tochter RWE Systems auf und positionierte sie als konzerninternen IT-Dienstleister. Dabei bewies er Führungsqualitäten. Mit diesen und seiner - auch extern anerkannten - Fachkompetenz empfahl er sich bei Konzernchef Kuhnt für höhere Weihen.

Außerdem profitiert Ufer davon, dass sich seine drei Konkurrenten um den Spitzenposten gegenseitig blockieren oder sich in letzter Zeit wenig mit Ruhm bekleckert haben. Da ist Ex-Daimler-Manager Manfred Remmel, 55, der die Chancen im liberalisierten Strommarkt nicht zu Kuhnts Zufriedenheit genutzt hat. Er wurde zum 1. September als Chef der RWE Plus AG abgelöst, die über den Erfolg des Konzerns als Anbieter von Strom, Gas, Wasser und Umwelt entscheidet.

Die offizielle Begründung: Remmel konzentriere sich ganz auf sein Mandat in der Holding. Sein Nachfolger ist Konkurrent Ufer, der sich noch einmal an hervorragender Stelle - "einer Schaltstelle im Konzern", wie ein Manager meint - bewähren soll.

Und der schlägt gleich ganz neue Töne an. Im ersten Schreiben an die Mitarbeiter heißt es unverblümt: "Wir müssen allerdings rasch auch die Probleme beheben, mit denen wir an verschiedenen Stellen zu kämpfen haben." Ein Eingeständnis in Bezug auf hausgemachte Probleme war im Konzern bisher selten zu hören.

Konkurrent Klein besitzt den Makel der frühen Geburt

Ein weiterer Kandidat ist Richard Klein, dem Konzernbeobachter ebenso hohe Kompetenz nachsagen wie Ufer. Klein besitzt aber den Makel der frühen Geburt. Er wird gerade 59 Jahre alt sein, wenn Kuhnt Ende 2002 ausscheidet. Bei RWE gilt aber seit neuestem die 63er-Regel für Vorstände. Kleins Position ist allerdings auch umstritten, weil er als ehemaliger Oberstadtdirektor von Duisburg auf dem Ticket der kommunalen Aktionäre in den RWE - Vorstand eingezogen war.

Dann wäre da noch Klaus Sturany, 55. Ihm wird intern vorgehalten, dass er ein Team eher spaltet als motiviert. Auch soll er mit den Arbeitnehmervertretern über Kreuz liegen - eine Situation, die nicht unbedingt auf den Chefposten hinausläuft.

Weitere Alternativen zu Ufer zeichnen sich im eigenen Haus nicht ab. Der in der Öffentlichkeit weit gehend Unbekannte gilt als harter Arbeiter. Er stellt extreme Anforderungen an sich selbst und kennt gegenüber seinen Mitarbeitern kein Pardon. Er hat aber in Zeiten der Globalisierung einen Malus: Er ist nie über seine Geburtsstadt Essen und den RWE-Konzern hinausgekommen - wie übrigens Vorgänger Kuhnt auch. Der hat aber schnell gelernt, auf nationalem und internationalem Parkett eine zwar dröge, aber inhaltlich überzeugende Figur zu machen.

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