Der 48-Jährige ist der neue Chef von IBM Deutschland: Walter Raizner: Der smarte Amerikaner

Der 48-Jährige ist der neue Chef von IBM Deutschland
Walter Raizner: Der smarte Amerikaner

Der IBM-Deutschlandchef ist zwar für 26 000 Mitarbeiter verantwortlich, nicht aber für das Tagesgeschäft. Ein Amt, das viele Vorgänger schon in die Sackgasse führte.

STUTTGART. Marotten sucht man bei Walter Raizner vergeblich. Alte Weggefährten, die mit ihm in der ersten Hälfte der 90er-Jahre in der Stuttgarter IBM-Deutschland-Zentrale zusammenarbeiteten, fällt partout nichts Auffälliges ein. "Er war immer sehr ausgeglichen, darüber habe ich mich oft gewundert", erzählt ein ehemaliger Vorgesetzter. Raizner sei auch immer sehr höflich und freundlich gewesen.

Diese Eigenschaften treffen heute noch auf den 48-jährigen Raizner zu. Der Schwabe ist ein ruhiger, kommunikativer Gesprächspartner, der freundlich zuhört und sich nicht in den Mittelpunkt stellt. Dennoch weiß inzwischen jeder der 26 000 deutschen IBM-Mitarbeiter, dass Raizner ein strenger Vorgesetzter ist. Dabei ist er gerade mal vier Wochen im Amt.

Schon auf seinem ersten Treffen mit den Führungskräften Ende Januar hat er unmissverständlich klar gemacht, was Sache ist: "Wir sind hier kein Debattierclub, sage ich Ihnen." Und: "Die Vorgaben aus der amerikanischen Konzernzentrale in Armonk sind richtig und werden umgesetzt."

Damit setzt Raizner einen Kontrapunkt zu seinem Vorgänger Erwin Staudt. Dieser wie auch sein Vorgänger haben noch versucht, die deutsche IBM - nach Japan die zweitgrößte Auslandstochter des Konzerns - als eigenständige Firma zu führen.

Noch immer wird in der Stuttgarter Zentrale die überraschende Ablösung von Staudt durch Raizner diskutiert. Man weiß, dass die Erträge rückläufig sind und die hohen Umsatzvorgaben aus Armonk nicht erfüllt wurden. Wenn sich das deutsche Flaggschiff langsamer als andere europäische Töchter entwickelt hat, war das schon immer ein Alarmzeichen in der Zentrale. Hinzu kommt: Konzernchef Sam Palmisano, seit vergangenem Jahr im Amt, will offenbar einen Manager seines Vertrauens in Stuttgart haben. Auf Staudt setzte Louis Gerstner, Palmisanos Vorgänger.

Betriebswirt Raizner gehört zu den wenigen Deutschen, die im Konzern steil Karriere machten. "Wer den Sprung nach Armonk schafft, muss clever und gut sein", heißt es bei der IBM. Mitte der 90er-Jahren hat sich Raizner um eine internationale Position beworben und eine Assistentenstelle beim damaligen Senior-Vice-Präsidenten Ned Lautenbach bekommen. Lautenbach, für den weltweiten Vertrieb verantwortlich, hatte immer ein bis zwei Europäer in seinem Stab.

Dort in Armonk inhalierte Raizner den Geist der IBM. Einen Geist, der ihm liegt und ihn bis zum General Manager für die weltweite Verantwortung von Datenspeichersystemen aufsteigen ließ. "In keinem Unternehmen hätte ich so viel lernen können wie bei IBM", schwärmt er. Für die deutschen IBMer verkörpert er den typisch smarten Amerikaner. Damit hat Raizner kein Problem. "Ich bin amerikanisch geprägt und spreche die Dinge gern direkt an", sagt er in akzentfreiem Deutsch. Die schwäbischen Wurzeln sind nicht herauszuhören. Es fehlen aber auch die Anglizismen, die er bewusst vermeidet.

Der Optimist mag Mitarbeiter, die "begeisterungsfähig sind und mitziehen". Sie sollen wie er die Ärmel aufkrempeln und hart arbeiten. Dennoch ist seine Arbeitswut nicht gänzlich unkontrolliert. Auf seinen Atlantikflügen nimmt er beispielsweise keinen Ersatzakku für den Laptop mit. Wenn der Akku leer ist, will der Vater zweier Kinder ausspannen.

Der neue Deutschland-Statthalter ist froh, künftig nur noch hier zu Lande reisen zu müssen. Am neuen Job reizt ihn, dass er nicht mehr nur mit einem Produkt, sondern mit dem IBM-Spektrum zu tun hat. Dabei wird er weniger als sein Vorgänger Staudt, der sich für die D-21-Initiative einsetzte, in der Öffentlichkeit Position beziehen. Die interne IBM steht bei ihm im Vordergrund. In den nächsten Monaten will Raizner mit den Mitarbeitern reden und ihre Sorgen kennen lernen. In einem so großen Konzern gebe es schließlich viele Reibungspunkte. Seine Botschaft an die Mitarbeiter steht fest: "Wir müssen schneller als die Konkurrenz die Kundenwünsche erfassen und bessere Lösungen für deren Geschäftsprozesse anbieten."

Dennoch fragen sich die deutschen IBMer, was einen Macher wie Raizner bewegt, diesen Job anzunehmen? Als Länderchef hat er kaum operative Verantwortung. Ein IBM-Deutschland-Chef ist zwar formal der Chef von 26 000 Mitarbeitern. Die Matrix-Organisation der IBM lässt aber die operative Verantwortung in den Händen der weltweiten Spartenchefs. Hinzu kommt, dass sich ein Deutschland-Chef schnell abnutzt. Wer Glück hat, kann noch Europa-Chef werden. Wenn nicht, muss er sich außerhalb der IBM umsehen. Für fast alle Vorgänger endete der Job in der Sackgasse.

Raizner, der am Abend gerne joggt, um dabei Probleme zu lösen, macht sich darüber offenbar keine Gedanken. Er verlässt sich auf seinen guten Draht nach Armonk. Privat freut er sich auf den nächsten Marathonlauf in New York, bei dem er wieder mitlaufen will.

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VITA

Walter Raizner ist am 15. August 1954 im württembergischen Aalen geboren. In Nürnberg studiert er Betriebswirtschaft und Informationstechnik und verlässt die Universität mit dem Abschluss Diplomkaufmann. Nach kurzen Tätigkeiten bei Hoechst und Nixdorf geht er 1984 zur deutschen IBM. Er verantwortet dort verschiedene Vertriebs- und Marketingpositionen. 1995 startet er seine internationale Karriere in der Konzernzentrale in Armonk im Stab von Ned Lautenbach, der weltweit den Vertrieb leitet. Ein Jahr später übernimmt er für kurze Zeit den Hardware-Vertrieb in Deutschland, um dann aber wieder in internationale Positionen in London und Armonk zu wechseln. Er steigt bis zum General Manager für das weltweite Speichergeschäft auf. Seit Mitte Januar ist er Vorsitzender der Geschäftsführung der IBM Deutschland GmbH.

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