Der 48-Jährige will in dieser Saison keinen neuen Verein mehr übernehmen
Röber muss bei Hertha den Hut nehmen

Fußball-Bundesligist Hertha BSC Berlin hat am Mittwochabend die Trennung von Trainer Jürgen Röber vollzogen. Interimscoach wird Herthas 39 Jahre alter Jugend- und Nachwuchskoordinator Falko Götz, der schon beim nächsten Spiel am Samstag gegen den VfB Stuttgart auf der Bank sitzt.

sid BERLIN. Der Ex-Profi wird zusammen mit Ex-Nationalspieler Andreas Thom die Mannschaft betreuen. Im Sommer wird Schalkes Coach Huub Stevens das Team übernehmen. Die Trennung von Röber, so der Wortlaut einer Presse-Erklärung von Hertha BSC, sei einvernehmlich vollzogen worden.

Am Mittwoch trat das Präsidium des Hauptstadtklub zu einer Krisensitzung an einem geheimen Ort zusammen und zog die Konsequenzen aus der sportlichen Talfahrt. Die 0:1-Pleite im Ostderby bei Energie Cottbus, die dritte Niederlage im vierten Pflichtspiel des Jahres, sowie das Ausscheiden in DFB-Pokal und Uefa-Cup (im Dezember) gaben den Ausschlag für die Trennung.

Während die "Scheidung mit Ankündigung" von Stevens beim Traditionsklub S04 Siege einspielte, erwies sich dieses Modell für die Berliner als "mission impossible". "Wir haben einen absoluten Scheißlauf", musste der zusehends ratloser werdende Röber in der Nacht auf Mittwoch in Cottbus eingestehen. Trotz aller Beteuerung von Manager Dieter Hoeneß zu Jahresbeginn ("Mit Röber weiterzumachen ist kein Experiment und kein Risiko, das wird die Rückrunde nicht belasten") kam der Klub mit der im Dezember bekannt gegebene Trennung nicht klar.

Röber gehört zu den dienstältesten Trainern bei der Hertha

Der 48 Jahre alte Ex-Profi Röber hatte noch einen Vertrag bis zum Ende der Saison mit einem Jahresgehalt in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro. Am Neujahrstag 1996 hatte er den "schlafenden Riesen" Hertha übernommen und 1997 in die Bundesliga, 1999 in der Champions League sowie in den letzten zwei Jahren in den Uefa-Cup geführt. Nach den jüngsten Tiefschlägen sind die Berliner in der Tabelle auf Platz sieben abgerutscht und weit von ihren internationalen Ambitionen entfernt.

Mit knapp sechs Jahren geht Röber - gemeinsam mit Manager Hoeneß im April 1995 beim VfB Stuttgart gefeuert - nach Helmut Kronsbein (1966-1974) als dienstältester Coach der Berliner seit 1963 in die Annalen ein. Bei den aktuellen Bundesligisten sind nur Volker Finke beim SC Freiburg (seit 1. Juli 1991) und Eduard Geyer bei Cottbus (1. Juli 1994) länger als sechs Jahre im Amt.

Die Trennung von Röber ist die 260. Trainerentlassung seit Bundesliga-Gründung 1963 und die fünfte in der laufenden Spielzeit. In dieser Saison hatten zuvor Friedhelm Funkel (Rostock), Werner Lorant (1860 München), Frank Pagelsdorf (Hamburger SV) und Ewald Lienen (1. FC Köln) vorzeitig gehen müssen.

Röber schließt Wechsel zu anderem Klub in dieser Saison aus

Ausdrücklich schloss Röber, der schon nach dem Pokal-Aus vor Wochenfrist gegen den 1. FC Köln seinen Rücktritt angeboten haben soll, einen Wechsel zu einem anderen Klub aus. "Ich werde nicht - auf gar keinen Fall und egal, was passiert - in dieser Saison bei einem anderen Verein anfangen", erklärte der Fußball-Lehrer, der als möglicher neuer Cheftrainer beim stark abstiegsbedrohten Bundesligisten 1. FC Köln gehandelt wurde.

Seinen 39 Jahre alten Nachfolger Götz, der bereits am Samstag gegen den VfB Stuttgart auf der Bank sitzen soll, hatte Röber im Januar 1996 als Profi selbst an die Spree gelotst. Als Routinier hatte der Defensivspieler trotz vieler Verletzungen großen Anteil am Wiederaufstieg 1997. Im April desselben Jahres wurde Götz als Amateurcoach an den Klub gebunden.

Mit Bayer Leverkusen gewann Götz (242 Bundesliga-Spiele) einst den Uefa-Pokal, auch beim 1. FC Köln und mit Galatasaray Istanbul spielte er im Europapokal. Zuvor hatte er mit dem BFC Dynamo drei DDR-Meistertitel gewonnen. Bei einem Europacupspiel der Ost-Berliner in Belgrad setzte er sich 1983 in den Westen ab.

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