Der 48-Jährige wird neuer Vodafone-Chef
Dynamisch, wendig und eng verdrahtet

Seinen Nachfolger hat Gent wie ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert: Ab Sommer 2003 wird Sarin den britischen Konzern leiten. Das Rüstzeug dazu hat er.

LONDON. Den Draht zu Vodafone-Chef Chris Gent hat Arun Sarin nie verloren. Auch nach seinem Weggang vom britischen Mobilfunkriesen vor zwei Jahren blieb Sarin als Mitglied im Aufsichtsrat (Non-Executive Director) dem Konzern erhalten. So war der aus Indien stammende Manager mit dem US-Pass regelmäßig in London, wo er am liebsten im edlen Meridien-Hotel logierte. In der weiträumigen Hotel-Lobby mit den feinen Ledersesseln schwärmte er dann gern über sein großes Vorbild - Chris Gent. Der Vodafone-Chef habe einfach ein "unfehlbares Gefühl für den richtigen Zeitpunkt", so sein Urteil.

Dafür tritt Gent jetzt selbst den Beweis an: Seine Ankündigung, im nächsten Sommer abzutreten, hat gestern in London alle Experten überrascht. Wie ein Kaninchen zog der 54-jährige Gent einen Nachfolger aus dem Hut, den niemand auf der Rechnung hatte. Dabei ist die Wahl von Sarin keine so große Überraschung. So weinte der "Alte" dem Jungen bei dessem Weggang vor zwei Jahren laut nach: "Aus meiner Sicht und aus der unserer Aktionäre wäre Sarin derjenige, der am ehesten mein Nachfolger hätte werden können."

Gent soll vor allem von der Dynamik des wendigen Managers angetan gewesen sein. So überlebte ihre Männerfreundschaft auch hinter den Kulissen, obwohl beide vom Typ her sehr unterschiedlich sind. Auf der einen Seite der hemdsärmelige, laute Chris Gent. Ein Mann, der selbst auf dem Podium schnell sein Sakko über die Stuhllehne hängt und seinen Besuchern zur Begrüßung schon einmal sportsmännisch auf die Schulter haut. Auf der anderen Seite, der feine, eher leise sprechende Sarin. Gedämpft wie die Barmusik in der Hotel-Lobby spricht er über seine Karriere. Poliert wie die Messing-Aschenbecher auf dem Tisch ist sein Outfit im feinsten Zwirn. Doch auch der Glanz von Sarin, der mit 35 Jahren bereits zum jüngsten Vizepräsidenten der US-Telekomwelt aufstieg und bald darauf zu den am höchsten gehandelten Kennern der Branche weltweit gezählt wurde, hat ein wenig eingebüßt.

Sein Plan, mit der Internetschmiede Infospace die Handywelt zu revolutionieren, ging nicht auf. Nach neun Monaten musste er das Unternehmen wieder verlassen. Sein jüngster Job an der Spitze des Joint-Ventures Accel-KKR Telekom galt ebenfalls nur als Warteschleife. Doch das Warten hat sich gelohnt. Seine Ausdauer trainiert Sarin zweimal die Woche. "Erst ab zehn Kilometern komme ich so richtig in Fahrt", sagt der Langläufer, dem Analysten durchaus auch einen langen Atem bei Vodafone zutrauen. Durch seinen guten Draht zu Gent und mit seinem Sitz im Aufsichtsrat ist der Profi bestens über den britischen Konzern informiert. Nur dass ihn die Distanz London/San Francisco nun wieder von seiner Frau und seinen zwei Kinden trennen wird, ist problematisch. Deswegen hat er schon zwei Mal in seiner Laufbahn das Handtuch geschmissen. Doch an seinem fachlichen Rüstzeug zweifelt niemand.

Sein Meisterstück habe er aber bereits vor Jahren bei Air Touch abgelegt, sagen die Experten. Dort führte er das Unternehmen erst in die Unabhängigkeit und dann unter das Vodafone-Dach. Das hatte Sarin damals zum reichen Mann gemacht - und ihn das erste Mal groß in die Schlagzeilen der britischen Presse gebracht. Dort war der wendige Typ schnell als "fat cat" verschrien - als fette Katzen bezeichnen die Briten Manager, die kräftig absahnen. Aber Sarin weiß, was er wert ist. Und sein guter Draht zu Chris Gent und zu Vodafone-Chairman Ian MacLaurin zahlt sich für ihn nun aus. Für seinen neuen Job an der Spitze des Weltkonzerns Vodafone hat er ein Jahresgehalt von 1,7 Millionen Euro plus Aktienoptionen ausgehandelt - Firmengründer Chris Gent hat auch nicht mehr bekommen.

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VITA

Arun Sarin wird vor 48 Jahren in Indien geboren. Die meiste Zeit nach seinem Diplom zum Ingenieur, das er 1975 am Indian Institute of Technology ablegt, verbringt er jedoch in Amerika. Mit 24 Jahren macht er einen Abschluss an der University of California, Berkeley. Nach ein paar Jahren als Managementberater geht Sarin 1984 in die Telekombranche. Bei der Pacific Telesis Group, San Francisco, wird er bereits mit 35 Jahren Vizepräsident. Nach der Ausgründung von Air Touch leitet er den neuen Konzern, der von Vodafone übernommen wird. 2000 wechselt er an die Spitze der US-Internetfirma Infospace, die er nach neun Monaten wieder verlässt. Sarin wird Chef des Joint Ventures Accel-KKR Telecom.

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