Der 49-Jährige führt die Arbeitnehmerseite bei Opel
Klaus Franz: Der Diplomat von Rüsselsheim

Opel steckt in der Krise. Der Absatz stockt, das Image hat schweren Schaden genommen. Betriebsratschef Klaus Franz hält den Neubeginn trotzdem für möglich.

Eigentlich wäre es der klassische Konflikt für einen Betriebsratsratschef wie Klaus Franz: Opel will in seinen europäischen Werken die Produktionskapazität für 350 000 Autos aufgeben, mehrere 1 000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Doch bislang hält der oberste Arbeitnehmervertreter bei Opel still. Große Streiks gibt es bei der deutschen Tochter von General Motors (GM) nicht. Im Gegenteil: Franz stützt den Kurs des neuen Vorstandsvorsitzenden Carl-Peter Forster.

Klaus Franz, Betriebsratschef von Opel und auch bei GM Europa erster Mann unter den Belegschaftsvertretern, trägt die schmerzhaften Einschnitte mit. "Das Unternehmen steht jetzt vor dem lange von uns geforderten Neubeginn", stellt der 49-Jährige nüchtern fest. Auch die Arbeitnehmerseite könne an den "betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten" wie dem angekündigten Kapazitätsabbau nicht vorbei. Er kennt die Absatzprobleme des Autokonzerns. Besonders in Deutschland ist der Marktanteil in den zurückliegenden Jahren stark gesunken. Das führte im vergangenen Jahr bei der Rüsselsheimer Adam Opel AG zu einem Verlust von fast 900 Millionen Mark.

Franz ist sich der Ünterstützung der Basis sicher

Opels oberster Arbeitnehmervertreter spricht selbst von einer "Gratwanderung" und einem "Spagat", den er im Moment bei der deutschen GM-Tochter bewältigen muss. Für die Zustimmung zum angekündigten Kapazitätsabbau hat Franz seinem Kontrahenten Forster einiges abgerungen: Opel und GM werden in Europa keinen einzigen Produktionsstandort aufgeben und auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten.

Allzu gut kennt Franz den Vorwurf aus den eigenen Reihen, "dass Ihr vom Betriebsrat auf dem Schoß des Vorstandes sitzt". Der gebürtige Stuttgarter, der 1975 als Autolackierer bei Opel in Rüsselsheim angefangen hat, ist sich trotzdem der Unterstützung der Basis sicher. Er rechnet fest damit, dass er bei den Betriebsratswahlen im nächsten Frühjahr wieder gewählt wird.

Franz sagt selbst über sich und seine Arbeit, dass er versuche, die Opel-Belegschaft in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Transparenz sei sein Rezept, Informationen müssten an die Basis weiter gegeben werden, sagt er. Für unverzichtbar hält er gleichfalls den Blick in die Zukunft: Er müsse seinen Kollegen klar machen, dass es auch einen Weg nach vorn gebe, "einen Weg mit Zukunft".

Franz zieht Kompromiss dem offenen Konflikt vor

Vorstandschef Forster hat aus Sicht des Betriebsrats mit seinem Sanierungsprogramm "Olympia" ein Paket vorgelegt, das sich nicht nur auf den Kapazitätsabbau beschränkt. Mit den Vorschlägen für neue Modelle, zusätzliche Ertragsquellen und mehr Export verfolge Forster die Vision, "die Opel wieder nach vorn bringen können".

Franz, seit einem guten Jahr Chef des Betriebsrats, zieht den Kompromiss dem offenen Konflikt vor. Auch seine persönliche Erscheinung steht für einen Mann des Ausgleichs: Die Kleidung ist schlicht und einfach, selten sehen ihn seine Kollegen mit Krawatte. Der Schnäuzer ist die einzige Extravaganz, die er sich leistet. Bedächtig, ruhig tritt er auf. Nur wenn es wirklich nicht mehr anders geht, wird er laut und fordernd. Auch Kontrahent Forster bescheinigt ihm hohe Kompromissbereitschaft, der Betriebsrat habe den Ernst der Lage erkannt.

Größten Wert legt Franz auf die eigene Unabhängigkeit - während seines gesamten Berufslebens habe er dieses Prinzip verfolgt. Deshalb ist nur die Mitgliedschaft in der IG Metall für den selbstverständlich. Das SPD-Parteibuch, das die meisten seiner Gewerkschaftskollegen besitzen, hält er für verzichtbar.

Bekennender Auto-Fan

Geschadet hat ihm diese Einstellung bislang nicht. Auch nicht die Tatsache, dass er Anfang der 90er-Jahre über die Liste der Grünen ins Rüsselsheimer Stadtparlament eingezogen war - ganz gemäß den eigenen Prinzipien als unabhängiger Kandidat und nicht als Mitglied der Grünen.

Trotz seiner Nähe zu den Grünen bekennt sich der verheiratete Vater zweier Kinder zu seiner Auto-Leidenschaft. Den Vorwurf manches Kollegen, er fahre viel zu schnell, weist er aber zurück: "Ich habe noch nie ein Strafmandat bekommen."

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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