Der 49-Jährige ist Geschäftsführer von Epson Deutschland
Am liebsten unverblümt und offen

Als erster Deutscher schaffte Siegfried Heimgärtner den Weg an die Spitze von Epson - doch Japankenner behauptet er nicht zu sein. Im Geschäftsalltag ist das für ihn allerdings kein Hindernis.

DÜSSELDORF. Siegfried Heimgärtner hatte sich in eine Situation manövriert, die ganz und gar nicht komfortabel erschien: Würde er scheitern, stände der Schuldige zweifelsohne fest - er allein hatte alle gut gemeinten Ratschläge in den Wind geschlagen.

Niemand in seinem Bekanntenkreis konnte verstehen, warum der erfolgreiche Vertriebsmanager zu einem japanischen Konzern wechseln wollte. "Einer meiner besten Freunde konnte es kaum glauben, dass ich tatsächlich darüber nachdachte", erzählt der 49-Jährige. Der Freund hatte jahrelang in Singapur gearbeitet und warnte vor den großen kulturellen Unterschieden.

Heimgärtner hörte zu, ließ sich die Argumente durch den Kopf gehen und entschied dann doch nach seinem eigenen Kopf. 1997 stieg er beim japanischen Konzern Epson in Düsseldorf ein, wurde ein Jahr später Marketing-Direktor, dann Vize-Präsident.

Seit Juli dieses Jahres ist er Chef der Epson Deutschland GmbH, einer Tochtergesellschaft der japanischen Seiko Epson. Als erster Deutscher steht er dort an der Spitze und ist damit auch verantwortlich für die Benelux-Staaten, die Schweiz, Österreich und weite Teile Osteuropas. Kein Wunder, dass er viel im Flugzeug sitzt. Trotz E-Mail und Telefon hält er das persönliche Gespräch für unumgänglich.

Heimgärtners Vorgänger in Düsseldorf hatte dagegen noch mit einem entscheidenden Nachteil zu kämpfen: Er sprach Japanisch, kaum Englisch, kein Deutsch. Aber er hatte schon mit einem Umbruchprozess begonnen, den sein Nachfolger nun fortsetzen will: "Epson hat im vergangenen Jahr viele neue Mitarbeiter eingestellt, die internationale Erfahrung mitbringen." Die Nationalität jedes Einzelnen spiele dabei keine Rolle mehr.

Vor allem im Bereich digitale Fotografie wittern die Manager des japanischen Herstellers, der 70 Prozent seines Umsatzes mit Druckern, Scannern und Datenvideoprojektoren erzielt, neue Geschäftschancen. Auf der Photokina in Köln, die heute beginnt, ist Epson daher mit fünf Ständen vertreten. Der neue Geschäftsführer will die Marke bekannter machen und qualitativ hochwertig positionieren. Denn: Die Verschwiegenheit des japanischen Konzerns, der sich über Jahrzehnte hinweg nicht in die Geschäftszahlen schauen ließ, ging auch auf Kosten der Markenstärke.

Heute sind große Konkurrenten wie Hewlett-Packard und Canon beim Endverbraucher oft bekannter. Eines möchte Heimgärtner darum deutlich machen: Er ist der neue Mann für neue Zeiten - wenn er das selbst auch niemals so plakativ formulieren würde. Dafür setzt er seine Worte viel zu wohl überlegt und sucht Werbefloskeln zu vermeiden. Seinen Gesprächspartnern hört er aufmerksam zu, beantwortet Fragen ohne Ausweichmanöver, sucht Gegenargumente sachlich zu widerlegen.

Im Berufsalltag, so urteilen viele seiner Mitarbeiter, pflegt er Beziehungen zu ihnen und zu Kunden höchst professionell - kaum auf privater Ebene, aber auch nicht zu distanziert. Das müsse wohl auch das Geheimnis sein, was ihn dazu befähige, kulturelle Unterschiede problemlos zu überbrücken. Einfach zu verstehen ist dies nämlich nicht: Verblüffend wenig hat sich der neue Chef bisher mit Japan und den dort üblichen Gepflogenheiten auseinander gesetzt.

"Ich habe einiges über Japan gelesen und reise beruflich etwa zwei- bis dreimal im Jahr nach Tokio", sagt Heimgärtner. Aber auf die Idee, das Land auf einer privaten Reise näher kennen zu lernen, ist er bisher noch nicht gekommen. Zu groß seien Sprachprobleme und Kulturunterschiede. Anders als damals, als er als Verwaltungsangestellter an einer Schule der Nato in den USA arbeitete, pflegt er nach Japan keine persönlichen Kontakte. Warum dann der Wunsch, in einem japanischen Konzern zu arbeiten?

Es waren vor allem die Freiheiten, die man ihm im Vorstellungsgespräch offeriert hatte. Das früher bei Entscheidungen im Konzern übliche Konsensmodell galt schon damals für den europäischen Markt als überholt. Aber Heimgärtners offene, unverblümte Worte, "die, auch wenn sie unangenehm sind, gesagt werden müssen", waren dann doch ungewöhnlich. "Noch in der Probezeit regte sich ein japanischer Geschäftsführer im Gespräch mit mir so auf, dass er unheimlich laut wurde", erinnert sich der heutige Chef. Das hatte es kaum jemals zuvor gegeben. Gut, dass ein anderer Geschäftsführer ihn damals unterstützte. Dieser half, weil er es zu schätzten wusste, dass sich der Neue anscheinend durchsetzen konnte.

Heute kommt Heimgärtner im Geschäftsleben mit den japanischen Kollegen nach eigenen Aussagen bestens zurecht. Aber im Privatleben seien die kulturellen Unterschiede dann doch zu groß. Nur einmal hatte er in Tokio Gelegenheit, an einer Teezeremonie teilzunehmen. Das hat ihn tief beeindruckt.

Simone Wermelskirchen
Simone Wermelskirchen
Handelsblatt / Redakteurin
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